Links Schuldirektor Reinhard Karl Zangerle, rechts der ­Medienpädagoge Helmar Oberlechner.

„Verbieten nützt nichts“

Publiziert in 7 / 2013 - Erschienen am 28. Februar 2013
Rund die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 7 und 14 Jahren surft im Internet, meistens mit dem Handy. Schlanders - Ein eigenes Handy haben fast alle. ganz oben auf der Liste der Aktivitäten steht das soziale Netzwerk Facebook. „Früher tratschte man am Dorfbrunnen, heute wird via Facebook geplaudert,“ sagte der Medienpädagoge Helmar Oberlechner aus Innsbruck bei seinem Vortrag „Mein Kind & Internet“ in der Aula Magna der WFO in Schlanders. Surfen ist laut Oberlechner nichts Schlechtes, nur muss es mit einer gewissen Vorsicht geschehen. Anstatt Kindern und Jugendlichen den Zugang zum Netz zu verbieten, sollten Eltern und Lehrpersonen den Umgang mit Internet selbst erlernen und zusammen mit ihren Schützlingen surfen. Eine große Herausforderung sei es, den Jugendlichen beizubringen, mit der gewaltigen Datenflut im Internet umzugehen. Beherrschenden Themen junger Facebook-Nutzer seien Freundschaft und Beziehung, Schule, Probleme in Sachen Freundschaft und Schule sowie Sex. Auf Facebook entstehe ein virtuelles soziales Netz, nicht unähnlich dem wirklichen sozialen Netzwerk. „Viele Eltern und Lehrpersonen wissen weniger über Internet als ihre Kinder, aber die Kinder sind weniger kompetent im Umgang mit Risiken,“ sagte Oberlechner. Daher sei es wichtig, Kinder und Jugendliche über Risiken aufzuklären und ihnen Grenzen zu setzen. Gefährlich sei die Preisgabe persönlicher Daten: Namen, Fotos oder Wohnort bleiben für immer im Netz „hängen“ und sind unauslöschbar. Es gebe genug Verbrecher, die sich im Netz über mögliche Opfer kundig machen. Auch auf Internet-Sucht ging der Medienpädagoge ein: „Süchtige sind zumeist bereits im wirklichen Leben gefährdet. Sie sind oft einsam, Singles oder Zocker. Im Netz versuchen sie ihre Süchte wie Spielen oder Sex zu befriedigen.“ Besonders gefährlich kann „elektronisches Mobbig“ sein wie Beschimpfungen oder blödes Anmachen. „Cyber-Mobbing ist öffentlich möglich, überall, jederzeit und sofort“, so Oberlechner. Frust, Abkapselung und andere verdächtige Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen seien daher sehr ernst zu nehmen. „Surfen ist normal, es gehört zur heutigen Entwicklung. Nehmen Sie daher teil an der Medienwelt der Kinder und Jugendlichen, betreiben Sie aber Aufklärung und beschützen Sie die jungen Leute“, mahnte Oberlechner. Podiumsdiskussion am 6. März Für den 6. März um 20 Uhr kündigte Schuldirektor Reinhard Karl Zangerle im Namen der Arbeitsgruppe „Gemeindeorientierte Präventionsarbeit“ eine Podiumsdiskussion zum Thema „Meine Kind & Internet“ an. Neben Oberlechner werden dazu auch Eltern-, Schul-, und Jugendvertreter erwartet sowie Vertreter der Postpolizei, der psychosozialen Beratung der Caritas und des Forums Prävention. Die Podiumsdiskussion findet in der Aula Magna der WFO Schlanders statt. Sepp Laner
Josef Laner
Josef Laner

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