Selbsthilfegruppe für Teilleistungsstörungen gefragt

Publiziert in 7 / 2007 - Erschienen am 28. Februar 2007
Unabhängig ob Krankheit oder „nur“ Störung, stellen Beeinträchtigungen in einem Teilbereich wie Lesen, Schreiben oder Rechnen ein immenses Problem für Eltern, Lehrer und Erzieher und vor allem für betroffene Kinder dar. Schon seit Jahren beschäftigt sich Albin Steck vom Psychologischen Dienst beruflich mit der Diagnostik von Teil­leistungsstörungen bei Kindern, und nun geht ihm der Wunsch in Erfüllung, zusammen mit einer tatkräftigen Partnerin eine Selbsthilfegruppe für betroffene Eltern gründen zu können. „Es dürfte sich um Südtirols erste Selbsthilfegruppe ­speziell für Teilleistungs­störungen handeln“, sagte Steck bei der Vorstellung der Initiative nicht ohne Genugtuung. Das Bedürfnis einer Selbst­hilfegruppe für alle betroffenen Eltern im Vinschgau ist vorhanden, weil Teilleistungsstörungen recht häufig vorkommen und weil Eltern zur Verbesserung der Situation ­ihrer Kinder hier selber einiges beitragen können. Die Initia­tive wäre zudem eine sinnvolle Ergänzung zum Hilfsangebot des öffentlichen Dienstes bzw. dessen Entlastung“, gab Albin Steck zu bedenken. Ihm zur Seite steht Gerda Gerstl, Grundschullehrerin und selbst Mutter einer von Dyskalkulie betroffenen Tochter. „Eltern von Kindern mit Teilleistungsstörungen verspüren das Bedürfnis, über ihr Problem mit anderen betroffenen Eltern zu reden, Erfahrungen und Informationen auszutauschen oder gemeinsam fachmännische Hilfe in Anspruch zu nehmen“, so Gerda Gerstl. Teilleistungsstörungen zeigen sich nicht nur in der Legasthenie, einer Lese- und Rechtschreibschwäche; sie können auch als Störungen im feinmotorischen Bereich, im sprachlichen oder mathematischen Bereich (der sog. Dyskalkulie) auftreten. Die betroffenen Schüler sind normal begabt, manche be­sitzen eine ausgezeichnete Intelligenz. Im entsprechenden Teilbereich allerdings zeigen sich größte Mängel und Lernschwierigkeiten. Das Kind hat das Gefühl, unbegabt und dumm zu sein. Schule und Elternhaus denken vielleicht, es sei faul, schlampig oder trotzig. Was mit einer Differenzierungsschwäche beginnt, geht unerkannt und unbeobachtet über zu Angst und Blockaden, verbunden mit mangelndem Selbstwertgefühl bis hin zu Verhaltensstörungen. „Diese Sekundärproblematik aufgrund von schulischen Misserfolgen ist nicht zu unterschätzen“, warnt der Psychologe Albin Steck. „Wichtig ist es, die Schule als Partner zu haben“, sagte Gerda Gerstl. „Wir wünschen uns, dass Lehrkräfte und Direktoren auf unserer Seite stehen, damit die betroffenen Kinder gezielt begleitet und gefördert werden können.“ Offene Türen sind die Initiatoren bereits bei Direktor Werner Altstätter vom Schulsprengel Latsch eingerannt. „Er hat sogleich seine Unterstützung zugesichert“, freuten sich Gerda Gerstl und Albin Steck. Ein Schritt zum Aufbau einer Selbsthilfegruppe für betroffene und interessierte Eltern soll ein Informationsabend am 10. März um 19.00 Uhr in der Pilserstube im Haus der Bezirksgemeinschaft von Schlanders sein. Eine Voranmeldung unter Tel. 0473 62 33 51 oder gerstl.gerda@rolmail.net ist erwünscht.
Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Vinschger Sonderausgabe

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