Die Projektgruppe (von links): Paul Langsteger, Tobias Hartmann, Vera Kadletz, David Abenthung, Alexander Zoller und Maximilian Graf.

Bei Zusammenarbeit ist noch einiges zu tun

Publiziert in 6 / 2013 - Erschienen am 20. Februar 2013
„Regionale Wirtschaftskreisläufe im Vinschgau“ – Die Studie aus der Sicht der Studenten. der Vinschger: Herr Maximilian Graf, Sie waren einer der 6 Studenten, die im Rahmen der Lehrveranstaltung „Projektmanagement & Praxisprojekt“ am Management Center Innsbruck 4 Monate lang an einem Projekt für den Vinschgau mitgearbeitet haben. Wir haben die wichtigsten Ergebnisse in unserer jüngsten Ausgabe (der Vinschger Nr. 05/2013) vorgestellt und möchten die Studie nun auch aus der Sicht der beteiligten Studenten etwas näher beleuchten. Wie haben Sie den Vinschgau als Region erlebt? Maximilian Graf: Im Rahmen des Projektes wurde unserer Studentengruppe die Möglichkeit geboten, den Vinschgau zu besuchen, um vor Ort Experteninterviews durchzuführen. Wir haben den Vinschgau dabei als eine wahnsinnig schöne Region mit atemberaubender Natur und sehr freundlichen Menschen erlebt. Wenngleich mir persönlich der Vinschgau vor dem Projekt kein Begriff war, werde ich den Vinschgau bestimmt wieder besuchen. Ich kann mir durchaus vorstellen, einen meiner nächsten Urlaube in dieser Region zu verbringen. In der Projektanalyse werden auch Empfehlungen ausgesprochen. Was läuft im Vinschgau laut Analyse derzeit „schief“ und was funktioniert gut? Eine ganz besonders wichtige Herausforderung, die unsere Gruppe für den Vinschgau identifizieren konnte, besteht in der nachhaltigen Implementierung umfassender Kooperationen zwischen den Gemeinden. Ein starker regionaler Wirtschaftskreislauf kann nur dann funktionieren, wenn alle an einem Strang ziehen. Obwohl unsere Analyse zeigt, dass in diesem Zusammenhang im Vinschgau durchaus noch Verbesserungspotentiale bestehen, ist uns mit der Kornkammer Vinschgau ein besonders gut funktionierendes Beispiel einer Kooperation aufgefallen, von dem alle Beteiligten unmittelbar profitieren. Ebenfalls würde ich die Arbeit und das Engagement von Herrn Konrad Meßner, insbesondere im Bereich der Bewusstseinsbildung, als sehr wichtigen Faktor für die erfolgreiche Entwicklung regionaler Wirtschaftskreisläufe im Vinschgau einstufen. Welches sind die wichtigsten Ansätze, um die regionalen Wirtschaftskreisläufe im Vinschgau zu stärken? Wie bereits erwähnt, ist es ganz besonders wichtig, dass möglichst viele Bewohner des Vinschgau regionale Wirtschaftskreisläufe unterstützen, somit Ziele gemeinsam verfolgen, damit schlussendlich die gesamte Region von den daraus resultierenden Vorteilen profitieren kann. Aus diesem Grund stellt auch die „Bewusstseinsschaffung“ den ersten unserer angedachten Schritte zur Verbesserung regionaler Wirtschaftskreisläufe dar. Den zweiten Vorschlag, den wir Herrn Meßner und der Region unterbreiten, haben wir mit „Vinschger Siegel“ betitelt. Ein solches Siegel wäre als Qualitäts- und Regionalitätsnachweis gedacht, den nur regional nachhaltig agierende Landwirte, Handwerker, Touristiker, etc. führen dürften. Eine Folge des Siegels wäre unser dritter Vorschlag - das so genannte „Vinschger Kistl“. Dieses stellt einen Warenkorb dar, der es sowohl Haushalten als auch Gewerbetreibenden einfacher machen soll, regionale Produkte zu beziehen. Spezielle Warenkörbe aller Art könnten unter diesem Namen vertrieben werden; beispielsweise als „Vinschger Frühstückskistl“. Es gibt derzeit nicht nur Unterschiede innerhalb der klassischen Wirtschaftssparten, sondern auch intern, etwa im Bereich der Landwirtschaft. Wie können „Reibereien“ zwischen Obstbau und Grünlandwirtschaft oder zwischen biologischer und konventioneller Anbauweise überwunden werden? Hier gilt es aktiv Konversation zu betreiben. Es müssen Aktivitäten gesetzt werden, die Eigentümer von Nachbarparzellen an „einen Tisch“ zusammenbringen“, damit diese gemeinsam Lösungsvorschläge entwickeln, die schlussendlich zu sogenannten „Win-Win“-Situationen führen, in denen alle Beteiligten profitieren. Heutzutage sind sich viele Konsumenten und Produzenten der negativen Auswirkungen von Chemikalien in der Landwirtschaft bewusst; das belegen viele Studien. Wenn vor diesem Hintergrund ein schrittweises Umdenken der konventionellen Landwirtschaft erfolgen könnte, wäre dies ohne Zweifel eine zu begrüßende Entwicklung. Kurzfristig wäre es meiner Meinung nach jedoch ein wichtiger Schritt, dass sich alle Beteiligten gegenseitig akzeptieren und auf Basis von gegenseitigem Respekt nach effizienten gemeinsamen Lösungen suchen. Die Analyse enthält auch eine Untersuchung zwischen den Erträgen aus Äpfeln und Getreide. Ist es nicht so, dass aus dem Getreide mehr herauszuholen ist? Diese Analyse haben wir angestellt, um uns einen ersten Überblick zu verschaffen, warum sich eine Region, die prädestiniert für den Getreideanbau ist, zu einer Obstanbauregion entwickelt hat. Wir stellten mittels Ertragsvergleichsrechnung zwar fest, dass ein Kilogramm Äpfel vergleichsweise ertragsreicher ist. Hierbei haben wir aber lediglich das „Rohprodukt“ betrachtet und sind nicht auf das veredelte Gut eingegangen. Unter Berücksichtigung der größeren Veredelungsmöglichkeiten von Getreide (z.B. als Brot, Gerstkaffee, Whiskey u.v.a.m.) ergäbe sich allerdings ein Mehrwert für die Region, der von Obst in dieser Form nicht geschaffen werden könnte. Oft wird in der Studie von „Kapitalabfluss“ gesprochen, etwa durch die vielen Saisonarbeiter im Obstbau und auch im Tourismus. Sollen wir die Äpfel künftig selbst pflücken und auch die Teller selbst spülen? Nein, das meinten wir mit dieser Feststellung nicht. Es wäre natürlich ein falsches Signal, zu sagen, der Vinschgau solle seine Grenzen dicht machen und keine Hilfskräfte mehr in die Region lassen. Vielmehr geht es darum, dass der Obstanbau an sich nur wenig Wertschöpfung innerhalb der Region generiert. Zwar trifft es teilweise zu, dass die im Vinschgau erarbeiteten Einkünfte abfließen bzw. oft überhaupt erst außerhalb des Vinschgau generiert werden. Aber genau aus diesem Grund sollte die Wertschöpfung in der Region durch Aufbau neuer bzw. Stärkung bereits vorhandener regionaler Wirtschaftskreisläufe erhöht und dadurch auch der Problematik des Kapitalabflusses aus der Region entgegengewirkt werden. Sepp Laner
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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