Der Vinschger Kammerabgeordnete „Abi“ (ganz rechts) mit weiteren Parlamentariern sowie einigen Südtiroler und Trentiner ­ Wahlmännern- bzw. Wahlfrauen.

Was wird das jetzt für Südtirol bedeuten?

Publiziert in 15 / 2013 - Erschienen am 24. April 2013
Bericht „aus erster Hand“ über die Nicht-Wahl eines neuen Staatspräsidenten - „Schade um Bersani“ Rom - Der Kammerabgeordnete Albrecht Plangger hat uns einen politischen Bericht aus Rom zukommen lassen, den wir auszugsweise veröffentlichen. Am 17. April, dem Tag vor dem 1. Wahlgang, fuhr Plangger mit den neuen Zügen „Frecciarosse“ von Rom nach Mailand, „um mich im Interesse einiger Vinschger und Burggräfler Gemeinden mit einem bekannten Universitätsprofessor in Steuerfragen zu treffen. Die großen Kraftwerksbetreiber haben es mit der Steuermoral bei der ICI in Vergangenheit nicht so ernst genommen. