Ginafranco Jellici Jg. 46 20 Jahre lang Forstzinspektor 3 Jahre in der Prüfstelle des Landes tätig seit 8 Jahren Ressortdirektor im Mobilitätsassessorat

Phase 1, Phase 2, Phase 3

Publiziert in 4 / 2005 - Erschienen am 3. März 2005
[F] Ziel ist es, ab Beginn des kommenden Schuljahres jede halbe Stunde einen Zug durch die Bahnhöfe sausen zu lassen. Nicht jeder Zug wird anhalten. “Rote Züge” werden zwischen Schlanders und Meran an jedem Bahnhof jede Stunde halten. “Blaue Züge” werden von Mals bis Schlanders jeden Bahnhof ansteuern und dann bis Meran nur noch Schwerpunktbahnhöfe. Ressortdirektor Gianfranco Jellici über das Vinschger-Bahn-Konzept. Interview: Erwin Bernhart Foto: Andreas Franzelin [/F] "Der Vinschger”: Sie sind Ressortdirektor im Mobilitätsassessorat. Was ist Ihr Aufgabenbereich? Gianfranco Jellici: Mein Aufgabenbereich ist die Koordinierung der Tätigkeit des Assessorates, das sind die Zuständigkeiten, die Landesrat Thomas Widmann in der Landesregierung zugewiesen bekommen hat: das Mobilitätsassessorat, Fremdenverkehrsangelegenheiten, Personal. Beschränken wir uns auf einen Sektor: Mobilität. Im Vinschgau und darüber hinaus ist ein Stichtag mittlerweile wohlbekannt, der 5.5.05. Ab diesem Datum wird der Zug fahren. Viele freuen sich, viele sind skeptisch. Ist bis dahin noch viel zu tun? Leider ja. Wir werden nicht alles schaffen. Die Züge werden allerdings ab 5.5. regulär verkehren können. Das ist das Ziel des Assessorates. Das Rollmaterial ist geliefert. Die Tests verlaufen gut, die Ergebnisse sind positiv. Die Infrastruktur wird als gut bewertet. Mit Ausnahme einiger Details, bei den öffentlichen Bahnhöfen etwa. Da sind nicht wir zuständig. Wie Sie wissen, wurden die Bahnhöfe den Gemeinden übergeben. Die Sachen, für die das Assessorat zuständig ist, werden am 5.5. so weit sein. Der Zug fährt derzeit permanent auf und ab. Hat das mit der Ausbildung der Lokführer zu tun? Die Lokführer sind ausgebildet. Wir müssen noch die Befähigung anerkennen lassen. 5000 Kilometer muss jeder Maschinist und Lokführer absolvieren. Wir werden noch Tests und Prüfungen, mündliche und praktische Übungen, abhalten. Die Kommission dafür ist bereits eingesetzt. Die erste Gruppe der Lokführer ist im Besitz der Befähigung und die zweite Gruppe wird in den kommenden Wochen so weit sein. Im "Vinschger” Nr. 2 wurde der Fahrplan veröffentlicht. Viele Vinschger haben den Eindruck, dass exakt an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei geplant worden ist. Das stimmt eigentlich nicht. Die Vinschger bekommen ein gutes Angebot im öffentlichen Personennahverkehr. Laut Betriebskonzept des Zuges werden jährlich mehr als eine Million Kilometer gefahren. Dazu kommen die Zubringerdienste. Im Vergleich zu den heute befahrenen 1.800 Kilometer werden wir morgen fast auf die 3.000 Kilometer kommen. Das Angebot der befahrenen Kilometer an die Vinschger wird also fast verdoppelt. In der Talsohle haben die Vinschger derzeit den Bus, der alle 30 Minuten fährt. In Zukunft werden wir mit dem gleichen Konzept mit dem Zug fahren. Zwei verschiedene Arten von Zügen wird es geben: einen schnelleren, blauen Zug, der aufgrund infrastruktureller Probleme nicht an jedem Bahnhof halten kann, und einen roten so genannten regionalen Zug, der jede Stunde an sämtlichen Haltestellen halten wird. Zwischen blauem und rotem Zug wird dann wieder ein halbstündiger Takt angeboten werden. Zum derzeitigen Fahrplan ein Beispiel: Ein Kreuzungspunkt befindet sich in Schlanders. Dort kommt der Zug von Mals und auch jener von Meran um Punkt 8.00 Uhr an. Auf Fahrschüler und Pendler bezogen auf Schlanders vorbeigeplant? Wieso? Die, die früher anfangen, müssen halt den Zug früher nehmen. Wir können nicht alle fünf Minuten einen Zug einplanen. Derzeit haben wir in Schlanders zwei verschiedene Schulbeginnzeiten. Einmal um viertel nach acht und einmal um zehn vor acht. Der Acht-Uhr Zug geht für erstere gut. Für die anderen wird der Zug um halb acht günstig sein. Der Acht-Uhr-Zug hat noch einen anderen Grund. Wir müssen schauen, dass wir in Meran im richtigen Moment ankommen. Jene Pendler, die in Meran oder in Bozen arbeiten, sollen ja auch um acht Uhr, oder um halb acht oder um halb neun dort ankommen. Wir sind nicht imstande alle Wünsche zu erfüllen. Ein zweites Beispiel: Die Goldrainer, die Tscharser, die Stabner und vor allem die Plauser regen sich darüber auf, dass der Zug dort in eine Richtung nur sieben Mal hält. Das ist ein erster Schritt. Dazu ist zu sagen, dass wir mit 5. Mai nicht in vollem Betrieb gehen. Wir beginnen mit einem Stundentaktplan. Dieser vorliegende Fahrplan wird bis Ende des Schuljahres gefahren werden. Weil wir nicht imstande sind, den jetzigen Schulbusdienst sofort umzudisponieren. Um die Schülertransportdienste bis Ende dieses Schuljahres nicht