Obmann Josef Pircher (Mitte), Vizeobmann Hermann Welter (rechts) und Vorstandsmitglied Heinrich Koch (links)

Heimat ist kein Ort – Heimat ist ein Gefühl

Publiziert in 6 / 2007 - Erschienen am 21. Februar 2007
Naturns – Am 4. Februar eröffnete Obmann Josef Pircher vor voll besetztem Saal im historischen Gasthaus zur „Goldenen Rose“ die Vollversammlung des Heimatpflegevereins Naturns-Plaus und begrüßte Mitglieder und Ehrengäste. Unter diesen befanden sich die Bürgermeister von Naturns und Plaus, Andreas Heidegger und Arnold Schuler, der Kultur­referent Valentin Stocker, die Referentin Edith Rechenmacher Schweitzer, der stellvertretende Landesobmann des Verbandes der Heimatpflegevereine Südtirols, Rudolf Pichler, der Direktor der Raiffeisenkasse Naturns, Michael Platzer, sowie Vertreter anderer Heimatpflege-Vereine, der Bäuerinnen, Jungbauern und Bauern. Vizeobmann Hermann Wenter zählte die vielen Tätigkeiten auf, um die sich der Verein in den vergangenen Monaten gekümmert hatte: kulturelle Ausflüge und Wanderungen, Restaurierung von Wegkreuzen und der Laurentius-Ruine, Mitarbeit bei der Aufführung „Stich ins Tirolerherz“ und der Gestaltung des Buches „Flurnamengeschichten aus dem Vinschgau und dem Pustertal“ von Christina Antenhofer und Thea Götsch, aktive Unterstützung im Bildungsausschuss und all die zahlreichen Tätigkeiten auf den verschiedensten Gebieten, überall dort, wo Heimatpflege gefragt ist. Dieses Jahr sorgte man selber für die musikalische Begleitung und so wurde in den Pausen zwischen den verschiedenen Beiträgen ein Liedl angestimmt. Walter Erlacher, ein geladener Gast aus Partschins, zeigte alte Aufnahmen aus seiner Privatsammlung „Bretterschneiden auf dem Linthof“ und anschließend einen Film über Landwirtschaft und Kultur auf dem Sonnenberg. Hermann Wenter bedauerte, dass die zahlreichen Kornfelder nur noch Geschichte seien aus der Zeit, bevor sich auch im Vinschgau die Monokulturen durchsetzten; sie versorgten die Menschen mit dem Notwendigsten, dem Brot, und daher lag sein Vorschlag auf der Hand: warum den Kornanbau nicht subventionieren, damit unseren Nachkommen vermittelt werden kann, auf welche mühevolle Art und Weise besonders auf den Bergbauernhöfen das Korn von Hand geschnitten und gebündelt werden musste?. Wohlverdienten Applaus erhielten Rosina und Adalbert Spiess – trotz gleichen Familiennamens sind sie nicht miteinander verwandt – von der Heimatbühne Taufers. Rosina hatte selbst die Verse in Reimen zu den beiden in ihrer Mundart vorgetragenen Einaktern geschrieben. Wie Josef Pircher meinte, seien Theater und Lyrik ein wertvolles Produkt der Volkskultur und somit gehöre der Erhalt und die Förderung dieser zu den Aufgaben eines jeden Heimatpflegevereins. Diapositive, die zahlreiche historischen Bauwerke innerhalb der Gemeinden Naturns und Plaus zeigten, bewiesen, wie viel durch rechtzeitigen Eingriff vonseiten der kompetenten Stellen restauriert und somit gerettet werden kann. Obmann Pircher betonte, dass bei der Wahl des Baumaterials und der Ausführung unbedingt darauf geachtet werden müsse, die Beziehung zwischen Alt und Neu zu erhalten und hier sei man in Naturns auf dem rechten Wege. Bürgermeister Heidegger wies besonders darauf hin, wie wichtig unsere Wurzeln seien, aber trotzdem dürfe man nicht stehen bleiben, sondern bewusst neue Traditionen schaffen, auch in Bezug auf den Landschafts- und Ensembleschutz. Bürgermeister Schuler fügte noch hinzu, dass besonders die Kinder und die Jugend angesprochen und einbezogen werden müssten, seien sie doch die Träger unserer Kultur von morgen. Rudolf Pichler betonte, wie wichtig es sei, die Identität einer Volksgruppe, wie klein sie auch sei, zu erhalten. Der Direktor der Raiffeisenkasse, Michael Platzer, versprach, auch weiterhin die wichtigen Aufgaben des Heimatpflegevereins finanziell zu unterstützen. Kulturreferent Valentin Stocker zitierte die Worte aus einem Lied: „Heimat ist kein Ort – Heimat ist ein Gefühl“, das im Bauch entstehe und vom Herzen käme und man müsse seine eigene Vergangenheit kennen, um erfolgreich in die Zukunft zu gehen. Bevor man zum gemütlichen Teil überging, zählte Schriftführer Heinrich Koch noch kurz einige der Arbeiten auf, die in diesem Jahr anstehen, wie die Pflege der Laurentius-Ruine und der Priestergräber vor der Pfarrkirche, gemeinsame Wanderungen und kulturelle Ausflüge und vor allem eines: Stets „alternative und für alle akzeptable Lösungen“ zu finden.
Christel Strasinsky

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