Liebe Leserinnen und Leser,

Publiziert in 12 / 2005 - Erschienen am 23. Juni 2005
Die Nerven liegen offensichtlich blank bei den Größen der italienischen Politik und zwar in beiden Lagern, sowohl Mitte-Rechts als auch Mitte-Links: Ministerpräsident Berlusconi erkämpft sich -unaufgefordert - nach der Ansprache des Präsidenten des nationalen Handwerkerverbandes das Rednerpult, bezichtigt diesen der Lüge und verläßt aus Protest die Versammlung. Doch was hatte sich der gute Mann erlaubt zu sagen? Er hatte sich nur getraut die Wahrheit auszusprechen; nämlich, daß diese Regierung - gerade für Klein- und Mittelbetriebe wie eben das Handwerk - viel ankündigt und wenig hält. Als letztes Beispiel nannte er die Senkung oder Abschaffung der Wertschöpfungssteuer IRAP. In der letzen Regierungserklärung war sie schriftlich angekündigt und jetzt verschoben worden, da man kein Ersatzgeld fand und Mehrverschuldung auch EU-mäßig nicht tragbar ist. Im anderen Lager hat man den Eindruck, daß sich Romano Prodi fast täglich rechtfertigen muss, dass er schon vor längerer Zeit als Anführer einer Mitte-Links Koalition einvernehmlich aufgestellt wurde. Ein Rutelli, der selbst gerne das Bündnis leiten würde, versäumt keine Gelegenheit um Prodi zu schwächen. Dies, obwohl er weiß, dass im Falle eines Ausscheidens von Prodi nicht er selbst dran kommt, sondern ein anderer. Und Prodi läßt sich dermaßen gereizt entlocken, er würde auch einem anderen Platz machen, zieht diese Aussage aber schnell wieder zurück. So betrachtet sind dies keine besonders guten Vorraussetzungen für noch fast ein Jahr Parlaments- und Regierungstätigkeit und schon gar nicht für einen fairen Wahlkampf für die nächsten Parlamentswahlen. - Habsburgerzeit. (Juni’05) Bis zum nächsten Mal grüßt Sie Ihr
Sen. Alois Kofler
Vinschger Sonderausgabe

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