Naturns verändert sich: zwischen Friedhof und Sonnenhof (Tennisplätze, rechts) soll eine ­Tourismuszone ausgewiesen werden.

Tourismuszone mit „Portaleffekt“

Publiziert in 43 / 2012 - Erschienen am 28. November 2012
Dem Naturnser Gemeinderat war es wichtig, sich intensiv mit den Auswirkungen einer neuen Tourismuszone auf das Dorfbild auseinanderzusetzen. Naturns - Die ersten drei Tagesordnungspunkte gaben wie immer Einblicke, wie die Tourismusgemeinde lebt und leben lässt, was Bürgermeister und Referenten geleistet haben und wie nahe die einzelnen Gemeinderäte ihren Wählern stehen. Ausgiebig Raum und Zeit gewährte man der Vorstellung des Gemeindezivilschutzplanes durch den „akademischen Krisen- und Katastrophenmanager“ Toni Gögele. Der hatte viel Lob übrig für die „professionelle Vorgangsweise der Arbeitsgruppe in der Gemeinde Naturns“ bei der Bildung einer Gemeindeleitstelle für den ­Zivilschutz und beim Erstellen des Planes als „Entscheidungsinstrument zur Bewältigung von ­Katastrophen“. Ausführlich ging er auf die Rolle des Bürgermeisters ein, dem staatliche Gesetze und Bestimmungen absolute Macht einräumen, aber auch absolute Verantwortung aufbürden. Anhand von drohenden Szenarien und konkreten Ereignissen - darunter als „positives Beispiel“ der Murenabgang in der Gemeinde Partschins - unterstrich er die Bedeutung des Gemeindezivilschutzplanes. Nicht zur Beschlussfassung, aber „um die Stimmung zu erheben“, wie es Bürgermeister Andreas ­Heidegger ausdrückte, durfte sich der Gemeinderat mit dem „Konzept für die Ausweisung einer neuen Tourismuszone Sonnenhof-Prokulus“ beschäftigen. Urbanistik-Referent Zeno Christanell stellte das Projekt der beiden „Leitbetriebe in Naturns“, Hotel Sonnenhof und Hotel Prokulus, vor. Die beiden 4-Sterne S-Häuser der Familie Brunner würden die bestehende Tiefgarage nördlich der Hauptstraße und eine zu bauende oder zu verlegende Freizeit- und Wellnessanlage gemeinsam nutzen. Außerdem würden je 20 Hotelsuiten, also zusätzlich 80 Betten, entstehen. Referent Christanell bezeichnete die geplanten Baumaßnahmen als „dorfprägend“. Autofahrer würden einen „Portaleffekt“ erfahren, weil sie eine geschlossene Ortschaft früher wahrnehmen würden, zeigte er sich überzeugt. Zu behandeln seien die Gestaltung von Gehsteig und Radweg entlang der Hauptstraße, zu diskutieren die passende Architektur und die Gestaltung einer „Zone der Pietät“ am Friedhof. Die Rückmeldungen der Gemeinderäte waren durchwegs positiv. Es wurden die Steuern dieser Betriebe als Einnahmen der Gemeinde erwähnt und Ängste vor einem Betonblock zerstreut. Man gratulierte den im Saal anwesenden Unternehmern für ihren Mut und hoffte auf zusätzliche Arbeitsplätze vor allem für in Naturns Ansässige. Franz Gritsch (BürgerUnion) mahnte zur Vorsicht: „Man muss frühzeitig auf alles schauen. Ich kenne den Bauherrn.“ Dietmar Rainer (Süd-Tiroler Freiheit) schlug vor, den Bannstreifen am Friedhof zu belassen, wie er derzeit besteht. Günther Schöpf
Günther Schöpf
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