Gewaltige Betonmauern gegen Naturgewalt

Publiziert in 12 / 2005 - Erschienen am 23. Juni 2005
Ein Waal sei zerstört, historische Steinstufen niedergemeißelt worden und eine alte Mühlenruine verschwunden, so erzählt man sich in Goldrain. Auf diesen angeblichen Umweltfrevel angesprochen, reagiert Roland Riedl, Gemeindereferent für Umwelt und Goldrain, überrascht. Die historischen Steinstufen sind erhalten, der Zugang zum Wasserfall ist gesichert, der Keschtnwaal fließt wie eh und je und die alte Mühle, dessen Teileigentümer er war, war eine Ruine, bestehend aus vier Außenmauern. Riedl beruhigt: „Die Bauarbeiten für die beiden Staumauern stehen bis zum Herbst still. Wenn erst das gesamte Gelände dann wieder begrünt wird, sieht der Eingriff nicht so dramatisch aus.“ Als zuständiger Umweltreferent ist er in jedem Fall bemüht, möglichst wenig Schaden an der Umwelt anzurichten, so Riedl. Aber es darf natürlich auch der Beweggrund für den Bau der beiden Staumauern nicht außer Acht werden. Die große Staumauer oberhalb der „Annaberger Höll“, vor Jahrzehnten gebaut, befindet sich in einem schwierigen Gelände, wo es äußerst mühsam ist, das in großen Mengen angeschwemmte Material wegzutransportieren, erklärt Riedl. Darum hat man sich gemeinsam mit dem Landesamt für Wildbachverbauung darauf verständigt, zwei Staumauern mit dahinter befindlichen Rückhaltebecken zu bauen. Von dem Vorhaben nicht informiert und in die Planung schon gar nicht involviert war der Heimatpflegeverband. Dieser schlägt jetzt Alarm. Martina Oberhofer, Ortsbeauftragte für Goldrain, ist sich sicher: „Wir werden eine Eingabe bei den Zuständigen machen, um den Schutz des Plattenweges und der Gletschermühle zu ermöglichen.“ Im nun leicht zugänglichen Gebiet oberhalb von Tiss ist das Ausbaggern des vollen Rückhaltebeckens künftig einfacher. Damit soll der unberechenbare Tisserbach bei schweren Regenfällen besser kontrollierbar sein sowie die Vermurung der Kulturgüter und der Staatsstraße eingeschränkt werden. Nach dem Bau der zweiten, noch höheren Staumauer wird das Gelände begrünt und, wenn es nach Riedl geht, am Fuße der zweiten Staumauer ein kleiner Teich mit Schilf angelegt werden. Oberhofer meint dazu: „Man kann nicht etwas Natürliches zerstören und dann durch etwas Künstlichem ersetzen. Zudem wird die zweite Staumauer von der Hauptstraße aus gut sichtbar sein." Eines ist aber gewiss: Den Sonnenberg-Charme hat dieses Gebiet über kurz oder lang an die Betondominanz, Sicherheit hin oder her, verloren.
Andrea Kuntner
Andrea Kuntner
Vinschger Sonderausgabe

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