Christine Blaas Taraboi

Tag der Frau am 08. März 2006 - Grund zum Feiern?

Publiziert in 5 / 2006 - Erschienen am 8. März 2006
Zum 90. Mal wird nun der Tag der Frau am 08. März gefeiert. Die Wurzel des 8. März liegt in der Tradition proletarischer Frauenkämpfe. Am 8. März 1857 traten erstmals Textilarbeiterinnen in New York in einen Streik. 1909 streikten 20.000 Näherinnen von Manhattan. Es waren nordamerikanische Sozialistinnen, die 1909 das erste Mal auf nationaler Ebene einen speziellen Frauenkampftag durchführten. Der 8. März als Tag der Frau hat demzufolge eine lange Tradition, so die Bezirksobfrau der Union für Südtirol im Vinschgau, Christine Taraboi-Blaas. „Auch bei uns in Südtirol wird dieser Tag mit vielen Veranstaltungen gefeiert. Nur, gibt es eigentlich Anlass zum Feiern? Frauen sind immer noch in sehr vielen Bereichen des wirtschaftlichen und sozialen Lebens benachteiligt. So sind immer wieder Frauen und Kinder mehrheitlich Opfer von Gewalttaten. Vermehrt suchen Frauen und ebenso Kinder Schutz vor häuslicher Gewalt in dafür bereitstehenden Strukturen. Die Tendenz ist steigend,“ schreibt Taraboi Blaas. Gleiches Entgelt für gleichwertige Arbeit sei für Frauen in Südtirol noch immer nicht selbstverständlich. Dies ist, so die Bezirksobfrau weiter, sicherlich kein Grund zum Feiern. Trotzdem sei der 8. März ein Tag, „an dem vor allem wir Frauen uns diesen Problemen stellen müssen. Wir müssen uns vermehrt in die Zukunftsdiskussionen in Politik und Gesellschaft einbringen! Südtirol ist in Sachen Frauenpolitik nicht gerade ein Vorbild. Die Geschehnisse um die Erstellung der Kandidatenlisten bei der Mehrheitspartei sprechen deutliche Worte. Frauen werden abgespeist, gegeneinander aufgehetzt und sind am Ende vom Lied wie immer die großen Verliererinnen. Auf dem Arbeitsmarkt sieht die Lage nicht viel besser aus. Auch bei uns arbeiten über 80 Prozent der Frauen im Dienstleistungsbereich, dort eher in untergeordneten, schlecht bezahlten Positionen.“ Der so genannte Servicebereich sei besonders betroffen von Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen (Stichwort Ladenöffnungszeiten). Dabei stellen Frauen heute in vielen Bereichen der Arbeitswelt „ihren Mann". Viele Frauen seien hoch qualifiziert (oft qualifizierter als Männer). Sei es in Schul- wie auch in der Berufsausbildung. „Doch bei der Ausübung des Berufes gelten für Frauen andere Gesetze,“ so Taraboi-Blaas. „Frauen mit Familie tun sich immens schwer, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. Denn immer noch gibt es keine ausreichende qualifizierte Kinderbetreuung. Kindergärten sind mehrheitlich nur für 9 Monate im Jahr offen und stehen Kindern erst ab einem Alter von drei Jahren zu. Kinderkrippen finden wir vor allem in den ländlichen Gebieten überhaupt keine. Tagesmütter können dieses Manko nicht aufheben. So ist ein beruflicher Werdegang für Frauen, die Kinder bekommen, nicht nur ein dauernder Balanceakt zwischen Familie und Beruf, sondern auch immer unterbrochen von Auszeiten. Karrieren sind so nicht möglich, noch nicht mal eine ausreichende Alterssicherung kann Frau sich selbständig aufbauen.“ Daraus resultiert die nächste Gefahr, die auf die Frauen zukommt, so Taraboi-Blaas weiter: „Armut im Rentenalter. Armut wird zunehmend auch bei uns in Südtirol weiblich - für Frauen im Rentenalter, aber auch für junge Frauen, die vor allem als Alleinerziehende immer stärker von der Ungleichbehandlung betroffen sind. Der Druck auf Frauen wächst. Frauen neigen oft dazu, Erwerbslosigkeit und Armut in erster Linie als ihr persönliches Problem und Versagen zu begreifen. Daher ist es wichtig, die besondere Betroffenheit von Frauen zu benennen und die gesellschaftlichen Ursachen dafür aufzuzeigen. Und hier müssen Frauen selber Hand anlegen.“ Der 8. März als Tag der Frau gebe uns eigentlich keinen Grund zum Feiern. Aber er könnte Anlass dazu sein, „unseren Standpunkt klar zu machen und vor allem die Politik davon zu überzeugen, dass Frauen eben andere Lösungen brauchen als Männer. Nicht Gleichstellung von Mann und Frau sondern Chancengleichheit zwischen Mann und Frau soll der Leitgedanke für zukünftige politische Entscheidungen sein.“

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