Das Hauen und Stechen um die Vorherrschaft.

Die letzten drei Calvenschlachten haben die Vinschger gewonnen

Publiziert in 17 / 2006 - Erschienen am 6. September 2006
Schluderns – Drei Mal wurde die Calvenschlacht als Höhepunkt der 1. Südtiroler Ritterspiele am „Flughafen“ von Schluderns aufgeführt. Drei Mal wurde das ohrenbetäubende Spektakel mit Kanonen und Vorderladerbüchsen von unzähligen Besuchern verfolgt. Der meist gesagte Satz dabei und das größte Kompliment für Organisatoren und Darsteller war: „Der Akku ist leer!“ Immer wieder stellte irgendein Besucher verzweifelt fest, dass seine Digital-Kamera den Geist aufgegeben hatte. „An die 600 Bilder haben wir gemacht“, triumphierte eine italienische Mama aus Bozen, die zum ersten Mal mit Kind und Kegel in den Oberen Vinschgau gekommen war. „Che spettacolo!“ entfuhr es der ungefähr 50-Jährigen. Gerade hatte sie sich den Pulverdampf aus den Augen gewischt. Als man ihr erklärte, sie stehe fast am wirklichen Ort des einstigen Gemetzels, war sie ganz aus dem Häuschen. „Unglaublich!“, stellte ein Malser Hotelier fest und drehte sich um die eigene Achse, „da schauen wir täglich auf diesen Platz und erst heute ist mir diese Weite und dieses Panorama bewusst geworden!“ In Heerscharen waren sie gekommen, aus allen Teilen Südtirols, aus allen Regionen Norditaliens, aus Österreich und natürlich aus der benachbarten Schweiz. Sogar drei Journalisten der kommunistischen Tageszeitung „L’Unitá“ waren aus Rom angereist, wusste Mitorganisator Friedrich Haring dem geistig-moralischen Übervater der Ritterspiele, Johannes Graf Trapp von der nahen Churburg, zu berichten. Dabei hatte alles mit einem nächtlichen Sturm nicht unbedingt viel versprechend begonnen. Die ersten Besucher trafen noch nach der Eröffnung auf hart arbeitende Schausteller, die an ihren Zeltpflöcken hämmerten und über Schlafmangel klagten. Aber allen Unkenrufen zum Trotz und entgegen aller misslichen Wetterprognosen nahm das gigantische Kostümfest seinen Lauf und die politische Spitze des Landes konnte im kaiserlichen Streitwagen triumphierend einfahren. Der Südtiroler und ganz besonders der Vinschger Tourismus haben in diesen drei Calvenschlachten auf jeden Fall gewonnen.
Günther Schöpf
Günther Schöpf

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