Sepp Mall liest in Partschins

Publiziert in 18 / 2005 - Erschienen am 21. September 2005
Zahlreiches Publikum war in die Bibliothek von Partschins gekommen, um den Lyriker Sepp Mall kennenzulernen und ihm zuzuhören. Ewald Lassnig, Referent für Kultur,, begrüßte den Gast und das Publikum und führte in das Leben und Wirken des Lyrikers ein. Auf dem Programm stand die Vorlesung einiger seiner noch unveröffentlichten Gedichte, darunter „Stand der Dinge, Winterwände, Lichtwechsel“ und einiger Kapitel aus seinem Roman „Wundränder“ (2004). Sepp Mall wurde am 31. Dezember 1955 in Graun geboren. Er studierte und promovierte in Germanistik und Pädagogik an der Universität von Innsbruck und unterrichtete danach an der Mittelschule von Latsch und Meran. Seit 1971 schreibt er Stücke fürs Theater (wie „Mannsteufel“), Hörspiele („Silence please“, „Litanei“, „Inferno solitario“), Gedichtsammlungen („Läufer im Park“ 1992, „Landschaft mit Tieren unter Sträuchern hingeduckt“ 1998) und Romane („Verwachsene Wege“ 1993, „Brüder“ 1996, „Wundränder“ 2004). 1977 und 1981 erhielt er den Lyrikpreis vom Südtiroler Künstlerbund, 1990 den ersten Preis für Lyrik in Innsbruck und 1996 den Internationalen Meraner Lyrikpreis. Seit 1992 lebt Sepp Mall in Meran. In seinen Gedichten werden Empfindungen und Gefühle, aber auch Leere und Enttäuschung zum Ausdruck gebracht. Der Zuhörer erlebt die große Sensibilität des Autors für das Leben und die Natur, erfährt seine Fähigkeit den Menschen zu beobachten, wie er im Grunde genommen allein in die Welt gestellt ist, im Wechselspiel zwischen Bedrohung und Glücksgefühl. Der Roman „Wundränder" spielt in der Zeit der Attentate in Südtirol in den 60er Jahren; zwei verschiedene Geschehnisse laufen parallel neben einander her; auf der einen Seite die Geschwister Paul und Maria, deren Vater verhaftet wird und im Mailänder Gefängnis einsitzt; die Kinder verstehen noch nicht die Zusammenhänge und die Mutter hüllt sich inmitten einer großen Unordnung im Hause in Schweigen „.... er kommt sofort wieder". Daneben haben wir die Geschichte von Johanna und ihrem stotternden Bruder Alex, die vom Land in die Stadt gezogen sind; Kapitel für Kapitel wechselt die Erzählung von einer Geschichte zur anderen. Die beiden Protagonisten, Paul auf der einen Seite, und auf der anderen Alex, der durch seine Arbeitskollegen in die Gesellschaft Südtiroler Militanten gerät, werden vom Autor im Laufe des Geschehens aufeinander zugeführt. Wenn es ihnen auch nicht bewusst ist, ihre Geschehnisse verschränken sich, Paul und Johanna treffen sich, ohne voneinander zu wissen; ihre Familien werden ohne eigenes Verschulden von den politischen Geschehnissen überrollt und sind diesen ausgeliefert. Der Autor gibt dem Leser Gelegenheit, den Südtirol-Italien-Konflikt von innen, von der intimsten Sphäre der Familien heraus zu betrachten. Der Vater, als „schweigender Verräter“ aus dem Gefängnis zurückgekehrt, kommt auf mysteriöse Weise ums Leben und Alex wird Opfer seines eigenen missglückten Bombenattentates. Familiäre Dramen, die Wunden in den Seelen hinterlassen und diese Wunden werden zu vernarbten „Wundrändern“, die bis heute die Geschehnisse vor 40 Jahren nicht vergessen lassen und die aus der Südtiroler Geschichte nicht mehr wegzudenken sind. Nur zwei Erzählungen Sepp Malls sind ins Italienische übersetzt worden, Brüder = „Fratelli“ und Verwachsene Wege = „La Diga“. Im ersten wird die Entfremdung innerhalb der Familie, trotz engster Blutverwandtschaft, und im zweiten die Entfremdung zur schon seit langer Zeit verlorenen Heimat hervorgehoben. Ein Gefühl der Leere macht sich breit und der Lebensinhalt der Protagonisten selbst wird in Frage gestellt. Ein gemütliches Beisammensein vor einem netten Buffet, großzügigerweise von Sponsoren und Literaturfreunden gespendet, beschloss den kulturellen Abend mit Sepp Mall.
Christel Strasinsky
Vinschger Sonderausgabe

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