Und kein Ende in Sicht

Publiziert in 12 / 2005 - Erschienen am 23. Juni 2005
Die Anrainer an der Bahnlinie sind verzweifelt. Aber nicht, weil nun die Bahn lärmend durchs Tal fährt. Nein! Weil des Nachts, wenn alle arbeitenden Menschen schlafen, die Arbeiter einer italienischen Baufirma, für die Nivellierung der Geleise zuständig, erwachen und bis 5 Uhr in der Früh mit ihren schweren Loks und Maschinen eine Mütze Schlaf unmöglich machen. Mobilitätslandesrat Thomas Widmann erklärt dies so: „Bei den Arbeiten handelt es sich um Instandhaltungsarbeiten am Oberbau, die für die Endabnahme notwendig sind. Da die Bahn tagsüber verkehrt, müssen diese Arbeiten nachts durchgeführt werden. Aufgrund natürlicher Bodenbewegungen müssen die Geleise zur optimalen Nivellierung derzeit noch leicht korrigiert werden.“ Ernst Alber, direkter Anrainer an die Bahnlinie in Göflan, ist diese Erklärung zu wenig. Er ist am Verzweifeln. „Die ganze Bauzeit durch haben wir uns auf den Start der Vinschgerbahn gefreut. Dass es jetzt aber in der Nacht gleich weiter geht wie bisher, ist für uns nicht mehr tragbar“, ist Alber erbost. So ähnlich wie ihm, ergeht es vielen Anrainern entlang der Bahnstrecke. Was Alber bis dato nicht wusste, erklärt Helmuth Moroder, Projektleiter für die Vinschgerbahn: „Die Eisenbahnbrücke in Göflan ist der technisch schwierigste Abschnitt der gesamten Linie. Die Kurve weist mehrere Radien auf. Wir sind noch dabei, dieses Problem zu lösen, damit die Bahn dort mit einer angemessenen Geschwindigkeit passieren kann.“ Und das kann dauern. Bis Ende Juni sollen die Arbeiten zwischenzeitlich ruhen, dann wird die Qualität, das Niveau der Geleise, neuerlich gemessen. Passt die Qualität nicht, so Moroder, sind Nachstopfungen mit Schotter und punktuelle Nachregulierungen notwendig. Wird bei Nachmessungen Ende Juni immer noch eine niedere Qualität der Geleise festgestellt, werden die nächtlichen Arbeiten also wieder aufgenommen, so lange bis das Geleis Abnahmequalität hat. Und das kann ebenso dauern. Die Göflaner Ohrenzeugen sind außer sich, denn ihre Geduld ist nun am Ende. Helmuth Moroder versteht die Anrainer, aber aus seiner Warte müssen die Arbeiten gemacht werden.
Andrea Kuntner
Andrea Kuntner
Vinschger Sonderausgabe

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.