Im Bild (v.l.): Karl Gruber, Manfred Lechner, Sepp Gritsch, Werner Egger, Hubert Pinggera, Tanja Ortler, Udo Thoma. Alois Lechner und Alfred Theiner.

Verwalter in der „Zange“

Publiziert in 9 / 2013 - Erschienen am 13. März 2013
Verkehrsbelastung in der Silbergasse in Prad sorgt für Kritik bei Bürgerversammlung. Prad - Nach einem Ausfall im Vorjahr lud die Gemeindeverwaltung heuer wieder zu einer Bürgerversammlung ein. Vor knapp 100 Bürgerinnen und Bürgern blickte BM Hubert Pinggera am 6. März im Nationalparkhaus auf die Investitionen 2012 zurück. Es wurden ca. 4,6 Mio. Euro investiert. Zu den größten Brocken gehörten der Neubau des Rathauses und des Kindergartens. Beide Vorhaben stehen vor dem Abschluss. Auch die Seniorenstruktur ist mehr oder weniger abgeschlossen. Weitere 8 Seniorenwohnungen sind noch einzurichten. Zu den wichtigsten Vorhaben 2013 gehört die Erschließung der Wohnbauzone B3 im Kieferhainweg. Die Neugestaltung des Hauptlatzes werde fortgesetzt. Auch den Zivilschutzplan stellte Pinggera vor. Werner Egger, Referent für öffentliche Arbeiten, wartete mit Details zu mehreren Bauvorhaben auf. Auf einen gelungenen Start der Zeitbank Prad mit derzeit 27 Mitgliedern, die ca. 80 Dienste anbieten, blickte das Ratsmitglied Klaus Wallnöfer zurück. Udo Thoma, Fraktionssprecher der Liste FÜR PRAD, sagte, dass seine Liste im Gemeinderat einer „großen Mehrheit“ gegenübersteht, wobei SVP-Vertreter oft schweigen: „Mit dem Ausscheiden von Christian Obwegeser ist die einzige kritische Stimmer verstummt.“ Manchmal könne man im Rat aber auch „sachlich und flott streiten.“ Die Verwaltung arbeite zum Teil gut. Kritisch merkte Thoma an, dass die Gemeinde in punkto Stilfserjochstraße und Maut mehr agieren als reagieren sollte. Das Thema Ortler-Durchstich brachte Thoma ebenso aufs Tapet wie jenes des Wassers: „Warum lässt man Trinkwasser mit Top-Qualität, wie wir es in Lichtenberg haben, ungenutzt?“ Nicht aus den Augen zu verlieren sei die Vision eines Altersheims. Die Verkehrsbelastung, zu der es infolge der Ansiedlung des Supermarktes MPreis am Hauptplatz gekommen ist, habe die Verwaltung zu verantworten: „Es gab im Vorfeld so gut wie keine Information,“ so Thoma. Man sei vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Nun sollte es eine Denkpause geben. Der SVP-Fraktionssprecher Alois Lechner wies den Großteil der Kritik von Thoma zurück. Zwecks Trinkwasser könnte eine Ableitung von Lichtenberg vielleicht eine Teillösung sein, aber nicht mehr. Grundsätzlich meinte Lechner: „Eine Verwaltung hat Entscheidungen zu treffen. Dass man dabei manchmal stolpert, gehört dazu.“ Alfred Theiner (Süd-Tiroler Freiheit) sagte: „Unser Hauptaufgabe ist die Kontrolle der Verwaltung. Bei sinnvollen Entscheidungen stimmen wir mit.“ „Ihr habt euch die Suppe eingebrockt,...“ Die Diskussion konzentrierte sich fast ausschließlich auf das Thema Gestaltung des Hauptplatzes, sprich auf die Verkehrsbelastung. Die Verwaltung bekam teils harte Kritik zu Ohren: die Anrainer in der Silbergasse habe man links liegen lassen; der an der Engstelle zwischen dem oberen und unteren Bereich geplante neue, viereckige Brunnen teile den Platz in zwei Bereiche; die geplante, über 10 Meter hohe Stange, die das Schallschutz-Segeltuch über dem neuen Podium stützen soll, verunstalte das Ortsbild; die Verwaltung sei bei der Neugestaltung von Anfang an nicht bürgernah und demokratisch vorgegangen. Mehrfach gefragt wurde, warum es nicht möglich ist, den LKW-Zulieferverkehr in den Zeit von 7 bis 10 Uhr über den Platz fahren zu lassen. Der Bürgermeister sowie die Referenten Werner Egger und Manfred Lechner unterstrichen, dass der Platz bereits seit ca. 20 Jahren verkehrsberuhigt sei. Ihn jetzt wieder zu öffnen, widerspreche dem Grundsatz einer verkehrsberuhigten Zone. Auch der Verkehrsexperte ­Winfried Theil teile diese Ansicht. Die Verwaltung habe die Ansiedlung des Supermarktes nicht verhindern können. Der neue Brunnen sei keine Barriere. „Theoretisch könnten auch LKW durchfahren,“ so Werner Egger. Manfred Lechner sagte, dass der PKW-Verkehr in der Silbergasse zwar zugenommen habe, aber nicht das Problem schlechthin sein. Problematischer sei der Zulieferverkehr. „Wir möchten jetzt schauen, wie sich die Lage im Sommer entwickelt, um dann im Herbst wieder zusammenzusitzen und über weitere Schritte zu beraten,“ sagte Lechner. „Schauen, wie sich die Lage im Sommer entwickelt“ Eines zeigte sich bei der Versammlung klar: die Bürger wollen nicht nur rechtzeitig informiert werden, sondern sie wollen auch mitreden und mitentscheiden. Wäre dies von Anfang an geschehen, hätten die Verwalter Sätze wie „Ihr habt euch die Suppe eingebrockt, und ihr müsst sie wieder auslöffeln“ wohl nicht anhören müssen. Mit Kritik nicht zurückgehalten hatten aufgebrachte Anrainer auch am 2. März, als Architekt Walter Dietl, der im Auftrag der Gemeinde die Bautätigkeiten am Dorfplatz begleitet, ebendort das Brunnen-Projekt vorstellte. Sepp Laner
Josef Laner
Josef Laner
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