Kindergartenkinder als Zusselen

Publiziert in 3 / 2005 - Erschienen am 17. Februar 2005
Der Prader Fasching ist von vielen alten Bräuchen geprägt, die alle eine tiefere Bedeutung haben. Schon 14 Tage vor Fasching starten Kinder und Erwachsene mit hässlichen Kleidern, Gummimasken und rußverschmierten Handschuhen durch das Dorf. Sie sind die "Honterlen" und symbolisieren die dunklen Mächte im Winter. Am Unsinnigen Donnerstag kommen dann die weiß gekleideten Zusselen, geschmückt mit vielen bunten Blumen aus Krepppapier. Sie verkörpern das Helle des Frühlings und leiten die neue Jahreszeit ein. Je mehr Zusselen es gibt, desto fruchtbarer werden Sommer und Herbst. Die Honterlen müssen nun gehen. Am Faschingssonntag ziehen die "Maschger" von Gasthaus zu Gasthaus; darüber wurde im "Der Vinschger", Nr.1,05 bereits berichtet. Der Abschluss der Faschingsbräuche ist wie in vielen anderen Obervinschger Dörfern das Scheibenschlagen. Das Kindergartenteam von Prad machte diese Bräuche heuer zum Thema mit dem Ziel, Kinder und Eltern dafür zu sensibilisieren und zu begeistern, den Brauch zu beleben und das Gemeinschaftsgefühl der Dorfbewohner zu stärken. Eltern aus anderen Dörfern und Ländern konnten den Brauch genauer kennen lernen und sich damit identifizieren. Die Pädagoginnen führten die Kinder in das Thema ein und erzählten passende Bildgeschichten. Der Brauch des Zusselen-Rennens wurde herausgegriffen und als Verkleidung für die Kindergartenkinder gewählt. Da "Zussel" keine zeitgemäße Verkleidung wie etwa Cowboy ist, brauchte es besonders viel Sensibilität und zahlreiche Gespräche, bis sich alle Kinder identifizieren konnten. Weiters boten die Erzieherinnen einen Informationsabend für die Eltern, an dem Gilbert Stillebacher anhand von Dias über die Prader Bräuche in der Faschingszeit berichtete. Anschließend bastelten die Eltern Blumen für die Verkleidung ihrer Kinder. Zu Hause nähten sie das Kleid mit den Blumen, im Kindergarten wurde der Hut gebastelt. Die Eltern waren sehr engagiert und viele Kinder entwickelten beim Basteln der Blumen großen Eifer. Am Unsinnigen Donnerstag zogen sie mit ihren weißen, blumengeschmückten Kleidern und Hüten und mit einer Schelle um den Bauch durch das Dorf. Über 100 Prader Kinder nahmen als "Zusselen" am Umzug teil. Auf dem Platz sammelten sie sich in einem Kreis und sangen passende Lieder. Der Brauch wurde wieder neu verstanden und belebt –und eines ist sicher: Die Ernte wird heuer bestimmt reichlich ausfallen.
Brigitte Alber
Vinschger Sonderausgabe

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