Der erste Bürgerstammtisch hat im Gasthof „Goldene Rose“ in Schlanders stattgefunden.

Ungezwungen über alles reden

Publiziert in 6 / 2006 - Erschienen am 22. März 2006
Schlanders – Die Bürger sollen die Möglichkeit haben, ungezwungen und in einem gemütlichen Rahmen Kritik, Ideen und Anregungen vorzubringen und über alles zu reden, was ihnen unter den Nägeln brennt. So umschrieb Bürgermeister Johann Wallnöfer den Zweck des Bürgerstammtisches, zu dem die Gemeindeverwaltung kürzlich in den Gasthof „Goldene Rose“ eingeladen hat. Weitere Bürgerstammtische soll es in Gasthäusern in Kortsch, Göflan und in Vetzan geben. Zum Stammtisch in Schlanders haben sich nur wenige Bürger eingefunden. Die Diskussion aber war dennoch rege und es wurden viele Themen angesprochen. Die Gemeindeverwaltung und der Gemeinderat waren stark vertreten. Mehrere Fragen bezogen sich auf das Fernheizwerk, das mit Hackschnitzel und auch mit Gas betrieben werden soll. Es wurde zu bedenken gegeben, dass das Gas knapp und teuer werden und die Gemeinde somit in eine Abhängigkeit geraten könnte. Der Bürgermeister und das Ratsmitglied Karl Thoman sagten, dass das Heizkraftwerk theoretisch auch zur Gänze mit Hackschnitzel betrieben werden könnte. Fernheizwerk Die teilweise Gas-Befeuerung ziele in erster Linie auf die Erzeugung von Strom ab, der verkauft werden kann. Der Zukauf von Hack-schnitzel von außen wird auch für das Heizwerk in Schlanders unumgänglich werden. „Die Gasleitung von Staben bis Schlanders wird von der SEL AG gebaut und muss bis zum Herbst da sein,“ sagte Johann Wallnöfer. Die Trasse sei bereits gefunden worden. Verkehr Siegmar Trojer schnitt das Thema Verkehr an. „In Schlanders wohnen viele Familien eng an der Hauptdurchzugsstraße und sind infolge des stetig zunehm-enden Schwerverkehrs Abgas- und Lärmbelästigungen ausgesetzt,“ sagte er. In Zukunft werde sich die Lage weiter verschlechtern. Die Gemeinde solle sich daher schon jetzt über eine Umfahrungsstraße Gedanken machen. Der Bürgermeister sagte, dass weder der Bauleitplan noch der Masterplan eine Umfahrungsstraße für Schlanders vorsehe. Auch der Verkehrsexperte Hermann Knoflacher sage nein zu einer Umfahrung. „Knoflacher ist nicht unfehlbar. Der Tunnel in Naturns beweist, dass das Dorf dank der Umfahrung wirtschaftlich auflebt und dass sich die Lebensqualität deutlich gebessert hat,“ erwiderte Trojer. Laut dem Bürgermeister habe Naturns mit den Tunnels im „Alleingang“ gehandelt. Wenn man die Lage des ganzen Tales betrachtet, ergebe sich ein anderes Bild, denn Umfahrungen und Tunnels ziehen immer auch zusätzlichen Verkehr an. „Ob Kastelbell einen Tunnel bekommt, ist noch lange nicht sicher,“ sagte Johann Wallnöfer. Fußgängerzone Ein weiteres Thema war die Fußgängerzone. Viele Geschäfte seien leer und abends sei in der Zone nichts los. Leer stehende Geschäfte gibt es laut dem Bürgermeister nicht zuletzt deshalb, weil die Mietpreise zu hoch seien. Die Gemeinde sei bereit, zusammen mit der Wirtschaft und den Bürgern im Sinne eines modernen Ortsmarketing-Konzeptes günstigere Rahmenbedingungen zu schaffen. Auch mit dem Fremdenverkehr in Schlanders gehe es laut einiger Wortmeldungen eher abwärts. „Vor dem einzigen Vier-Sterne-Hotel wird jetzt ein ‚Baukasten’ hingestellt,“ hieß es. Der Gemeinde wären mehrere gute Hotels laut dem Bürgermeister recht, „aber wir haben kein Skigebiet dahinter. Es ist bei uns nicht so wie etwa in der Gemeinde Mals, wo es das Skigebiet Watles gibt und neue Hotels gebaut werden.“ Hallenbad Das Thema Hallenbad warf Kunhilde Marsoner Holzner auf. Es sei nur schwer nachzuvollziehen, dass Schlanders als Hauptort und Schulzentrum kein Hallenbad bekommen soll. „Das Problem ist nicht die Finanzierung des Baus eines Hallenbades, sondern die Kosten der Erhaltung und Führung,“, sagte der Bürgermeister. Mehrere Mittelpunktgemeinden in Südtirol hätten enorme Probleme mit den Folgekosten von Hallenbädern. Am Ende müssten diese Kosten auf die Bürger abgewälzt werden. Angesichts der Bäder in Naturns, Mals und Latsch vertrage das Einzugsgebiet des Vischgaus keine weiteren Hallenbäder mehr. Was die Höhe von Gebühren und Tarifen betrifft, könne sich die Gemeinde Schlanders landesweit sehen lassen. „Wenn das weiter so bleiben soll, müssen wir Infrastrukturen mit hohen Folgekosten möglichst vermeiden,“ sagte Josef Wallnöfer. Einige Gemeinden werden in Zukunft große Schwierigkeiten haben, Strukturen, die sie be- sitzen, zu führen.
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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