„Südafrikanisches Greiskraut“ in Blüte. Foto: http://idw-online.de

Südafrika am Sonnenberg

Publiziert in 25 / 2012 - Erschienen am 27. Juni 2012
Ein ganz besonderer „Einwanderer“ aus Südafrika hat sich am Vinschger Sonnenberg eingenistet. Es handelt sich um das „Südafrikanische Greiskraut“. Sonnenberg - Die eingeschleppte Pflanzenart (Neophyt), in der Fachsprache „Senecio inaequidens“ - ist seit den 1970er Jahren in weiten Teilen Europas zu finden, auch in Südtirol. Die Verbreitung erfolgte hauptsächlich entlang von Straßen und Bahn­linien. Es wird angenommen, dass die Pflanze zusammen mit Schafwolle aus Südafrika importiert wurde. Im Vinschgau stößt man vor allem am Sonnenberg zwischen Latsch und Laas auf dieses besondere Greiskraut. Erstmals im Vinschgau beobachtet wurde es 2004 und 2005. „Eine Ausrottung des Greiskrautes ist undenkbar, denn die Pflanze hat sich schon zu stark verbreitet,“ sagt Forstinspektor Mario Broll. Weil eine Bekämpfung im gesamten Befallsgebiet weder möglich noch sinnvoll ist, hat das Forstinspektorat nun auf den „Platzerböden“ in Latsch ein Testgebiet eingerichtet, das erste dieser Art in Südtirol. Mario Broll dazu: „Zumal das Greiskraut die Qualität der Weiden beeinträchtigt, wollen wir testen, mit welchen Maßnahmen wir die Ausbreitung bekämpfen können. Wir setzen dabei nicht auf chemische Mittel, sondern auf umweltfreundliche Methoden, die auch von den Kosten her tragbar sind.“ In diesem Sinn wird der „Eindringling“ nun im Testgebiet entweder ausgerissen oder gemäht und zwar immer zu verschiedenen Jahreszeiten. Auf diese Art soll die beste Art der Bekämpfung ermittelt werden. Ausreißen oder Mähen Großen Wert legt das Forstinspektorat auf Information. So werden etwa auf einer großen Informationstafel beim Testgebiet alle nötigen und nützlichen Auskünfte rund um das Greiskraut in Wort und Bild dargestellt. Eine mehrjährige Pflanze kann demnach bis zu 100 Zentimeter hoch werden. Besorgniserregend ist, dass eine einzige Pflanze bis zu 30.000 Samen pro Jahr bilden kann. Die Samen werden mit dem Wind ausgebreitet. Die „Senecio inaequidens“ blüht in der Regel von Juli bis Dezember. Sie ist stark invasiv - Broll umschreibt dies mit „egoistisch“ - und tendiert somit dazu, andere Pflan zenarten zu verdrängen. In der Bedrohung der einheimischen Flora orten auch die Imker eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Außerdem scheint die Pflanze außergewöhnlich resistent gegen Herbizide zu sein und verträgt angeblich auch Mahd sehr gut. Vom Weidevieh wird das Greiskraut aus Südafrika gemieden. Auch dieser Umstand trägt zur Verminderung der Weidequalität bei. Wissenschaftlich noch nicht eindeutig erwiesen ist laut Broll, welche Auswirkungen das in der Pflanze enthaltene Gift auf das Vieh hat. Auf die Ausbreitung der gebietsfremden Pflanzenart wies bei der jüngsten Gemeinderatssitzung in Laas Raimund Niederfriniger hin. Sepp Laner
Josef Laner
Josef Laner
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