Event-Card: Mit Bahn & Rad den Vinschgau erkunden

Publiziert in 12 / 2005 - Erschienen am 23. Juni 2005
Die Vinschger Bahn hat dem Tal viele Neuerungen gebracht. Eine besondere Erweiterung der Dienstleistungspalette ist die Erlebnisskarte, die sogenannte Event-Card. Der verantwortliche Dienstleister Erwin Stricker im Interview mit dem “Der Vinschger “: Welche Vorteile bietet dem Fahrgast die Event-Card? Erwin Stricker: Die Event-Card ermöglicht es dem Fahrgast, die Bahn und das geliehene Fahrrad den ganzen Tag, unabhängig davon wie oft man ein- und aussteigt, zu benützen. Sie wird zum Preis von 14 Euro bei den üblichen Fahrkartenautomaten gekauft. Wer den Vinschgau erkundet und viele Ziele anstrebt, fährt so bereits günstiger. Zudem bieten wir die im Preis inbegriffene in Europa einzigartige Möglichkeit, auf einfachste Weise ein Fahrrad am Bahnhof zu mieten, welches den ganzen Tag benützt werden kann und spätestens um 9 Uhr des darauf folgenden Tages zurückgegeben werden muss. Man kann das Fahrrad an sechs verschiedenen Servicestationen, bei den Bahnhöfen Meran, Naturns, Latsch, Schlanders, Spondinig und Mals, zwischen 8 und 18 Uhr ausleihen. Das Fahrrad wird dann bei einem der sechs Servicestationen zurückgegeben. Es stehen im Vinschgau 650 Fahrräder zur Verfügung, 350 werden noch angekauft. Wir haben neben Herren- und Damenräder auch Räder für Jugendliche und Kinder in zwei verschiedenen Größen angekauft, da vor allem Gastfamilien vom Angebot angesprochen werden sollten. Natürlich stehen dem Kunden Fahrradhelm und Kindersitz, sowie Babyhänger bei Bedarf zur Verfügung. Weiters sind an die Event-Card, die dem Kunden zum geringstmöglichen Preis maximales Erlebnis bieten soll, Zusatzleistungen gekoppelt. Diese sind Rabatte in Geschäften, in Gasthäusern und anderen Einrichtungen. Die Dienstleistungen sind jedoch noch genau zu definieren, was bis zum August der Fall sein wird. Es hat sich gezeigt, dass der Vinschgau mit der Einführung der Bahn vermehrt von Radfahrern besucht wird. Da viele ihr eigenes Fahrrad in den Zug mitnehmen, blockieren sie die Zugänge und mindern die Qualität der Dienstleistung Bahn merklich. Wie kann dem entgegengewirkt werden? Erwin Stricker: Da uns von Anfang an klar war, dass nur 10 Fahrräder im Zug Platz finden werden, haben wir einen Zusatzdienst geschaffen, um den Andrang zu bewältigen. Wir bieten die Möglichkeit, das eigene Fahrrad an einer der sechs Servicestationen abzugeben und es von uns zu einer beliebigen dieser Stationen bringen zu lassen. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit dem Transportunternehmer Rudolf Schönthaler, der über die nötigen Kapazitäten von etwa 30 Rädern pro Fahrt verfügt. Der Kunde fährt gemütlich mit dem Zug zum Zielpunkt. Dieser Dienst kostet zwei Euro. Interessant ist, dass dieser Dienst gleich viel wie bei den Staatsbahnen kostet, die auch zwei Euro berechnen. Deshalb sollten die Radfahrer diesen Dienst nützen, um nicht unnötig den anderen Fahrgästen die Fahrt zu erschweren. Gebucht wird dieser Dienst entweder direkt an der Servicestation oder über Telefon: 0473 201500, Fax: 0473 229761 und e-mail: rentaradl@erwinstricker.com. Zusätzlich werden von uns bzw. von Sigi Weissenhorn geführte Biketouren zum Weitertransport angeboten. Warum steigen trotz der offensichtlichen Überlastung so viele Radfahrer zu bzw. warum hindert sie niemand daran? Erwin Stricker: Zum einen liegt das Problem darin, dass die Radfahrer nicht oder falsch informiert sind. Man muss durch gezielte Werbung den alternativen Dienst anbieten. Zum anderen steht derzeit nur ein Kontrolleur für den ganzen Vinschgau zur Verfügung, der unmöglich die ganze Situation unter Kontrolle bringen kann. Vielfach mangelt es einfach am Verständnis der Radfahrer. Mittlerweile soll es bereits zu Schlägereien gekommen sein, weil das Zu- und Aussteigen unmöglich ist. Zudem kann man wegen der Fahrräder den Entwerter oft nicht erreichen, folglich entsteht ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden. Es wird viel Geld investiert, um den Vinschgau für Touristen interessant zu machen. Zum Beispiel werden die Fahrradwege ausgebaut. Leider sind diese nach langer Bauzeit nicht fertig und vor allem mangelt es an der Beschilderung. Welche Folgen bringt das mit sich und wer ist zuständig? Erwin Stricker: Gut Ding hat Weile, und Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut, aber meiner Meinung nach hat der Vinschgau das Niveau anderer Täler, wie etwa jenes des Pustertals, bereits erreicht und wird es auch halten können. Unser Modell zum Beispiel hat bereits viel Interesse im Ausland geweckt. Ich bin zuversichtlich, dass wir ein Erfolgsmodell schaffen können. Schade finde ich nur, wenn in das Projekt Fahrradweg investiert und es nicht vollständig fertig gestellt wird, sodass es voll funktionsfähig ist. Es hapert bei der Beschilderung der Fahrradwege. Der Feriengast irrt in der Folge stundenlang in den Obstwiesen herum und kommt, nach mehr oder weniger längeren Odysseen, gestresst und verständlicherweise verärgert an. Positive Mundwerbung bringt dies sicherlich keine. Die Bezirksgemeinschaft ist für die Beschilderung der Radwege zuständig und hat diese in Auftrag gegeben, sodass wir das Problem bis zur Hauptferienzeit hoffentlich im Griff haben. Liberale Parteien fordern mehr Privatisierung in der Wirtschaft. Staatliche Betriebe, wie etwa die „Ferrovie dello Stato“, hätten weniger Interesse am wirtschaftlichen und kundenorientierten Arbeiten als es Privatunternehmen haben. Finden Sie, dass die Privatisierung dem Bürger Vorteile bringt? Erwin Stricker: Absolut. Für einen Privatunternehmer ist jeder verärgerte Kunde einer zu viel. Jede Verspätung von Zügen und ähnlichem ist folgenschwer. Nicht entwertete Fahrkarten bedeuten größten wirtschaftlichen Schaden und gefährden das Unternehmen. Vor allem einige der Angestellten der öffentlichen Betriebe zeigen oft wenig Feingefühl mit zahlenden Kunden. Interview:
Werner Wallnöfer

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