Patrick Rina und Elisa Tappeiner im Mediengespräch

Mediengespräch im Schloss

„Informiert – beeinflusst – oder manipuliert“

Publiziert in 10 / 2026 - Erschienen am 19. Mai 2026

Goldrain - „Die globale, journalistische Großwetterlage ist alles andere als gut. Jeder zweite Mensch auf der Welt lebt in einem Land, wo die Lage der Berichterstattung eingeschränkt ist“, sagte die Berufsjournalistin Elisa Tappeiner, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Patrick Rina, freischaffender Journalist, zu einem Mediengespräch in den Graf-Hendl-Saal von Schloss Goldrain eingeladen worden war. „Informiert – beeinflusst – oder manipuliert“ lautete der Untertitel der Veranstaltung, die von der Bildungsreferentin Maria Raffeiner eröffnet wurde. Angedacht war die Betrachtung der journalistischen Großwetterlage global, national und auf Südtirol bezogen. Elisa Tappeiner berichtete von all den Krisengebieten, in denen im vergangenen Jahr insgesamt 144 Journalisten aufgrund ihrer Berichterstattung getötet wurden. Selbst in Amerika beginne die freie Berichterstattung zu bröckeln, viele Sender müssen schließen, weil auch sie kritische und unangenehme Fragen stellen. 

Populismus ist ein Weckruf

Mit dem Gespenst des Populismus gehe die Angst um, dass Demokratie und Pressefreiheit unterminiert werden, so Patrick Rina. Aber „Populismus ist ein Weckruf an uns alle! Demokratie ist Öffentlichkeit und die Fähigkeit, Kompromisse zu finden“.  Frieden, soziale Sicherheit und Pressefreiheit seien solche Kompromisse. Da besonders der Populismus die öffentlich rechtlichen Medien als „Lügenpresse“ bezeichne, sei es umso wichtiger, auf Glaubwürdigkeit zu setzen und einen auf das Gemeinwohl orientierten Journalismus zu betreiben, so Patrick Rina.

Dass man Demokratie zurückerobern könne, zeige das Beispiel Ungarn oder auch Polen, so Elisa Tappeiner. In der mehrsprachigen Schweiz habe sich die Bevölkerung in einer Volksbefragung dafür ausgesprochen, dass das öffentlich rechtliche Fernsehen weiterhin stark bleiben soll. „Gerade Sprachminderheiten würden ohne den öffentlich rechtlichen Rundfunk nicht so Gehör finden“, zeigte sie sich überzeugt.

Pressefreiheit in Italien

Italien steht auf dem Ranking der freien Berichterstattung auf Platz 56. Mafiaverwicklungen, Sprengstoffanschläge und Bedrohungen sind für Journalisten Realität; allein 20 Journalisten brauchen in Italien Polizeischutz. Die gesamtstaatliche RAI werde vor allem von politischen Parteien unterwandert und die Politiker scheuen zunehmend offizielle Interviews. „Sie geben lieber ihr politisches Statement auf Instagram ab“.  Wesentlich am veränderten Medienverhalten der italienischen Bevölkerung beigetragen habe das Privatfernsehen des Medienmoguls und Politikers Berlusconi.

Medienlandschaft Südtirol

Auch einige Parteien im Südtiroler Landtag schneiden ihre Argumente bevorzugt auf Instagram zu und streuen Zweifel in die Bevölkerung an „denen da oben“ und auch an die Journalisten. „Wir müssen Wachhunde der Demokratie sein“, so Rina, „und gut überlegen, was auf Sendung geht. Falsche Aussagen können verheerende Folgen haben. Die Wahrheit ist ein Konsens der vernunftbetonten Argumente.“

Als beunruhigend bezeichnete er die Konzentration medialer, ökonomischer und politischer Macht in einer Hand. Doch Südtirol stelle sich dem entgegen mit einer nicht unbedeutenden Medienvielfalt. Gertrud Wellenzohn, Direktorin von Schloss Goldrain, dankte Elisa Tappeiner und Patrick Rina sowie dem interessierten Publikum für den spannenden Abend.

Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Vinschger Sonderausgabe

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