Bergrettungsdienst Schnals

Publiziert in 26 / 2006 - Erschienen am 8. November 2006
Schon seit den Anfängen der Bergsteigerei gab es vor allem im hinteren Schnalstal immer wieder mutige Bergführer, die sich freiwillig auf die Suche nach vermißten oder verunglückten Personen gemacht haben. Mit wenig Material und einfachsten Mitteln mussten sie zurecht kommen. Auch eine Ausbildung zum Bergretter gab es damals noch nicht. 1951 schlossen sich die freiwilligen Helfer im Schnalstal zusammen und gründeten den Bergrettungsdienst Schnals. Ausbildungen und Kurse wurden organisiert und Material angekauft. Anton Raffeiner hat den Bergrettungsdienst in den 80er Jahren als Rettungsstellenleiter übernommen und sich für die Entwicklung des Vereins engagiert eingesetzt. 20 Jahre lang baute er den Verein auf, übernahm die vielfältigsten Arbeiten und Aufgaben. Dafür sei ihm an dieser Stelle herzlich gedankt. Das Interesse am Bergrettungsdienst erlebte in den 90er Jahren einen kräftigen Aufschwung. Seit 1993 kann der Verein auf eine Vielzahl von Anwärtern zurückschauen. Mit der wachsenden Zahl der Mitglieder wuchs auch der Bedarf nach größeren Räumlichkeiten. 1999 wurde die Feuerwehrhalle umgebaut und im Zuge der Umbauten erhielt auch der Bergrettungsdienst Schnals neue Räumlichkeiten. Neben Büro, Lagerraum und Versammlungsraum gibt es auch eine Kletterwand zum Üben von Seiltechniken. Seit den Wahlen im Jahr 2002 leitet Armin Ladurner den Bergrettungsdienst Schnals. Zur Zeit zählt der Verein 13 aktive Bergretter und sieben Anwärter. Mit einem Durchschnittsalter von Mitte 30 zählen die Schnalser Bergretter zu einem der jüngsten BRD’s im Land. Übung macht den Meister Aus- und Weiterbildungen, sowie Übungen stehen regelmäßig auf dem Plan für die freiwilligen Helfer. Die Anwärter müssen innerhalb von zwei Jahren unter anderem einen siebentägigen Anwärterkurs, Felskurse, Klettertests, Eiskurse, 1. Hilfe-Kurse und einen Winterrettungslehrgang absolvieren, damit sie zur Bergretter-Prüfung antreten dürfen. Grundvoraussetzungen für die Anwärter sind Volljährigkeit, die Freude am Berg, Tourenerfahrung, Ortskundigkeit und Trittsicherheit. Erst nach der bestan­denen Prüfung dürfen sie alleine zu Einsätzen ausrücken. Im Jahr 2006 fanden ca. alle 2 Wochen Übungen statt. Doch auch für die ausgebildeten Bergretter gehört die Weiterbildung nach wie vor zum Pflichtprogramm: Seiltechniken, Neuerungen in der 1. Hilfe, Sicherheitsvorkehrungen am Berg und Angehörigenbetreuung sind ­Themen, die unter anderem in verpflichtenden Landeskursen zur Sprache kommen. Der Bergretter ist ein Allrounder, der sich nicht nur im technischen Bereich gut auskennen muss. Auch Liftrettungen und Übungen zu Lawinensondierungen werden regelmäßig abgehalten, damit die Sicherheit gewährleistet werden kann. Liftangestellte, Feuerwehr und Skilehrer sind dabei mit von der Partie. Sie unterstützen den BRD bei der Suche nach Verschütteten bei Lawinenabgängen. Eine Helikopterkerngruppe, zu der Armin Ladurner, Klaus Tumler, Elias Tumler, Philipp Kofler, Kurt Gurschler und Neno Ongaro gehören, fliegt bei den Rettungseinsätzen zum Unglücksort. Sie alle haben eine Zusatzausbildung Heli-Theorie hinter sich. In Zukunft soll auch eine Canyon­ing-Rettungsgruppe aufgebaut werden. Dieser extrem gefährliche Sport wird zunehmend beliebter, erfordert jedoch auch immer wieder Opfer. Sicherheit geht vor In den letzten 5 Jahren rückte der Berg­rettungsdienst Schnals zu durchschnittlich 20 Einsätzen, meist Suchaktionen, pro Jahr aus. 90% dieser Einsätze fanden im hinteren Schnalstal statt. Dabei retten die Freiwilligen nicht nur Menschen in Not, sondern sind auch selber Gefahren ausgesetzt. Besonders tragisch ist es, wenn Retter im Einsatz zu Schaden kommen. Diese Gefahrensituationen verlangen nicht nur von den Rettern viel ab, vor allem für die Familien ist es eine ständige Belastungsprobe. Außerdem sind die Bergretter 24 Stunden, 7 Tage die Woche im Einsatz. Auch Sonn- und Feiertags müssen die Männer ausrücken, wenn Menschen in Not sind. Neben der physischen Belastung ist das schwerste wohl der psychische und seelische Druck, wenn Verunglückte oder Vermisste nur noch tot geborgen werden können. Dann steht der Trost der Angehörigen und Augenzeugen im Vordergrund, eine der schwersten und bedrückendsten Aufgaben für die Bergretter. Kraft gibt dann die Familie zu Hause. Deshalb geht ein ganz besonderer Dank an die Angehörigen der Bergretter, die viel Verständnis für das Engagement ihrer Männer, Brüder und Söhne aufbringen. 55 Jahre BRD Schnals 2006 zählt der Bergrettungsdienst Schnals 55 Jahre. Zeit für ein leistungskräftiges Einsatzfahrzeug. Eine Sonderanfertigung eines Landrover Jeeps, der Platz für Patienten und alles nötige Material bietet, soll angekauft werden und im nächsten Jahr bereit sein. Beiträge dazu erhält der BRD vom Land, von der Raiffeisenkasse, den Gletscherbahnen und vor allem der Gemeinde, die ein offenes Ohr für das Anliegen hatte und die Notwendigkeit sofort gesehen hat. Für diese Unterstützung spricht der BRD Schnals seinen Dank an alle Sponsoren aus. Doch die Bergretter bemühen sich auch um Eigenfinanzierung. Dazu organisieren sie Veranstaltungen wie das Fest zum alljährlichen Schafabtrieb in Kurzras, das stets am 2. Sonntag im September stattfindet. 2006 konnten sich die Organisatoren über herrliches Wetter und rund 2.000 Besucher freuen. Die vielen freiwilligen Helfer sind eine große Unterstützung, auch ihnen sei an dieser Stelle herzlich gedankt. Die Jubiläumsfeier zum 55. Geburtstag wird 2007 gefeiert. Dazu ist ein großes Sommerfest geplant, bei dem auch das neue Auto eingeweiht wird. Auftritte von namhaften Musikgruppen, wie z.B. den Kaiserjägern sind bereits organisiert. Das Sommerfest soll in den kommenden Jahren zu einer festen Einrichtung werden. Die damaligen Idealisten wie die heutigen treibt der Wunsch Hilfe zu leisten, Leben zu retten. Die schönste Gegenleistung ist die Dankbarkeit, die sie in den Augen der Menschen sehen, wenn sie ihnen zu Hilfe kommen. Der Bergrettungsdienst Schnals bedankt sich bei den Behörden, den Carabinieri und der Finanzwache (SAGF) für die ­außergewöhnlich gute Zusammenarbeit.

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.