Schafbauern gegen Kraftwerkspläne

Publiziert in 12 / 2005 - Erschienen am 23. Juni 2005
Mit einer ungewöhlichen Protestaktion wurde am 11. Juni der traditionelle Schafübertrieb vom Schnalstal in das Ötztal verbunden. Auf der Similaunhütte am Niederjoch (3019 Meter) hatten Schnalser Schafbauern, die im Ötztal uralte Weiderechte besitzen, Protestspruchbänder angebracht. „Ja zu den Schafbauern, nein zu den Kraftwerksplänen“ war zu lesen oder „Wir lassen uns nicht das Wasser abgraben“. Mit der Aktion wurde angeblichen Kraftwerksplänen der TIWAG (Tiroler Wasserkraft AG) in diesem Gebiet eine Absage erteilt. Mit ihrer „Schnalstaler Erklärung“ stellen sich auch die beiden Agrargemeinschaften Niedertal und Rofenberg gegen alle Projektvarianten in diesem Gebiet. Die beiden Agrargemeinschaften sind als größte private Grundbesitzer im hinteren Ötztal Hauptbetroffene der TIWAG-Pläne. Wie bereits vor einiger Zeit durchsickerte, gibt es seitens der TIWAG Überlegungen, im Bereich des Rofenberges einen großen Stausee zu bauen, das Wasser für die Produktion von Spitzenstrom unterirdisch zum Vernagt-Stausee nach Schnals zu leiten und möglicherweise auch die Leistung des Kraftwerks in Naturns zu verdoppeln. Der Protest der Bauern aus dem Schnals- und dem Ötztal ist laut dem Schnalser Bürgermeister Hubert Variola zwar durchaus ernst zu nehmen, komme seiner Meinung nach aber zu früh. Es gebe derzeit weder konkrete Ausführungspläne noch Detailstudien. Vollständig offen sei auch, mit welchen Entschädigungssummen die Gemeinden bzw. die Weiderechtsbesitzer zu rechnen hätten. Es sei noch alles auf hoher See. Außerdem dürfte eine Umsetzung dieses Wasserkraftprojektes an die 1300 Millionen Euro kosten. Weitere Protestaktionen gegen Kraftwerksplanungen finden am 25. und 26. Juni in Sölden und am 16. Juli im Rofental oberhalb von Vent statt.
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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