Links Hermann Schönthaler, der Vorsitzende des Pfarreienrates, rechts Bischof Ivo Muser

„Seelsorgeeinheit ist eine notwendige Lösung“

Publiziert in 3 / 2013 - Erschienen am 30. Januar 2013
Was bleibt vom Besuch des Bischofs Ivo Muser in der ­Seelsorgeeinheit Laas? Laas - An insgesamt 5 Tagen war­ Bischof Ivo Muser in der Seelsorgeeinheit in Laas zu Besuch. Er begegnete Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen und traf im Anschluss an Eucharistiefeiern in den vier Pfarreien Laas, Eyrs, Tschengls und Tanas mit der Pfarrbevölkerung zusammen. Wir führten im Anschluss an die Pastoralvisitation ein Gespräch mit Hermann Schönthaler, dem Vorsitzenden des Pfarreienrates der Seelsorgeeinheit Laas. der Vinschger: Herr Schönthaler, Sie waren bei fast allen Zusammenkünften, Aussprachen und Begegnungen mit Bischof Ivo Muser dabei. Was war Ihrer Ansicht nach die wichtigste Botschaft, die der Bischof den Gläubigen mit auf den Weg gab? Hermann Schönthaler: Der ­Bischof hatte sich zum Ziel gesetzt, die Gläubigen auf die Grundlagen des christlichen Glaubens hinzuweisen und die Pfarrgemeinden im Glauben zu stärken. Ferner wollte er zu einer kooperativen Pastoral ermutigen, zu einer Seelsorge in gemeinsamer Verantwortung in der Seelsorgeeinheit. Der Bischof sprach im Zusammenhang mit der Einrichtung der Seelsorgeeinheiten von einem „Hilfskonstrukt“. Die Seelsorgeeinheit Laas war die erste, die in Südtirol gegründet wurde. Was hat sich seit der Gründung in den Pfarreien geändert? Es ist klar: Hätten wir genügend Priester, bräuchte es die Seelsorgeeinheit nicht. In dieser Situation aber ist die Seelsorgeeinheit eine notwendige Lösung. Wir stellen fest, dass sich in allen Pfarreien Laien engagieren und Sorge tragen, dass das Pfarrleben lebendig bleibt. Verschiedene Dienste werden pfarrübergreifend geplant und durchgeführt: die Jugendpastoral, die Erstkommunion- und Firmkatechese, Taufvorbereitungsnachmittage, Aus- und Weiterbildung sowie die Begleitung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Die Hauptsorge der Kirche ist der Priestermangel. Es ist nicht leicht zu glauben, dass sich dieses Problem in absehbarer Zeit wird lösen lassen. Werden in Zukunft noch größere Seelsorgeeinheiten notwendig sein? Das Problem des Priestermangels wird sich in den nächsten Jahren dramatisch verstärken. Das Durchschnittsalter der Priester in unserer Diözese beträgt 69 Jahre. Es ist abzusehen, dass eine Seelsorgeeinheit wie die unsere in einigen Jahren keinen eigenen Priester mehr haben wird. Wenn der Bischof zu Besuch kommt, ist die Zahl der Kirchgänger sicher besonders groß, normalerweise aber bleiben viele Bänke in den Kirchen leer. Warum? Das stimmt. Die Gründe dafür sind sicher vielfältig. Die Frage ist, inwieweit der Wohlstand, das Unabhängigkeitsdenken, die veränderte Familiensituation eine Rolle spielen und ob auch die Kirche selbst eine gewisse Mitschuld trägt? Welche Begegnungen bzw. Momente der Visitation waren besonders beeindruckend? Bei allen Begegnungen, bei denen ich dabei sein konnte, haben mich die offene und zugängliche Art des Bischofs, seine aufmunternden und wertschätzenden Worte und seine realistische Darstellung der Situation der Kirche von heute beeindruckt. Als besonders gelungen empfand ich die Wort-Gottes-Feier und das anschließende Zusammentreffen mit der Jugend. Die Vorbereitungen durch das Jugendteam waren vorbildlich und die Beteiligung der Jugendlichen erfreulich. Auch der Besuch der Menschen im Wohn- und Pflegeheim war ein besonderer Moment. Höhepunkte der Visitation waren zweifelsohne die feierlichen Gottesdienste in allen vier Pfarreien, wobei die Predigten von Bischof Ivo besonders beeindruckt haben. Er sprach dabei sehr viele Themen an. Es war ihm dabei ein Anliegen, den Glauben zu stärken und zu ermutigen, trotz der strukturellen Veränderungen, noch stärker in der Seelsorgeeinheit zusammen zu arbeiten. Er ermunterte, das oft erlöschende oder gar erloschene Glaubensfeuer neu zu entfachen usw. Welche Impulse hat Bischof Ivo Muser in der Seelsorgeeinheit hinterlassen, oder anders gefragt: Was wird sich nach dem Besuch in den Pfarreien ändern? Das ist eine schwierige Frage. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass die vielen Begegnungen und Gespräche auch Spuren hinterlassen werden. Letztlich aber wird jede und jeder selbst Bilanz ziehen und für das persönliche christliche Leben und für das Leben in der Gemeinschaft etwas mitnehmen. Interview: Sepp Laner
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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