Die Geschichte eines Gelati-Wagens

Publiziert in 12 / 2005 - Erschienen am 23. Juni 2005
Ich traute meinen Augen nicht, und dachte der Globus und die Zeit sind stehen geblieben, als ich mit meiner Frau Maria, wie alljährlich den 27sten Urlaub in Laas verbrachte. Wir wanderten beide an einem schönen Morgen vom „Litzerwald“ aus den Leiten entlang nach Schlanders. Dort ging es zuerst durch die Fußgängerzone, um das obligate und köstliche Eis zu verspeisen. Wir schlenderten gelassen weiter und fanden bald das Lokal „Pa Sui“, das wir auf Anraten unserer guten Freunde Peter und Moidl von Spinn aus Laas aufsuchen wollten. Die Überraschung war groß, denn da stand nämlich ein dreirädriges Gelati-Fahrrad, mit dem ich seinerzeit ein schönes Erlebnis hatte. Ich schwang mich auf das altehrwürdige Gelati-Fahrrad und meine Frau machte ein Foto (siehe Bild). Als ein Schweizer Radfahrer im fernen Jahre 1937 sein Gefährt an der Mauer der Lourdes-Kirche in Laas anlehnte, schaute er sich um und sah mich auf dem Balkon beim Lourdeshaus, wo unsere Familie damals von 1920 bis 1940 wohnte. Da ich ihn beobachtete, winkte er mir zu. Als ich zu ihm hinauf kam sagte er zu mir, ich möge auf sein Rennrad aufpassen. Er ging in die Kirche und als er wieder heraus kam, bekam ich von ihm 50 Schweizer-Rappen. Ich freute mich riesig über so ein Vermögen. Ein paar Tage später vom Schulweg nach Hause waren meine zwei Brüder Othmar und Edi bei mir und sagten, Norbert, wenn der Gelati-Mann kommt, kannst du dir einen Gelati kaufen. Denn gegen 17 bis 18 Uhr fuhr der Gelati-Mann immer Richtung Unterland. So war es auch diesen Nachmittag. Er schob das defekte Dreirad mit Hilfsmotor bei der St. Nikolaus Kirche hinauf bis zum Wegkreuz beim „Alten Lahngräben“. Meine zwei Brüder liefen weiter und ich ging dann mit gemischten Gefühlen zum Gelati-Mann mit der Auffassung, die 50 Schweizer Rappen wären ein gefälschtes Geld und sagte „uno per dieci“. Als ich den Gelati in der Hand hatte, warf ich das Geldstück auf die Ablage des Dreirades und rannte so schnell ich konnte davon. Vor Angst, er würde mir das Eis wieder wegnehmen, habe ich schnell von dem kühlen Kostbaren gegessen. Aber der gute Mann war auch der Meinung, ich hätte ihn betrogen und so hatte er mich auch schon am „Krawattl“ erwischt. Das erste war natürlich eine Ohrfeige, dann musste ich noch vor ihm niederknien und um Verzeihung bitten. Nach ein paar Schimpfworten konnte ich auch den begehrten Gelati fertig essen. Auf dem Schulweg nach Hause Richtung Lourd half ich später dem Gelati-Mann bei der Steigung St. Nikolaus Kirche das Gefährt zu schieben. Er belohnte mich des Öfteren mit einem Gelati. Und so hatten wir beide uns ganz schön angefreundet. Ich mache schon 30 Jahre mit meiner Familie Urlaub in Laas Allitz und Paflur bei Tanas. Besonders meine Frau Maria und die inzwischen groß gewordenen Kinder, sieben an der Zahl, und deren Anhang haben alle das schöne Südtirol, besonders aber den Vinschgau, lieb gewonnen. Norbert Gamper
Vinschger Sonderausgabe

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