Den Ärmsten der Armen helfen

Publiziert in 11 / 2005 - Erschienen am 9. Juni 2005
Helmut Spieß aus Taufers im Münstertal versucht bereits seit Jahren, seine Hilfe so weit als möglich für die Armen in Indien, besonders in der Millionenstadt Kalkutta, einzubringen. Bei einem seiner Vorträge war Petra Theiner aus Prad von dem Elend dieser Leute, besonders der Kinder, so gerührt, dass sie entschloss, für einige Zeit dort hinzugehen und persönlich zu helfen. Bei einem Benefizabend in Prad berichtete Petra Theiner nun über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen in den Armenvierteln des Landes. Wenn sie oft die Bemerkung hörte, „das nützt ja eh nichts”, so widerlegte sie diesen Ausspruch bei ihrem Vortrag auf die eindringlichste und ergreifendste Weise. Bei ihrem ersten Aufenthalt im so genannten Sterbehaus, das von Mutter Theresa in Kalkutta eingerichtet wurde, begleitete Petra über zwei Monate ein 14-jähriges Mädchen, das von ihren Eltern mit Benzin übergossen und angezündet wurde, weil die Eltern keine Aussteuer für die vorgesehene Hochzeit mitgeben konnten. Nur durch Spendengelder konnte das Mädchen in eine Klinik gebracht werden. Heute kann Monika bereits einige Schritte alleine gehen. In Shillong fand Petra den kleinen Roy, der ohne Arme geboren war. Darauf hin verließ sein Vater die Familie und Roy landete in einem Heim, wo es für ihn jedoch keine Hilfe gab. Dies sind nur zwei Fälle von tausenden, sagt Petra Theiner. Die Hölle von Kalkutta Petra erklärt auch, warum sie das Wort Hölle verwendet. Es ist ein Getummel von 25 Millionen (!!) Menschen, es ist wahnsinnig laut, tausende herumstreunende Hunde, die in der Nacht bellen, Taxis, die den ganzen Tag über hupen, unvorstellbare hygienische Verhältnisse, meistens kein Wasser und kein Strom, Waschen in einem Fluß, wo ,,alles“ entledigt und erledigt wird, für unsere Verhältnisse einfach nicht vorstellbar. Täglich kommen 1000 Menschen dazu. Bauern, die den Pachtzins an die Großgrundbesitzer nicht mehr zahlen konnten, flüchten in die Stadt, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Doch fast alle landen in der Gosse, verkümmern elendiglich und werden oft von Ratten angefressen gefunden. Wem dies geschieht und wer in ein Heim gebracht wird, der hat noch Glück gehabt. Sonst gibt es kein Entrinnen. Dann kommt aber das nächste Elend. In Krankenhäusern wird nur behandelt, wer bezahlen kann. Somit ist das Elend oder das Ende bereits besiegelt. In ihren Vorträgen fordert Petra mit sehr bewegenden und tief greifenden Worten alle auf, nicht weg zu schauen und die Augen zu verschließen, vor den Ärmsten der Armen. Sie ersucht alle, gemeinsam die „Hoffnung auf einen besseren Morgen“ nicht aufzugeben. Unter diesem Motto findet am Freitag, 10. Juni, mit Beginn um 20 Uhr im Zivilschutzzentrum von Mals der Filmbenefizabend für „Südtiroler Ärzte für die Dritte Welt“ statt. Während der Pause und im Anschluss gibt es kleine Erfrischungen. Für jede Spende, auch die kleinste, werden Ihnen die Ärmsten der Armen in Kalkutta dankbar sein.
Erich Waldner

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