Drei waren dafür, der Rest dagegen.

Bärenjagd ohne Bär am Rambach

Publiziert in 24 / 2013 - Erschienen am 3. Juli 2013
Forderungen der Opposition nach einem besseren Verteilungsschlüssel der Kraftwerkserträge abgeschmettert. Taufers - Neben anderen wichtigen Themen befasste sich der Gemeinderat von Taufers bei seiner jüngsten Sitzung auch mit einem Beschlussantrag der oppositionellen Gemeinderäte Margit Gaiser Schönegger und Serafin Heinrich Schgör von der Liste „Für Taufers“. Es kam einer Verteilung des Bärenfells gleich, obwohl der Bär noch nicht einmal in Sicht oder gar schon geschossen war. Im Zuge der Vorverhandlungen einer eventuellen Konzessionserteilung für ein Kraftwerk von 3 Megawatt war durchgesickert, dass sich Taufers und Mals den erwarteten Erlös halbe halbe aufteilen wollen. Damit war Margit Gaiser absolut nicht einverstanden und forderte bereits am Tag nach der knapp verlorenen Volksabstimmung, dass Taufers 70% des Ertrages erhalten soll und Mals sich mit 30% zufrieden geben sollte. Begründet wurde dies damit, dass Taufers über rund 70% des Gefälles und der Flusslänge verfüge. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, brachten die beiden oppositionellen Gemeinderäte einen Beschlussantrag zu dieser Forderung ein. Groß war dann die Überraschung, als der SVP-Gemeindeausschuss mit BM Hermann Fliri mitteilte, dass man sich mit Mals bereits auf einen Verteilungsschlüssel geeinigt habe. Dieser sehe vor, dass Taufers 49%, Mals und die Fraktion Laatsch 46% und das Fernheizwerk SEG 5% vom Ertrag erhalten sollten. Der Gemeinderätin Gaiser ging diese Abmachung über die Hutschnur: Mals habe alles vorgegeben und Taufers habe sich über den Tisch ziehen lassen. „Wir müssen uns für Taufers einsetzen und nicht für Mals,“ versuchte Gaiser den SVP-Räten ins Gewissen zu reden. Überdies sei es eine Schweinerei, dass nur die SVP diesen Aufteilungsschlüssel beschlossen habe, ohne vorher mit dem Gemeinderat das Gespräch zu suchen: „Ist das denn nur eine Angelegenheit der SVP?“ fragte ein ebenfalls erboster Serafin Heinrich Schgör. Der Bürgermeister versuchte mit einem Rückblick auf die ganze Kraftwerksgeschichte der vergangenen fast zwanzig Jahre zu erklären, wie diese Entscheidung zustande gekommen sei und warum er sie für richtig halte und auch dazu stehe: „Aus Gründen der Solidarität zu Mals wurde diese Entscheidung so gefällt und ich bin mir keiner Schuld bewusst, dass ich Taufers billig verkauft habe.“ Da die Diskussion immer heftigere Formen annahm, sah sich Vizebürgermeisterin Roselinde Gunsch Koch genötigt, auf die Geschäftsordnung des Gemeinderates zu verweisen und verlangte, dass endlich über den oppositionellen Antrag abgestimmt werde. Gemeinderat Stefan Fliri stieß sich daran, dass es wieder nur um das Geld ginge. Es sei ein großer Fehler, auf nichts verzichten zu wollen und bei dieser Vorgangsweise habe er Angst, dass die Gemeinden leer aus­gehen könnten: „Die Chance, dass wir eine Konzession bekommen, wird immer geringer“. Dem hielt Schgör entgegen, dass die Stadt Glurns die Solidarität bereits verraten habe, indem sie - ohne die anderen zu informieren - selbst ein Projekt eingereicht habe. „Wir müssen das beste Projekt ein­reichen mit den besten Umwelt­auflagen, die möglich sind,“ sagte Gunsch Koch und warf Margit Gaiser Unglaubwürdigkeit vor, da sie sich zuerst immer für die Unterschutzstellung des Rambachs eingesetzt habe und nun solche Geldforderungen stelle. Die SVP-Räte waren nicht umzustimmen und viele Fragen blieben offen. So kam es zur Abstimmung: Gaiser, Schgör und Fridolin Wittmer stimmten für den Beschlussantrag, die rest­lichen Gemeinderäte dagegen. Das heißt: Es bleibt auch weiterhin spannend am Rambach. Friedrich Haring
Friedrich Haring
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