Sind Eltern zu wenig über das Impfen aufgeklärt?

Publiziert in 21 / 2005 - Erschienen am 4. November 2005
Mals - Der Grund, warum im Vinschgau, speziell auch in der Gemeinde Mals, nur wenig Kinder geimpft werden, liegt wohl an der mangelnden Aufklärung über das Impfen selbst. Leider nützten nur etwa 30 Personen einen Informationsabend, um mehr über das Impfen zu erfahren. Der Abend war anlässlich der europäischen Impfwoche veranstaltet worden. Die Pflichtimpfungen, die bis vor kurzem mit dem sechsfachen Impfstoff „Hexavac“ (gegen Diphterie, Tetanus, Kinderlähmung, Hepatitis B, Keuchhusten und Haemophilus influenzae Typ B) verabreicht worden waren, werden mehr oder weniger getätigt. Nun gibt es einen anderen sechsfach-Kombinations-Impfstoff. Beim „Hexavac“ soll der Schutz gegen Hepatitis B nicht für alle Geimpften ausreichend gewesen sein. Schlimm sieht es offenbar laut den Aussagen von Ärzten über das Impfen von MMR (Masern, Mumps, Röteln) aus. Warum das so ist, dies vermutet etwa der langjährige Malser Arzt, Martin Brugger, dass es den Leuten „eh zu gut geht und das Impfen nicht mehr nötig haben“. Sicherlich werden diese drei Krankheiten von vielen als nicht ernst zu nehmende Kinderkrankheiten abgetan. Die Vorträge des Epidemiologen Peter Kreidl und von Giulia Morosetti, der Direktorin des Amtes für Hygiene und öffentliche Gesundheit in Bozen, waren sehr aufschlussreich. Weiterhin trugen die Beiträge der Ärzte am Podium, Martin Brugger und Wunibald Wallnöfer (Prad) über den Sinn und Wichtigkeit des Impfens bei sowie des Primars der Pädiatrie Bozen, Klaus Pittschieler. Dieser sagte, dass er in 30-jähriger Berufserfahrung am Regionalkrankenhaus in Bozen vier Kinder gesehen habe, die gesund waren, und aufgrund einer Masernerkrankung gestorben sind. Denn dieses Virus kann Hirnhautentzündung hervorrufen (in einem von 1000 Fällen). Brugger erwähnte die schlimmen Fälle an Masern, die er im Laufe seiner langjährigen Erfahrung behandeln musste „Die Kinder waren über Wochen schwer krank“. Wallnöfer erinnerte daran, dass Mumps Gehörlosigkeit hervorrufen kann. Fälle sind ihm bekannt. Auch Ärzte aus dem Publikum tauschten ihre Erkenntnisse aus und baten die Eltern, ihre Kinder impfen zu lassen. Denn die Impfschäden seien geringer als die Schäden, die die Krankheiten anrichten. Es gab auch Stimmen im Saal gegen das Impfen. Leider waren die Erfahrungsberichte zu wenig konkret, dass die Ärzte hätten genau auf diese eingehen können. Der Arzt John Spika (Kanada) von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) berichtete unter anderem über die immer größer werdende Sicherheit der Impfstoffe und über die Auseinandersetzung mit möglichen Impfschäden. Er sagte etwa: „Meldet die Fälle von eventuellen Schäden immer und sofort an die zuständigen Stellen“ (zum Beispiel beim „Hausarzt, Anm. d. Red.). Eine an Kinderlähmung erkrankte Frau aus dem Pustertal rief genauso zum Impfen auf. Sie hat eine Selbsthilfegruppe gegründet. Zum Abschluss zeigten die Veranstalter einen Film, indem ein Kind infolge einer Masernerkrankung das Leben lassen musste. Die Mutter sprach darin auch von „zu wenig Aufklärung über das Impfen“. Landesrat Richard Theiner hatte Grußworte überbracht.
Daniela di Pilla
Daniela di Pilla
Vinschger Sonderausgabe

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