Josef Wielander, Direktor des Verbandes der Vinschgauer Produzenten für Obst und Gemüse VI.P

Putin bremst den Apfelmarkt

Publiziert in 31 / 2014 - Erschienen am 10. September 2014
Josef Wielander über die Apfelernte 2014 und den Ausgang der Volksabstimmung in Mals. Vinschgau - Die Gala-Ernte hat bereits Ende August bzw. Anfang September begonnen. In Kürze läuft die Haupternte an. der Vinschger sprach mit VI.P-Direktor Josef Wielander über die zu erwartenden Mengen, die Qualität, die Vermarktung und darüber, ob Wladimir ­Putins Politik im Geldbeutel der Vinschger Obstbauern zu spüren sein wird. Der Ausgang der Volksabstimmung in Mals hat laut Wielander niemanden vom Hocker gerissen. der Vinschger: Herr Wielander, von Frost- oder größeren Hagelschäden blieb der Vinschgau heuer verschont. Ist 2014 im Vergleich zu 2013 mit viel größeren Mengen oder sogar mit einer Rekordernte zu rechnen? Josef Wielander: Es stimmt, von Hagel und Frost wurden wir großteils verschont und somit können wir sicher von einer sehr guten Ernte ausgehen. Ob es ­schlussendlich gar eine Rekordernte werden wird, ist auch relativ und das können wir erst am Ende beurteilen. Auf alle Fälle reicht vollkommen eine gute Ernte, um dankbar und auch zuversichtlich sein zu können. Wie steht es heuer mit der Qualität? Die inneren Werte der Äpfel hängen nun sehr stark vom Wetter während der nächsten vier Wochen ab, also während der Erntezeit. Gerade beim Reifen der Früchte ist trockenes Wetter mit viel Sonnenstunden gefragt, sodass sich das Aroma ent­sprechend bilden kann. Hoffen wir daher, dass es endlich aufhört immer wieder zu regnen. Ohne das Nass geht es zwar auch nicht, aber zuviel des Guten ist für die Qualität schädlich. Das gilt für das Heu ebenso wie für Beeren, Gemüse oder Äpfel. Hat es im Sortiment eine Verlagerung vom klassischen Golden in Richtung rote Sorten gegeben? Diese Frage kann ich eindeutig mit Ja beantworten, denn die Obstbauern haben sich ­mittlerweile mit Zuversicht auch auf neuere roten Sorten orientiert. Es ist aber ein langwieriger Prozess, bis die entsprechenden Testversuche zur Gänze abgeschlossen sind, um für alle Lagen des Vinschgaus das Richtige pflanzen zu können. Aber wir sind auf einem guten Punkt und einige dieser vielversprechenden Neulinge konnten bereits für die Anpflanzung frei gegeben bzw. in unserer Empfehlung aufgenommen werden. Ich denke da vor allem an die drei Clubsorten Ambrosia, Envy und Kanzi. Wie entwickelt sich die Nachfrage nach Bio-Äpfeln? Wir im Vinschgau haben mit rund 8% an der gesamten Obsternte einen Anteil an Bioproduktion, der von keiner anderen Erzeuger­organisation übertroffen wird. Die Tendenz zeigt immer noch eine leicht steigende Kurve, auch dank der guten Erlöse. Ich denke schon, dass das Segment Bio, vor allem wenn man auch mit Überzeugung an die Arbeit geht, eine lobenswerte Daseinberechtigung hat. Eine noch stärkere Aufnahmefähigkeit der biologischen Produkte am Markt zu gutem Geld hat natürlich auch seine Grenzen. Die Produktion sollte somit weiterhin, wenn man es sich wünschen kann, nicht schneller als die Nachfrage wachsen. Gab es von 2013 bis heuer eine spürbare Zunahme der Anbauflächen im Einzugsgebiet der VI.P? Wie bereits angedeutet, kann man nicht von einem rasanten Zuwachs sprechen, sondern von einem leichten Anstieg und das ist gut so. Was lässt sich zum derzeitigen Zeitpunkt zum Thema Vermarktung und Preise sagen? In diesem Moment ist abzusehen, dass wir sicherlich mit einem schwachen Herbst betreffend Nachfrage und somit Preiserzielung zu rechnen haben. Wichtig scheint mir, dass auch die Supermärkte diesen Mindererlös direkt an die Konsumenten weitergeben, sodass mehr konsumiert wird und sodass daher vielleicht ab dem neuen Jahr bereits alles wieder im Gleichgewicht steht. Wie ernsthaft werden die Obstbauern die Einfuhrbeschränkungen des russischen Präsident Wladimir Putin zu spüren bekommen? Ja, das ist zur Zeit ein Dauerbrenner. Auch wenn wir nicht direkt von Russland abhängig sind, so werden doch sehr viele Länder, die traditionsgemäß Russland als Hausmarkt hatten - ich denke da vor allen an allen angrenzenden Staaten -, durch den Importstopp Russlands nun verstärkt den Weg nach Westeuropa suchen müssen. Damit wird unser Kerngeschäft auf unseren Hausmärkten gewaltig mit allen Konsequenzen gestört. Bei der Volksabstimmung in Mals haben erwartungsgemäß die Pestizid-Gegner gewonnen. Wie soll es mit dem Obstbau und der intensiven Landwirtschaft insgesamt in der Gemeinde Mals laut Ihrer persönlichen Meinung jetzt weitergehen?  Das Abstimmungsergebniss war sicher zu erwarten und hat niemanden vom Hocker gerissen. Aber ich persönlich, und ich bitte dafür um Nachsicht, tue mich im Moment schwer, mich zu diesem Thema objektiv zu äußern, da einfach viele populistische Sprüche in den Mund genommen wurden und sicherlich zu Unrecht nahezu der gesamte Berufsstand verletzt worden ist. Natürlich nehme ich die demokratischen Prinzipien ernst, nehme das Ergebnis zur Kenntnis und verfolge nun gespannt, was die Initiatoren und die Gemeinde Mals  den vielen Befürwortern einerseits und den Bauern und Grundbesitzern andererseits zu bieten hat. Wenn wir als VI.P zu einer Aussprache eingeladen werden sollten, so werden wir gerne klar Stellung beziehen, aber bitte - bei allem Respekt - nicht über die Medien und nicht mit wagen Be­hauptungen, sondern mit machbaren, umsetzbaren und greifbaren Lösungsansätzen mit allen Chancen und Risiken. Interview: Sepp Laner
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.