Erziehungsverpflichtete

Publiziert in 29 / 2014 - Erschienen am 27. August 2014
Wie so viele Menschen überspringe ich einen Teil des Tagblattes nie – den der Todesanzeigen. Interessant ist beispielsweise, was oft in der Zeile unter dem Namen und den Lebensdaten der verstorbenen Person steht. Da liest man neben urigen Vulgonamen von Tiroler Landmännern, Hotelbesitzern, Weltkriegsteilnehmern, Verdienstkreuzträgern, Kunstmalerinnenehegatten und, wie vor einiger Zeit, von einer „Mutter von 7 Kindern“. Die verstorbene Frau war schon fortgeschrittenen Alters und in ihrer Generation waren sieben Kinder und auch wesentlich mehr sicherlich keine Seltenheit. Doch die hinterbliebenen Kinder würdigen damit, ganz entgegen dem Zeitgeist, ihre Lebensleistung – die vielleicht herausforderndste und schwierigste Aufgabe, der man sich stellen kann. In Zeiten, in denen vor Gericht häufig um die Erziehungsberechtigung gestritten wird, ist der Gedanke, dass es nicht nur ein Recht der Eltern, sondern vor allem auch eine Pflicht gegenüber den Kindern gibt, ein sehr wertvoller. Aber das ist freilich in unserer Abschiebegesellschaft sozial- wie auch wirtschaftspolitisch pure Ketzerei. z
Christian Zelger
Christian Zelger
Vinschger Sonderausgabe

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