Franz Haller mit dem Dokumentarfilm, den er in Zusammenarbeit mit Ludwig Regele produzierte.

Dem Unrecht ein Ende setzen

Publiziert in 20 / 2012 - Erschienen am 23. Mai 2012
Goldrain - Geht es nach dem Meraner Professor Franz Haller, könne der faschistischen Ortsnamengebung ein Ende gesetzt werden. Haller studierte Völkerkunde und Geschichte in Wien. Später unterrichtete er unter anderem in Südamerika. 2005 veröffentlichte Haller den Dokumentarfilm ­„Ettore Tolomei und der italienische Nationalismus in Südtirol“. Diesen präsentierte er vor kurzem in Goldrain. Referierte der Professor in der Vergangenheit oft vor vielen hundert Gästen, fanden sich bei der vom Bildungsausschuss und der Schützenkompanie Goldrain organisierten Veranstaltung, trotz ihres bildungspolitischen Hintergrundes, nur wenige Zuschauer ein. Der Film mit einer Laufzeit von über 70 Minuten erläutert die geschichtlichen und ­politischen Hintergründe des Ettore ­Tolomei. Der Titel des Films sollte ursprünglich lauten „Wie ein ­Fälscher Geschichte macht“, erklärt Haller. Tolomei, ein „Fälscher“, der mit seinen erfundenen und pseudoitalienischen Ortsnamen einen wesentlichen Teil zur Geschichte beitrug. Die erfinderische Ader Tolomeis verdeutlicht sich am Beispiel Sterzings. Tolomei entschied sich nicht etwa für die nahe liegenden Begriffe Sterzingo oder Sterzen, sondern wählte bewusst den Namen Vipiteno, der auf die alte Römersiedlung Vipitenum zurückzuführen ist. „Damit wollte Tolomei verdeutlichen, dass dieses Vipiteno zu Rom gehört, und nicht zu Wien“, sagt Haller. 1923 verlas Tolomei sein 32-Punkteprogramm zur Italianisierung Südtirols. Forderungen, wie das Verbot des Namens „Südtirol“ oder die Italianisierung der deutschen Familiennamen, sind heute unvorstellbar, wurden zum Teil jedoch schrittweise umgesetzt. „Als Tolomei 1952 verstarb, war er bereits eine historische Figur. Er hinterließ ein schweres Erbe“, so Haller. Ein Erbe, das unter anderem die italienischen Ortsnamen beinhaltet. Das Vermächtnis Tolomeis könne jedoch angefochten werden. „Zwei Verfassungsge­setze müssten gestrichen werden. Durch eine Klage beim Verfassungsgericht wäre die einsprachige, deutsche, kulturell gewachsene Bezeichnung der Ortsnamen durchaus möglich“, ist Haller überzeugt. Als positives Beispiel nennt er das Aostatal. Im Gegensatz zu Südtirol habe Aosta eine einsprachige französische Bezeichnung der Ortsnamen durchgesetzt. Freilich wäre ein solcher Schritt jedoch kompliziert und langwierig. Kontakt habe Haller dafür bereits zu den Schützen hergestellt. „Es brauche italienische Rechtsexperten sowie den Zuspruch der Menschen, dann könnte man durchaus über eine solche Klage nachdenken“, erläutert Haller. Was den Zuspruch der Bevölkerung betrifft, ist Haller davon überzeugt, dass „jeder freiheitsliebende Mensch sich gegen die faschistischen Ortsnamen ausspricht“. Für weitere Informationen zum Dokumentarfilm kann man sich die E-Mail-Adresse hallerfilm@yahoo.de wenden. 
Michael Andres
Michael Andres
Vinschger Sonderausgabe

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