Der Panoramaweg von Kapron erreicht den „Kühtrai“ zum Weiler Pleif mit der Kapelle zur Hl. Agatha und steigt wieder an, um den Pleifbach zu überqueren

„Darüber rede ich nicht, weil ich nichts weiß“

Publiziert in 27 / 2012 - Erschienen am 11. Juli 2012
Über 60 interessierte „Toulerinnen und Touler“, auch jüngeren Baujahres, waren zur Bürgerversammlung nach Pedross gekommen, wo ihnen die ­Verwalter Rede und Antwort standen. Pedross – Eindrucksvoll war das Interesse, eindrucksvoll auch die Zahl der Maßnahmen und Projekte, die in und für Langtaufers umgesetzt wurden und noch umgesetzt werden. Referent Peter Eller, der zusammen mit Bürgermeister Heinrich Noggler und Gemeinderat Wolfgang Thöni den Bürgern gegenüber saß, begann seinen Rückblick mit dem Netz für den Fußballplatz. Dazu listete er für das abglaufene Verwaltungsjahr 17 Projekte auf mit den Schwerpunkten Fernheizwerk Pedross-Kapron, für das inzwischen eine Blockheizkraftwerk angedacht werde, den Parkplatz in Melag, die Wohnbauzone in Pedross und den Gehsteig von Kappl nach Melag. Er beendete seine Ausführungen nach 40 Minuten mit der Vorschau auf die Benennung der Straßen und Neuverteilung der Hausnummern, auf den Schülertransport und das Wasserkraftwerk Karlinbach. Querbeet durch die ganze Gemeinde führte anschließend Bürgermeister Heinrich Noggler. „Das größte Bauprojekt der letzten Jahre in der Gemeinde Graun“, die Investition von fünf Millionen Euro für die Mittelschule, war ihm eine detailliertere Ausführung wert. Er streifte den angestrebten Zusammenschluss Haideralm-­Schöneben und quittierte das negative Ergebnis des Business-Planes mit: „Jetzt muss man schauen, wie man da heraus kommt.“ Bürgermeister Noggler erwähnte auch die relativ hohen Kollaudierungskosten für das höchste Passagierschiff Südtirols, die „Hubertus“ auf dem Reschensee. Am Eingang zum Lang­tauferertal soll das Sägewerk Eller einem Betriebsgründerzentrum weichen, teilte Noggler mit und ließ unschwer erkennen, dass ihm der Kraftwerksbau am ­Karlinbach und die Gestaltung des Turmareals in Graun wichtige Anliegen sind. Interessierte Bürger Um 22 Uhr war dann „das Volk“ dran. Die „Eisbrecherfrage“ betraf private Geburtstagsfeiern in Vereinshäusern. Danach wurde die Energieversorgung zum Thema. Die Sorge um die Streichung der Förderbeiträge für Private, wenn in einer Gemeinde der Bau eines Fernheizwerkes angestrebt werde. Oder der Hinweis, dass Blockheizkraftwerke nicht mehr so günstig arbeiten und dass daher die gerade stehen sollten, die es wollen. Als beschämend wurde die Knausrigkeit beim Schülertransport mit nur drei Fahrten pro Tag bezeichnet. Gar als undemokratisch betitelte man die Vorgangsweise der Verwalter, zuerst das Kraftwerkprojekt nach Bozen zu schicken und die Betroffenen nur mehr Ja und Amen sagen zu lassen. Bürgermeister Noggler warnte, das Fell des Bären zu verteilen, bevor der Bär erlegt sei. Mit den Bürgern würde man sehr wohl reden, wenn die Konzes­sion genehmigt sei. Nachgefragt wurde, warum man die Energiegenossenschaft Oberland (EGO) als Teilhaber am Karlinbach-Werk im Boot haben müsse. Der Bürgermeister erinnerte an die beschlossene Übernahme des Stromverteilernetzes, das nur der EGO übertragen werden könne. Es entwickelte sich eine Diskussion über die Kommunikation innerhalb des Fraktionsrates im „Toul“. Persönliche Aussagen des Präsidenten Toni Zanini (entschuldigt abwesend) würden als Aussagen des Rates eingeschätzt, wurde angekreidet. Es braucht eine klare Linie Nicht nur zum Kraftwerksbau am Karlinbach erwartete sich ein Bürger „eine klarere Linie“, sondern auch zum „Fall Kaunertal“. Im Hintergrund werde herum gerührt, aber wenn die Politik ein für alle Mal das Thema vom Tisch wischen würde, könnte die gesamte Energie zum Beispiel auf das Langlaufkonzept gerichtet werden. Bürgermeister Noggler gab zu verstehen, dass er erstens keinerlei Informationen habe, zweitens dass man in der Arbeitsgruppe zum Tourismuskonzept, in dem auch Hansi Klöckner sitze, gegen den Zusammenschluss mit dem Kaunertal gewesen sei. „Ich bin nicht gekommen, um über dieses Thema zu reden, weil ich auch nichts weiß“, meinte der Bürgermeister und deutete an, dass er auch gehen könne. Im Hintergrund hörte man eine Frauenstimme: „Wir möchten aber schon darüber reden“. Zur Zusammensetzung der Arbeitsgruppe im Tourismuskonzept meldete der Hotelier Helmut Köllemann große Bedenken an. Sinngemäß meinte er, dass kein Touristiker dabei sei. Sein Berufskollege, Josef Thöni, machte aufmerksam, dass man mit sanftem Tourismus und einem „schönen Talschluss“, wie sich die Kraftwerkkritiker ausdrückten, als Gastwirt nicht überleben könne, und erinnerte mit Nachdruck an die derzeitige Chance „mit dem Gletscher zusammenzuschließen“. Das Wort Gletscher wiederum gab einem jüngeren Mitbürger das Stichwort: „Die Gletscher sind unsere Trinkwasserspeicher und unsere Zukunft“, erklärte der vehement. Thöni wollte auch Näheres zur Vorgangsweise beim Bau des Panoramaweges zwischen Pedross und Melag erfahren. Gleichzeitig erinnerte er an den schon bestehenden Höhenweg auf 2.500 bis 2.700 Metern, der vom Militär angelegt worden sei und zunehmend verfalle. Die Versammlung endete mit einer Überraschung. Ausgerechnet ein Langtauferer Aushängeschild wurde als bedenklich für die Entwicklung des Tales eingestuft. Die „Erlebnisschule“ sei zwar pädagogisch eine großartige Sache, meinte Richard Fliri, aber sie fahre auf der Billigschiene. Sie trage zum guten Ruf bei, aber nicht zur Wirtschaftskraft. Günther Schöpf
Günther Schöpf
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Vinschger Sonderausgabe

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