„kaschtigaarn“

Publiziert in 35 / 2012 - Erschienen am 3. Oktober 2012
Auch wenn wir glauben, in (und mit) deutscher Zunge zu sprechen, um es etwas pathetischer auszudrücken, so ist unsere Sprache doch ein unendlich vielfältiges Mischmasch. Wer sich über das Schlamassel in der italienischen Politik aufregt, spricht Jiddisch; wer an einem knappen Bikini Gefallen findet, verwendet ein polynesisches Wort und diejenige, die nun im Herbst ihren Bikini gegen einen warmen Schal tauscht, tut dies mit einem persischen Begriff. Wieso sollte dies im Dialekt anders sein? Auch im Vinschgau finden wir diese Vielfalt. Neben den bekannten Überbleibseln aus dem Alt- und Mittelhochdeutschen sind das Lateinische („ålb“), Griechische („Pfinzta“), Rätoromanische („Glatsch“), Alemannische („Gluuf“), Jenische („horzn“), Französiche („Paraplui“) und Italienische („Kapaari“) ergiebige Quellen. Das schöne „kaschtigaarn“ mit den Bedeutungen „plagen“, „quälen“ oder „in die Enge treiben“ lässt sich ebenfalls auf ein italienisches Wort zurückführen, in diesem Fall „castigare“. Wenn also jemanden die Flöhe plagen, sagt man hier am besten: „Di Fläach hooman schäan kaschtigaart!“ z
Christian Zelger
Christian Zelger

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.