Helmuth Rechenmacher machte einen Blick zurück.

Der Mann hat was zu erzählen

Publiziert in 16 / 2013 - Erschienen am 2. Mai 2013
Helmuth Rechenmacher genießt es, nicht mehr nach dem ­Terminkalender leben zu müssen und blickt dankbar auf „gelebte Veränderungen“ zurück. Naturns - Aus dem Kopf aufs Papier wollte er schreiben, ohne Unterlagen, ohne Bibliotheken. Es gehe ihm nur um die Erinnerungen. Um nicht mehr und nicht weniger. Das Wenige ist im Eigenverlag erschienen und umfasst 72 Seiten, in 27 Kurzkapiteln mit Aufnahmen, die jedes gewichtige Dorfbuch zieren würden. Das Mehr wäre die Fülle an vergessenen Ausdrücken zu Arbeiten, die nicht mehr nötig sind, zu Geräten, die nicht mehr gebraucht werden, und zu Fluren, die niemand mehr weiß. Würde man ein Glossar mit Erläuterungen erstellen, es wären noch zwei Mal 72 Seiten notwendig. Die Erinnerungen des Helmuth Rechenmacher vom Niedermayerhof liest man in einem Zug. Ohne schriftstellerische Spitzfindigkeiten hat der heute noch als „Langzeitvizebürgermeister“ in Naturns bekannte Tschirlander seinen „Blick zurück“ auf „erlebte Veränderungen“ geworfen. Geradeheraus, ehrlich, Aufregungen und Gefühle hinter den Ereignissen dem Leser überlassend. 28 Vereinen, Verbänden und Institutionen hat er angehört. Zuerst als Ministrant, zuletzt als Präsident des Naturparks Texelgruppe. Der Sohn des Niedermayerknechts trägt Verdienstkreuze und Ehrenringe und darf sich „Cavaliere della Repubblica“ nennen. Er hat Papst Johannes Paul II. die Hand gedrückt und Michail Gorbatschow auf die Schulter geklopft. Er ist im „Zillele“ durch Tschirland gerodelt und hat das „Kiniwasser“ zur besseren Verteilung in die „Beregnungstschött“ geschüttet. Auf seiner Alm im Pfossental gingen Minister ein und aus. Er muss die Wellnessbewegung in Naturns erfunden haben, weil er schon vor Jahren bekannten und weniger bekannten Frauen das Rableider „Busenstraffungswasser“ angepriesen hat. Er hat erlebt, wie der Pfarrer vor dem Einfluss der evangelischen Touristen warnte und sich weigerte, das Obstmagazin zu segnen, weil es größer als die Kirche war. Er weiß um das Glück, den Bau des Bürger- & Rathauses durch die Abstimmung gebracht zu haben, weil ein Oppositioneller vorher nach Hause gehen musste, um zu „wurschten“. „Es war das Aufregendste in meiner Karriere als Verwalter. Wir hatten Dekan und Raiffeisenkasse gegen uns. Privat haben wir gebürgt und das erste Geld erst bekommen, als der Saal eingeweiht wurde. Da hatten wir schon mehr Zinsen gezahlt, als die Beiträge ausmachten“, erzählt Rechenmacher heute. „Der Abschluss der Umfahrungsstraße war für mich dann das Signal, aus der Politik auszusteigen“, fügte er hinzu. Das „kleine Tschirlander-Naturnser-Dorfbüchlein“ ist in der Papierhandlung Hanny erhältlich. Günther Schöpf
Günther Schöpf
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Vinschger Sonderausgabe

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