Inderwahnsinn

Publiziert in 23 / 2014 - Erschienen am 18. Juni 2014
Wir sind es mittlerweile gewohnt, dass jede Meinung, jede Haltung und jede Laune toleriert werden muss. Wer es wagt, Urteile wie „Das ist unsinnig“, „Das ist nicht normal“ oder „Das ist pervers“ von sich zu geben, wird leicht in die Ecke der Intoleranten, Dummköpfe und Ewiggestrigen gestellt. Dabei stellt sich in einer immer weiter zusammenrückenden Welt mehr denn je die Frage, ob es wirklich nichts gibt, das unabhängig von Kulturkreis oder persönlichen Einstellungen als eine Art Maßstab herangezogen werden kann. „Manchmal ist es richtig, manchmal ist es falsch.“ Diese Aussage klänge recht harmlos, würde man über die Trefferquote des Horoskops aus einer beliebigen Tageszeitung sprechen. Doch sie stammt von ­Babulal Gaur, dem Innenminister eines indischen Bundesstaates, und bezieht sich auf die Vergewaltigung von Frauen – ein Problem, das den Subkontinent seit einiger Zeit in besonderer Weise erschüttert. Manchmal ist es falsch, manchmal ist es richtig? Ich kann und will mir kein Land, keine Kultur und keine Weltanschauung vorstellen, in der so etwas richtig ist. Auch nicht manchmal. z
Christian Zelger
Christian Zelger
Vinschger Sonderausgabe

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