Für ein Ende der Gewalt gegen Frauen

Publiziert in 42 / 2012 - Erschienen am 21. November 2012
Der Kiwanis Club Vinschgau organisierte eine Benefiz­veranstaltung mit der Laaser Ärztin Monika Hauser, Gründerin von „Medica ­Mondiale“, in Schlanders. Schlanders - Kiwanis-Präsident Gustav Rechenmacher konnte im Sparkassensaal eine gut überschaubare Menge von interessierten Frauen und Männern be­grüßen, die die engagierte Gründerin der weltweit anerkannten Hilfsorganisation „Medica Mondiale“ hören und unterstützen wollten. Schwerpunkt des Abends war der Einsatz von „Medica Mondiale“ in Afghanistan, einem der ärmsten Länder der Welt. „Seit 10 Jahren sind wir in Afghanistan aktiv tätig und wir werden dort noch viel Zeit brauchen“, sagte Monika Hauser, die vier Jahre für einen Beratungsraum in einer Klinik in Kabul kämpfen ­musste. Tagtäglich erleben Frauen in Afghanistan Gewalt, sexuelle Ausbeutung, Rechtlosigkeit und Erniedrigung - in der Ehe, der Familie oder durch Behörden. Frauen, die von Soldaten vergewaltigt wurden, werden ausgegrenzt, stigmatisiert, ja sogar ins Gefängnis geworfen. In all der Misere gibt es auch Lichtblicke. „Medica Mondiale“ hat 2002 in Afghanistan eine Menschenrechtsabteilung aufgebaut, die seit 2005 besonders gegen Kinderverheiratung und Selbstverbrennung kämpft. Radiodurchsagen bis in den letzten Winkel des Landes berichten von der Strafverfolgung für Väter, die ihre Töchter unter 16 Jahren zwangsverheiraten oder die ihren Frauen Gewalt zufügen. Große Kampagnen wurden gestartet, in denen die Rechtsberatung inhaftierter Frauen und die Schulung von Anwältinnen ausgedehnt wurde. Mit Unterstützung von „Medica Mondiale“ konnten in Herat und Mazar-i-Sharif zwei Frauenschutzhäuser eröffnet werden. „Medica Mondiale“ hat das Gespräch mit den Mullahs, den Dorfältesten und der Familie der betroffenen Frauen gesucht. Erste Erfolge sind zu verzeichnen: Freilassungen von Frauen aus den Gefängnissen und Verurteilungen von Tätern. Die Situation ist dennoch schwierig, denn die kollektive Traumatisierung nach drei Jahrzehnten Krieg ist bei der gesamten Bevölkerung noch deutlich spürbar. „Aber die jungen Frauen werden sich die Butter nicht mehr so schnell vom Brot nehmen lassen“, gab sich die unerschrockene Ärztin kämpferisch. Großen Respekt zollte sie den ausgebildeten Beraterinnen von „Medica Mondiale“, die trotz der desolaten Situation in ihrer Heimat bleiben. Sie machte in der Diskussion unmissverständlich die west­liche, internationale Politik für die Situation in Afghanistan mitverantwortlich. „Konflikte können nicht mit militärischen Mitteln allein gelöst werden“, so die ­Ärztin, „im Vordergrund müssen die politische Vorarbeit und der humanitäre Aufbau stehen. Bei der militärischen Intervention ging es dem Westen nie um die Bevölkerung, sondern nur um wirtschaftliche und politische Interessen.“ Am 19. November 2012 wurde Monika Hauser in Düsseldorf der diesjährige Staatspreis NRW ver­liehen, die höchste Auszeichnung des Landes Nordrhein-Westfalen. Ingeborg Rechenmacher Infos: Wer will Helfen? Wer die Hilfsorganisation „Medica Mondiale“ unterstützen möchte, kann das über das Konto Nr. 000300018724, ­Raiffeisenkasse Laas tun.
Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.