Vor dem Start in Tschierv: Großrat Georg Fallet (links) mit der Malser Delegation: Petra Plangger, Ulrich Veith, Monika Platzgummer Spieß und Marion Januth

Auf zwei Rädern von Tschierv nach Laatsch

Publiziert in 20 / 2013 - Erschienen am 29. Mai 2013
Von der Staatsgrenze ist kaum etwas zu spüren - „Menschen zusammenbringen, die zusammen gehören.“ Tschierv/Laatsch - Er führt nicht nur durch eine abwechslungsreiche Kultur- und weitgehend unberührte Naturlandschaft, sondern auch von einem Nicht-EU-Land in ein EU-Land. Umgekehrt gilt das natürlich auch. Dass man bei Puntweil die Staatsgrenze zwischen der Schweiz und Italien passiert, fällt den Radfahrern, die den neuen durchgehenden Radweg von Tschierv nach Laatsch befahren, so gut wie nicht auf. Lediglich zwei Hinweisschilder am rechten Ufer des Rambachs weisen auf die Grenze hin. „Menschen zusammenbringen, die zusammen gehören, ist das Ziel dieses durchgehenden Radweges,“ sagte der Malser Bürgermeister Ulrich Veith am Nachmittag des 18. Mai bei der offiziellen Eröffnung des neuen Radweges am Sportplatz in Laatsch. Vom Fuße des Ofenpasses bis nach Mals „Mit der Errichtung des ­Klosterweges von Marienberg bis zum Kloster St. Johann in Müstair wurde die Grenze für Wanderer ‚geöffnet‘ und nun können Einheimische und Gäste auch grenzenlos radeln,“ freute sich Großrat Georg Fallet. Er hatte sich am Vormittag zusammen mit Freunden aus den Gemeinden Val Müstair und Mals bei „Zion Reisen“ des Erwin Gurschler in Tschierv eingefunden. Von dort aus wurde gemeinsam in Richtung Laatsch geradelt. „Zion Reisen“ bietet übrigens in Zusammenarbeit mit „Südtirol Rad“ einen Radverleih in Tschierv an sowie einen Bikeshuttle-Dienst. Tschierv liegt am Fuße des Ofenpasses auf 1.680 Höhenmetern. Die Radstrecke bis nach Laatsch ist ca. 24 Kilometer lang, wobei rund 15 km auf Schweizer Seite liegen. Oswald Toutsch, der ehemalige Bürgermeister von Tschierv, führte die Radler­gruppe von Dorf zu Dorf und von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit. Toutsch ist 83 Jahre alt. Er war früher Wirt auf dem Ofenpass und hat dort nicht wenige Vinschger beschäftigt. Wichtig für den Tourismus, aber nicht nur Die Route durch die Gemeinde Val Müstair führt großteils über Wege, die bereits früher bestanden hatten und zum Teil adaptiert wurden. Der gesamte Strecke dies- und jenseits der Grenze ist als Radweg ausgeschildert. „Wir haben in der Vergangenheit nicht selten ­etwas neidisch beobachtet, wie im Vinschgau und in ganz Südtirol wunderbare und attraktive Radwege entstanden sind,“ räumte Fallet ein. Die jetzt geschaffene Radwegverbindung werde dazu beitragen, den Tourismus auf beiden Seiten zu fördern, aber auch die Menschen stärker zusammenwachsen zu lassen. Interreg-Projekt mit Vorzeigecharakter Schon 2010 hatte sich die Gemeinde Mals die grenzüberschreitende Radwegverbindung von Tschierv bis zum Bahnhof Mals zum Ziel gesetzt. Wie BM Ulrich Veith, der Haupt­initiator dieses Vorhabens, bei der Eröffnungsfeier ausführte, ist nun das erste Teilstück, das die Gemeinde Val Müstair mit dem Vinschger Radweg „Via Claudia Augusta“ verbindet abgeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf über eine Million Euro. Ca. 900.000 Euro davon wurden über ein Interreg IV Projekt (Italien-Schweiz) finanziert. Das Land Südtirol stellte 390.000 Euro bereit. Der Großteil der Geldmittel floss in das ca. 1,6 km lange Teilstück von der­ ­Calvenbrücke bis nach Laatsch. Östlich der Brücke wurde eine Unterführung gebaut. Um die Umwelt möglichst wenig zu belasten, wurde beschlossen, den Radweg nicht zu asphaltieren. So wurde in Absprache mit dem Landesamt für Geologie und Baustoffprüfung als Pilotprojekt eine hydraulisch gebundene Tragschicht verlegt. Hydraulisch gebundene Tragschichten bestehen aus natürlichen oder künstlichen Mineralstoffen wie Splitt, Kies oder Sand, die mit Bindemitteln verfestigt werden. Das zweite Baulos folgt heuer Mit einem zweiten Baulos, das über eine weiteres Interreg IV Projekt (Italien-Österreich) finanziert wird, soll innerhalb August 2013 das Dorf Laatsch mit dem Bahnhof von Mals verbunden werden. Arno ­Lamprecht, der Gemeindepräsident der Gemeinde Val Müstair, Hermann Fliri, der Bürgermeister von Taufers im Münstertal, sowie Landeshauptmann Luis Durnwalder, sein Stellvertreter Richard Theiner und Lorenzo Zanetti, der Leiter der Regionalentwicklung im Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden, sprachen unisono von einem sehr gelungenen Projekt. Wie schon Ulrich Veith dankten auch sie allen Beteiligten, Förderstellen und Projektpartnern dies- und jenseits der Grenze. Lamprecht ließ allerdings nicht unerwähnt, dass der Rambach, der die zwei Talschaften ebenfalls verbindet, auf Südtiroler Seite in Zukunft anders genutzt werden soll als im Biosphärenreservat Val Müstair. Dekan Stefan Hainz erteilte den kirchlichen Segen. Die „Tanzlmusi Taufers“ sorgte für Musik. Vereine aus Laatsch stillten Durst und Hunger.  sepp Laner
Josef Laner
Josef Laner

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