Komplimente für Laas - gute Schule, super Dorf

Steinaltes Frischfleisch

Publiziert in 21 / 2012 - Erschienen am 30. Mai 2012
Die Ausstellung der Studenten der Berufsschule für Steinbearbeitung in der Laaser Markus-Kirche hat seit Jahren den gleichen Fehler - sie dauert nicht lange genug. Die Arbeiten waren bis zum 30. Mai zu sehen. Laas - Fleisch und noch einmal Fleisch! All das alles hing, mehr oder weniger gut abgehangen, am alten, metamorphen Carbonatgestein Marmor. Dieses Stück Fleisch, jenes Stück Stein, an dem die Studenten wochenlang gearbeitet hatten, war in all seinen verschiedenen Formen vom 24. bis 30. Mai sichtbar. Nicht sehr lange zu sehen waren die vielen Fleischstücke, die dabei vom Stein flogen, um eben das zu machen, worauf es in der Steinbildhauerei geht: Um Struktur und Form, Gestalt und Figur. Kurz: eine Skulptur entstehen zu lassen. Wieder waren am 24. Mai Lehrer und Gemeindeverwalter, Schülerinnen und Schüler, ehemalige Schüler und deren Freunde, Laaser Bürger und Bürgermeister mit offenen Augen vor den Arbeiten anzutreffen. Mit eröffnet wurde die Ausstellung von der seit vergangenem Jahr frisch im Amt tätigen geschäftsführenden Direktorin der Berufsschule, Virginia Maria Tanzer Der frische Wind hat auch die Kunsthandwerkenden unter Benedikta Kier erfasst, die am Eingang großformatige Schmuckarbeiten präsentieren und somit erstmalig mit aus­stellten. Der Künstler und Lehrer Walter Blaas, der die - ebenfalls neue - Meisterklasse mitbetreute, erklärte die verschiedenen Disziplinen, die den Ausstellenden zu Grunde lagen: „Es waren Portraits, der menschliche Körper, Produktgestaltung und die freie Skulptur - alles Themen, die es zu bearbeiten galt“. Seine Idee war es, die menschliche, fleischige Zunge zu benutzen, um ein Zufallsmodell zu konstruieren. Weswegen seine gesamte 13-köpfige Klasse beschäfitigt war, Kaugummis zu zerkauen, bis ein Modell entstand. Aus dem Modell sollte die fertige Arbeit enstehen - zusammengepferchte amorphe Geschöpfe aus Stein, die für die Studenten Haschka, Bierlein und Gabriel nicht wirklich gelungen präsentiert wurden. Kurz vor der Eröffnung wurden die Original-Modelle von der Ausstellung entfernt - sie sind in der Schule für Steingestaltung jedoch zu begutachten. Trotz der Kritik an der Präsentation fühlt sich das deutsche Trio Jan Gabriel, Laszlo Haschka und Johannes Bierlein sehr wohl in Laaser Landen: „Die Schule ist gut und es ist ein Super-Dorf!“ Wohl fühlt sich auch derjenige, der schon vorher mit Stein Erfahrung sammelte und in der Ausstellung Arbeiten in Holz präsentierte. Die frisch gewonnene Freiheit der Schule, nämlich, dass sich Studenten mit anderen Materialien versuchen können, hat den 30-jährigen Sachsen Thomas Junghans, der vor vier Jahren mit der Steinbildhauerei an der Steinhäuser-Schule begonnen hatte, im wahrsten Sinne des Wortes angestachelt. Nun präsentierte er seinen Tisch voller Kakteen aus Holz: „Der Tisch war eine handwerkliche Herausforderung“. Begeistern kann er sich für die ästhetische Verbindung, die die rot-braune Maserung der sparsam verwendeten Marmorstücke mit dem Kirschholz eingingen. Der Baum steht und lebt in Laas und auch die Bildhauerei soll Junghans nicht verlassen, ist er sich sicher.. Frische Möglichkeiten - zum Sterben schön Der Maler und Lehrer Reinhold Tappeiner nutzte die Neuregelung bezüglich der Einäscherung im Land Südtirol dazu, sich in seiner Klasse mit Urnen zu befassen. Spaß machen diese Urnen, wenn man weiß, dass der Asche-Rest des - ob frischen oder nicht frischen, in jedem Fall lebendigen - Fleisches nicht im Kästchen landen muss, sondern hübsch über die Hügel vertreut doch noch einmal fliegen darf. Für die Angehörigen ist das Verstreuen kein Problem mehr. Die Arbeiten zeigen anmutige Formen oder bizarr anmutende Gesichter, aufbrechende Organismen oder elegant gehaltene Behälter, deren Userfreundlichkeit klar wird: Deckel hochheben, Asche raus, verstreuen und Deckel wieder zu. Da fällt dem Betrachter ein Stein vom Herzen. Für Tappeiner werden die Urnen in Zukunft „immer wichtiger“, weswegen sich jetzt seine Schüler an ihnen versuchen durften. Andere Arbeiten erarbeiteten mit Stein Alltagsgegenstände - bei so manchem Eierkarton wird viel Fleisch vom Stein gespitzt worden sein. Noch vor Jahren hörten Steinbildhauer-Studenten, wie bei den kürzeren oder längeren Pausen in den Laaser Cafés, Lasa Marmo Arbeiter ihnen zuriefen: „Sieben Kilo Stein muss man lassen. Aber nicht vom Stein - von euch selbst“. Das sollte bedeuten, dass die Küken einiges an Unfällen in Kauf nehmen müssten, bis die Bildhauerei beherrscht würde. Schließlich kannten viele Arbeiter die Geschichten derjenigen, die große Steine per Hand - auch für Bildhauer - zuspitzten. Da wird so einiges an Fleisch, sei es spröde-gesteinsartig oder mit menschlichem Muskelgewebe versehen- geflogen sein. Damit den Besuchern der Ausstellung kein einziges Stückchen Fleisch fehlen würde, während sie vor der Kirche plauderten, stand - ebenso als knack-frische Regelung seit dem 1. Mai dieses Jahres - die Gemeindepolzei auf der Straße. Sinn und Zweck der Aktion war hier, die Besucher vor den gefährlich schnell vorbeirasenden Autos vor der Markus-Kirche zu schützen. Befreiend frisch war auch das junge, musikalische Trio „Zieler Gluat“. Bis es eigene Komposi­tionen spielen wird, kann es noch dauern. Bis dahin werden Cover von Herbert Pixner gespielt. Katharina Hohenstein
Katharina Hohenstein
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