„Idiot, wiso tuasch du des eini?“

Publiziert in 41 / 2012 - Erschienen am 14. November 2012
Eine ausgelassene Feier in den eigenen vier Wänden, ein etwas unschickliches Foto, geschossen mit dem Handy, und am Morgen danach sieht die ganze Welt, wie das minderjährige Mädchen aus irgendeinem Südtiroler Seitental aussieht und wie es heißt. Ob in Japan, im Nachbardorf, in Amerika oder in der Schule: Das Bild des Mädchen „gehört“ jetzt allen. Es ist öffentlich und zwar so gut wie ­unwiderruflich. Das Mädchen selbst fiel aus allen Wolken, als es sich selbst auf einer Facebook-Seite entdeckte. Aber es ist zu spät. Ein Freund von ihr, der vermutlich nichts Böses im Schilde führte, hat das Foto auf einer für alle einsehbaren Seite hochgeladen. Einen einfachen „Radiergummi“, mit dem sich der Fehler schlicht und einfach wegwischen ließe, gibt es in der virtuellen Welt der Kommunikation nicht. Wer drin ist, ist drin. Die Kralle der Öffentlichkeit ist unerbittlich. Nicht wenige betroffene Mädchen, die sich auf besagter Seite selbst entdecken, sind entrüstet. „...du idiot.. Wiso tuasch du des eini?“ lautet etwa einer der Kommentare. Anderen wiederum gefällt das Ganze. Und auch an Komplimenten für die schönen Mädchen fehlt es nicht. Die Methoden, das Recht auf das eigene Bild und den eigenen Namen zu verletzen, werden immer findiger. Dabei können die Spätfolgen gut gemeinter Scherze irgendwann ganz schön schmerzen. Und außerdem können alle zuschauen, auch pädophile Personen und andere Menschen, die nichts Gutes im Schilde führen. redaktion@dervinschger.it
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.