Gute Stimmung bei der Weinverkostung; vorne rechts Thomas Weitgruber vom Beratungsring für Obst- und Weinbau.

Hoffen auf Sonne

Publiziert in 30 / 2014 - Erschienen am 3. September 2014
Trotz einiger Probleme ist die Stimmung der Vinschger Weinbauern insgesamt gut. Naturns - Die traditionelle Herbstbegehung, zu welcher der Vinschgauer Weinbauverein seine Mitglieder jedes Jahr kurz vor Erntebeginn einlädt, fand heuer am 22. August erstmals auf Naturnser Gemeindegebiet statt. Die Fachbegehung wird von vielen Weinbauern immer auch als willkommene Gelegenheit genutzt, um Erfahrungen auszutauschen und über die Arbeit im Weinberg und im Keller zu fachsimpeln. „Insgesamt herrscht unter den Vinschger Weinbauern eine gute Stimmung“, bestätigte der Obmann des Weinbauvereins, Leo Forcher, dem der Vinschger. Die Anbauflächen im Vinschgau seien seit 1981, dem Jahr der Vereinsgründung, von damals 41 auf mittlerweile ca. 75 Hektar angewachsen, Tendenz steigend. Weinbauflächen nehmen zu Den rund 300 Mitgliedern bescheinigt der Obmann großen Fleiß und viel Hingabe. Im Vinschgau werden jährlich an die 400.000 Flaschen abgefüllt. Der Großteil der Weine wird in der hiesigen Gastronomie und Hotellerie abgesetzt bzw. ab Hof verkauft. Der Vinschgauer Weinbau ist als kleinstes DOC-Gebiet anerkannt und hat trotz seiner Kleinheit (1,5% der Südtiroler Weinbaufläche) eine Vielfalt von DOC-Sorten: Chardonnay, Weißburgunder, Kerner, ­Müller Thurgau, Ruländer, Riesling, Gewürztraminer, Sauvignon, Blauburgunder, Vernatsch. Abgesehen vom nassen und alles eher als warmen Sommer ist es die Kirschessigfliege, die auch einigen Vinschger Weinbauern Sorgen bereitet. Dieser Schädling hat es in erster Linie auf Vernatschtrauben abgesehen. „In diesem Punkt müssen wir aufpassen und auf eine richtige Behandlung achten,“ sagte Leo Forcher vor den rund 50 versammelten Weinbauern. Thomas Weitgruber vom Beratungsring für Obst- und Weinbau empfahl, betroffene Anlagen ein- bis zweimal mit dem Pflanzenschutzmittelwirkstoff Spinosad zu behandeln. Er warnte vor Panikmache: „Ob es heuer ähnlich schlimm wird wie 2011, kann man derzeit noch nicht sagen.“ Keine Panikmache „Die Qualität der Weine dürfte heuer trotz des bisher ungünstigen Wetters nicht schlecht ausfallen“, prognostizierte Forcher, „vorausgesetzt natürlich, dass wir eine sonnige Erntezeit bekommen.“ Zum Auftakt besuchten die Teilnehmer der Herbstbegehung den Weintal-Hof des Josef Götsch. Die Familie Götsch baut Äpfel an sowie auch etwas Wein, und zwar Vernatsch und Zweigelt. Die Eigenbauweine werden großteils in der hofeigenen Jausenstation angeboten. Im Anschluss an eine Verkostung des Zweigelt von Josef Götsch ging es weiter zur Besichtigung der Rebanlagen am Steiner-Hof des Peter Götsch. Dort gedeihen Weißburgunder und Vernatsch, der verkostet wurde. Als nächster Betrieb wurde der Eichhof des Franz Ladurner besucht, wo Obst, Spargel und Wein angebaut werden. Die Weinhauptsorten am Eichhof sind Sauvignon und Weißburgunder. Auch kleinere Mengen an Kerner, Chardonnay und Ruländer werden angebaut. Anstelle der sonst für den Vinschgau typischen Terrassen wird der Wein in der Falllinie angebaut und die Bearbeitung erfolgt maschinell. Am Eichhof wurde ein Sauvignon verkostet. Abschließend wurden die Rebanlagen (Riesling) des Betriebs Wiedenplatzer des Markus Ladurner besichtigt. Die Anbau­flächen sind sehr steil (zum Teil bis zu 53% Neigung). Angebaut wird in der Falllinie. Die Bearbeitung erfolgt mit Hilfe einer Raupe. Im Anschluss an eine Riesling-Verkostung wurde der Oberlahnbach-Hof des Paul Perkmann besucht, wo Riesling, Weißburgunder, Kerner und Ruländer gepflanzt wurden und wo Urlaub auf dem Bauernhof angeboten wird. Seinen Ausklang fand die Begehung mit einer kleinen Weinverkostung auf Oberlahnbach. Verkostet wurden Weine von Franz Pratzner (Falkenstein). An der Herbstbegehung hat auch der ehemalige Direktor des Amtes für Obst- und Weinbau, ­Helmut Scartezzini, teilgenommen. Detail am Rande: Gemessen an der Fläche ist jetzt der Riesling die Hauptsorte im Vinschgau. sepp
Josef Laner
Josef Laner

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