berühren zu müssen, testen wir die erste Betriebsphase. Bis Ende des Schuljahres betrachten wir das Zugangebot als zusätzliches Angebot. Alle anderen Busdienste bleiben bis dahin aufrecht. Gilt diese Testphase auch für die Stoppzeiten an den Bahnhöfen? Die Haltestellen sind bereits getestet. Zu schauen ist allerdings, ob die gesamten Fahrzeiten eingehalten werden können. Sollten die Tests im Normalbetrieb sehr positiv ausfallen, können wir auch zusätzliche Haltestellen andenken. Noch kann man das allderdings nicht beurteilen. Beispiel Plaus: ausgerechnet bei einem jener Bürgermeister, die sich vehement für den Zug eingesetzt haben, soll der Zug nur sieben Mal halten? Nur in der ersten Phase. Ab September 2005 wird in Plaus jede Stunde ein roter Zug halten, wie auch in Tschars, wie überall im Vinschgau. Vom Ende des Schuljahres bis zum Anfang des Schuljahres beginnen wir mit einer zweiten Phase. Da werden wir den Fahrplan noch verdichten. Das ist noch nicht abgestimmt. Wir werden dann einige rote Züge einfügen. Rote Züge, blaue Züge? Rote Züge sind die Lokalzüge, die an jeder Haltestelle halten werden. Die verkehren von Schlanders bis Meran. Die blauen Züge sind die "schnelleren” Züge. Nicht, dass die schneller fahren werden, sondern einige Haltestellen werden ausgelassen. Die fahren von Mals weg, so dass eine schnellere Anbindung nach Meran und Bozen gewährleistet ist. Nochmals: Ab September 2005 wird jede halbe Stunde ein Zug verkehren, rote und blaue Züge. So wird gewährleistet, dass an jedem Bahnhof zumindest jede Stunde ein Zug halten wird. Haben sich die Planer selbst unter Druck gesetzt, dass der Zug möglichst schnell von Mals nach Meran fährt? Die Busfahrer sagen, wenn wir nur 23 Haltestellen anfahren dürften, sind wir gleich schnell wie der Zug. Das mag schon sein. Es ist eine andere Art und Weise zu fahren. Ich glaube, das stimmt nicht. Die durchschnittliche Betriebsgeschwindigkeit des Zuges beträgt mehr als 70 Stundenkilometer. Diese Geschwindigkeit kann kein Bus auf der Straße halten. Der Vergleich des Busfahrplanes und des künftigen Zugfahrplanes ergibt einen Zeitgewinn von Mals bis Meran von rund 20 Minuten für den Zug. Das ist nicht wenig. Vom Komfort, von der Bequemlichkeit, von der Sicherheit gar nicht zu reden. Wie erklärt man sich in Ihrem Assessorat, dass sich die Tourismustreibenden in Sachen Zug bisher sehr zurückhalten? In einigen Gemeinden fühlten sie sich vom Zug gestört... ...in Marling etwa... Richtig. Dort sind Hotels, die ihre Liegewiesen neben der Bahntrasse haben. Wenn der Zug im Vinschgau für den Tourismus etwas bringen wird, dann sind das nur positive Aspekte. Mit dem Projekt Rad plus Zug und dem Ausbau des Radwegnetzes sehe ich ein Super-Potenzial für die Wirtschaft im Vinschgau insgesamt, nicht nur für den Tourismus. Ich habe da keine Zweifel. Die Prognosen sind alle positiv. Das Rollmaterial entspricht, die Infrastruktur entspricht und ich bin überzeugt, dass die Anzahl der Fahrgäste stetig steigen wird. Ihren Optimismus in Ehren. Die Jahreskos-ten werden mit etwa 10 Millionen Euro beziffert. Die Zubringerdienste einbegriffen. Wie will man die Kosten eindämmen? Wir haben keine Möglichkeit, die Kosten in den Griff zu bekommen, wenn wir soziale Tarife einführen wollen. Jede Form des Personennahverkehrs ist in den roten Zahlen. Erstens weil vielleicht zu wenige Leute damit fahren und zweitens, weil die Tarife sozial ausgewogen sind. Das ist eine politische Entscheidung. Ich finde es auch richtig, dass die Tarife sozial gestaltet sind, so dass die Landesregierung die Restkosten übernimmt, wie das auch im Gesundheitswesen der Fall ist. Sind die Tarife mittlerweile spruchreif? Durchgesprochen sind sie, entschieden ist noch nicht. Bis wann ist es soweit? Bis zirka in einem Monat. Wie schaut´s mit den Zubringerdiensten aus? Der Plan steht und der wurde den Gemeinden vorgestellt. Jede Fraktion bekommt einen Zubringerdienst. Bei manchen wird es gleich bleiben wie bisher, bei manchen Fraktionen wird sich die Anbindung verbessern. Ich kann garantieren, dass es für keine Anbindung schlechter wird als bisher. Ist für die Zubringerdienste die finanzielle Seite geklärt? Die Zubringerdienste, die in den öffentlichen Personennahverkehr hinein fallen, werden von der Landesverwaltung finanziert. Für Zubringerdienste, die als Gemeindedienste zu betrachten sind, zum Beispiel der City-Bus in Schlanders, werden noch Vereinbarungen getroffen werden, ob einen Teil die Landesverwaltung übernimmt oder nicht. Gibt´s andere Beispiele? Im Vinschgau nicht. Es gibt noch den Dienst auf Abruf. Da sind wir dabei mit der Taxigenossenschaft zu verhandeln. Das wären neue Dienste. Über die Finanzierung dieses Dienstes möchte ich mich noch nicht äußern.
Erwin Bernhart

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