Die stattliche Truppe der Mädchen

Der Kriegsgott und die Viehbauern

Publiziert in 5 / 2006 - Erschienen am 8. März 2006
Müstair – Man muss tief in die Geschichte-Kiste greifen, um an die Wurzeln des „Chalanda Marz“ zu gelangen. Wer hätte je gedacht, dass der römische Kriegsgott Mars dem Ohren betäubenden Umzug im schweizerischen Müstair Pate stand. Am ersten Tag des Monats „Mars“, einst der Neujahrstag der alten Römer, unterwarfen sich die Jungmänner des Dorfes dem Kommandanten und seinem Stellvertreter, behingen sich mit den größten und prächtigsten Kuhglocken und begrüßten lautstark das neue Jahr. Inzwischen sind es nicht mehr die jungen Viehbauern, sondern die Volks- und Mittelschüler und seit etwa 30 Jahren auch die Mädchen, die sich ihren Kommandanten und dessen Vize am 28. Januar, am Todestag Karls des Großen, wählen. Am Vormittag des 1. März ziehen sie in kleineren Gruppen herum und fordern die Bauern singend auf: „Laschai la vachas our d’uigl“ – „lasst die Kühe aus dem Stall“. Um die Mittagszeit beginnt dann der eigentliche Umzug. Mit unbeschreiblichem Lärm zieht die blau uniformierte Schar der „Scheller“ ins Oberdorf, teilt sich in zwei Gruppen, die den Gasthof Löwen umkreisen und dann in die Handwerkerzone ziehen. Mit den Spenden, die die schellenden Mädchen und Burschen dabei bekommen, wird in der Schulmensa das Essen vorbereitet und zur abendlichen Tanzveranstaltung hergerichtet. Früher wurde dabei Volksmusik gemacht, heute ist daraus eine richtige Disco-Fete geworden, zu der an sich keine Erwachsenen Zutritt haben.
Günther Schöpf
Günther Schöpf
Vinschger Sonderausgabe

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