Die Erstbegeher am Marteller „Observatorium Suachbichl“

Der Bergbauer macht den Mehrwert

Publiziert in 28 / 2012 - Erschienen am 18. Juli 2012
Großer Festtag in der Marteller Fraktion Waldberg. Fünf Höfe verbinden sich mit dem Themenweg „Waldbergbauer-Weg ...erlebbare Tradition“ und zeigen sich von ihrer besten Seite. Martell-Waldberg - Vom Waldberg war wenig zu sehen. Im Nebel und bei einsetzendem Regen begann der Niederhofbauer Josef Maschler die erste Übersichtstafel zu erklären. Ab und zu rissen die Nebelschwaden auf und gaben einen Blick auf die schroffen Felsen unter der Soy-Alm frei. Es konnte nur mehr besser werden, waren sich die Teilnehmer einig, als sie den zweiten Waldberg-Hof erreichten und am oberen Oberhof die Holzbauweise bewunderten und im unteren in die warme Backstube geführt wurden. Wohlig aufgewärmt setzten die Erstbegeher des „Waldbergbauer-Weges“ ihre Tour fort, passierten eine aufgelassene Getreidemühle, tauchten in den Nadel-Wald ein und standen mitten in einem Abenteuer. Das Abenteuer war für die ersten Siedler am Waldberg allerdings ein einziger Überlebenskampf. Er zwang sie, metertiefe Gruben auszuheben, um sich die Wölfe vom Leib zu halten. Er zwang sie Kalksteine zu schleppen, Brennöfen zu bauen, um Kalk für ihren Häuser zu gewinnen. Waldlichtungen wurden zu „Mahdern“, Mähwiesen. Die Waldberger hatten sich die Bären vom Leib zu halten und fürchteten sich vor Geistern und Hexen. Josef Maschler und Leander Regensburger, die zusammen mit Bürgermeister Georg Altstätter, Bauernbundbezirksobmann Andreas Tappeiner und dem Direktor des Bauernbundes, Siegfried Rinner, durch den feucht-dampfenden Wald stapften, hatten nicht zu viel versprochen. Der sieben Kilometer lange „Waldbergbauer-Weg“ zwischen Niederhof auf 1.650 Metern, Oberhof, Stallwies auf 1.953 Metern, Greit und Greithof war ein Erlebnis. Dem „Suachbichl“, dem Suchhügel, als höchste Erhebung auf 2.010 Metern hatten die Vorfahren nicht ohne Grund diesen Namen gegeben. Es war die perfekte Choreographie, als die Wolken aufrissen und atemberaubende Blicke in den Unteren und Oberen Vinschgau zuließen. Martell hat ein Observatorium Beim Abstieg vom „Marteller Observatorium Suechbichl“ kamen die ersten Wanderer entgegen, darunter Konzeptberater Arnold Karbacher und die Gestalterin der Info-Tafeln, Judith Winkler. Im „Sebelwald“, einer der größten, zusammenhängenden Zirbelkiefernbestände des Landes, war Interessantes über das „Streibsammeln“, das Sammeln von Fichten-, Lärchen- und Kiefern-Nadeln, und über die Verwendung der Zirbe und ihrer Samenzapfen zu erfahren. Warum gerade über dem Waldberg Bartgeier oder Steinadler kreisen könnten, erklärte die Informationstafel zum Nationalpark Stilfserjoch und die Figuren des „Motorsägekünstlers“ Markus Nabersberger aus Stilfs. Und wieder ein Höhepunkt am neuen Rundwanderweg. Bis zu den Greithöfen, mehr als einen Kilometer lang, hat der Wanderer Zeit, den Erfindergeist und das handwerkliche Geschick der Waldberg-Bauern zu bewundern. Seit Jahrhunderten verteilen sie das kostbare Wasser durch ausgehölte Baumstämme, sogenannte „Kandl“, an die fünf Höfe. Die Holzröhren ineinandergesteckt bilden den „Kandlwaal“, Waal von „via auqalis“, Wasserweg. Inzwischen war Bewegung entstanden am Forstweg zur Stallwieser Mühle. Viel Marteller Volk, viele Gäste, viel Prominenz, darunter Nationalpark-Direktor Wolfgang Platter, seine Mitarbeiter, die Landesbäuerin Hiltraut Erschbamer, die Bezirksbäuerin Ingeborg Rechenmacher, die Vorsitzende des bäuerlichen Notstandsfonds, Rosl Lesina-Debiasi, Gemeindereferenten und die Obleute der Marteller Verbände waren zur Segnung des Themenweges gekommen. „Wir sind dem Herrgott bis auf 2000 Metern entgegen gegangen“, meinte Ortspfarrer Alois Wallnöfer vor der Segnung. Die Moderation übernommen hatte Leander Regensburger, die Begrüßung Bürgermeister Georg Altstätter. Vizebürgermeister und Waldbergbauer Josef Maschler erklärte den Anwesenden den Weg und die Beweggründe, auf diese Weise das Bergbauerntum weiterleben zu lassen. Bewunderung und Anerkennung drückten die Landesbäuerin Erschbamer, der stellvertretende Leiter des Forstamtes Schlanders, Georg Pircher, und Bauernbunddirektor Siegfried Rinner aus. Frieda Kuenz von Greit, Sabine Colin vom Greithof, Eduard Stricker von Stallwies, Marlene Maschler, die Bäuerin des Jahres vom Niederhof, und Valentin Spechtenhauser von Oberhof durften ihre Produkte vorstellen. Günther Schöpf
Günther Schöpf
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Vinschger Sonderausgabe

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