Gewalt an Frauen: Sprechstunden in Schlanders

Publiziert in 11 / 2005 - Erschienen am 9. Juni 2005
Gewalt in der Familie ist ein weit verbreitetes Problem. Fast jeder kennt eine Frau im Bekannten- oder Verwandtenkreis, in der Nachbar- schaft oder im beruflichen Umkreis, die davon betroffen ist. Fast immer sind die Täter Ehemänner, Lebensgefährten, Väter oder Stiefväter. Darum spricht man von „häuslicher Gewalt“: An die 90 Prozent der Gewalttaten gegenüber Frauen in der Familie und im sozialen Nahraum werden innerhalb der eigenen vier Wände ausgeübt. Täglich wenden sich Frauen in Gewaltsituationen an die Beratungsstelle in Meran und berichten von erlebter körperlicher, psychischer, sexueller und ökonomischer Gewalt. Rund 41 Frauen und 36 Kinder haben im Vorjahr in der Wohnstruktur des Meraner Frauenhauses Schutz und Unterkunft gefunden. Dies zeigt auf, dass auch in Südtirol das Thema Gewalt an Frauen sehr spürbar ist. Seit mehr als zehn Jahren führt der Verein „Donne contro la violenza – Frauen gegen Gewalt – ONLUS“ das Frauenhausprojekt in Meran, welches aus zwei getrennten Einrichtungen besteht: die Beratungsstelle gegen Gewalt an Frauen und die Wohnstruktur. Die Beratungsstelle ist öffentliche Anlaufstelle für Frauen in Gewaltsituationen und Menschen, die privat oder beruflich mit gewaltbetroffenen Frauen in Kontakt sind sowie ein Ort der Prävention, Sensibilisierung und Schulung rund ums Thema Gewalt an Frauen. Das Frauenhaus ist ein Zufluchtsort für Frauen in Gewaltsituationen mit deren Kindern; ein Ort, der Schutz, Sicherheit und Unterkunft in einer solidarischen Umgebung sowie fachliche Begleitung anbietet. Außerdem wurde für Kriseninter- ventionen eine kostenlose Notruflinie (800 014008) rund um die Uhr aktiviert. Die Mitarbeiterinnen haben in der langjährigen Tätigkeit der Beratungsstelle öfters die Erfahrung gemacht, dass es vor allem für Frauen aus abgelegenen Ortschaften in Tälern schwierig ist, die Beratungsstelle in Meran aufzusuchen. Neben dem Überwinden der persönlichen Hemmschwelle und der Schamgefühle, kommen organisatorische Erschwernisse hinzu: die Entfernung vom Wohnort und die Mühe des Erreichens der Beratungsstelle in Meran, die Organisation der Kinderaufsicht, die Angst vor einer auffällig langen Abwesenheit von zu Hause und vor der sozialen Kontrolle. Aus diesen Gründen möchte der Frauenhaus-Dienst die häusliche Gewalt auch in den ländlichen Gebieten Südtirols spezifisch ansprechen und vor allem dort für Beratung, Information und Unterstützung zur Verfügung stehen, wo Gewalt erlebt wird. Demzufolge wurde ein zusätzliches Angebot gestartet: Seit Februar 2005 finden in Schlanders in Zusammenarbeit mit der Bezirksgemeinschaft Vinschgau Sprechstunden für rund zwei Stunden einmal im Monat statt. Die Sprechstunden dienen hauptsächlich der ersten Kontaktaufnahme, dem Kennenlernen und einer unverbindlichen kostenlosen und anonymen Information und Beratung.
Vinschger Sonderausgabe

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