Prokulus gibt weiterhin Rätsel auf
Museum feiert 20-jähriges Bestehen. „So bleibt Geschichte lebendig.“
Naturns - Vor 20 Jahren wurde im Zuge der Friedhofserweiterung in Naturns das Prokulus Museum gebaut. Das zur Gänze unterirdisch angelegte Museum befindet sich in unmittelbarer Nähe des Kirchleins St. Prokulus, entstanden in der Zeit um 630 bis 650, und beherbergt unter anderem viele Funde und die abgenommenen gotischen Fresken aus der St. Prokulus Kirche. Der Museumsparcours gewährt Einblick in 4 Raum-Zeit-Stationen: Spätantike, Früh- und Spätmittelalter sowie Dreißigjähriger Krieg (mit der verheerenden Fleckfieberepidemie). Der einzigartige Freskenzyklus in der Kirche mit dem berühmten „Schaukler“ ist ein weitum bekannter Kunst- und Kulturschatz. Bei der stimmungsvollen Jubiläumsfeier am 16. Mai erinnerte der Kulturreferent Michael Ganthaler an die Errichtung des Museums und die Gründung des Prokulus Kulturvereins, der ebenfalls 2006 aus der Taufe gehoben wurde. Wesentlichen Anteil an der Entstehung des Museums hatten die damalige Gemeindereferentin Edith Schweitzer und der Gemeindereferent Valentin Stocker, der am 1. Mai 2020 im Alter von nur 53 Jahren gestorben ist. Bedankt haben sich Michael Ganthaler und Bürgermeister Zeno Christanell nicht nur bei den Wegbereitern bzw. Personen, die den Bau des Museums angestoßen und begleitet hatten, sondern auch bei allen Vorsitzenden des Prokulus Kulturvereins, bei Maria und Heini Koch als langjährige Führer und „Wächter über die St. Prokulus Kirche“, bei der Museumsleiterin Tanja Flarer sowie bei allen bisherigen und derzeitigen Mitarbeitenden und ehrenamtlich tätigen Personen im Museum und in der Kirche. Der Prokulus Kulturverein fördert seit 2006 die wissenschaftliche Erforschung und öffentliche Wertschätzung der Kirche und des Museums.
„Kultur ist kein Luxus“
„In diesem Museum bleibt Geschichte lebendig“, sagte der Bürgermeister. St. Prokulus sei ein kulturhistorisches und kulturelles Erbe von unschätzbarem Wert. „Kultur ist kein Luxus, sie stiftet Identität und verbindet Generationen“, so Zeno Christanell. Mit Eckdaten und Höhepunkten bisheriger Forschungsarbeiten und Forschungsergebnisse rund um St. Prokulus wartete der für das Kirchlein zuständige Landesarchäologe Hubert Steiner auf. Man sei zwar zu bedeutenden Ergebnissen gekommen, „doch Prokulus gibt immer noch Rätsel auf.“ Es gebe nach wie vor offene Fragen, etwa jene der rätselhaften Darstellung des „Schauklers“: Ist es der Heilige Prokulus oder der Apostel Paulus? Auch an die Verdienste des Archäologen und Denkmalpflegers Hans Nothdurfter (1940-2022), die sich dieser bei Ausgrabungen und Forschungen erworben hatte, erinnerte Hubert Steiner: „Für Hans Nothdurfter war Prokulus der Anker des Lebens.“ Zum Programm der gelungenen Jubiläumsfeier, zu der sich viele Kulturbegeisterte aus nah und fern sowie Prokulus-Freunde eingefunden hatten, gehörten auch eine Sonderführung mit Sigrid Rosa durch das Museum, der Sketsch „Historisch wertvoll“, den drei Mitglieder der Volksbühne Naturns aufführten, sowie „handgemachte Vinschger Weltmusik“ mit der Formation „Flouraschworz“ (Heinrich Stecher, Hannes Ortler, Franco Micheli und Michael Reissner). Ansprechend und vielfältig war auch das Programm des „Familientages im Prokulus Museum“, das Tanja Flarer mit ihrem Team für den „Internationalen Museumstag“ am 17. Mai unter dem Motto „Museen vereinen eine geteilte Welt“ vorbereitet hatte.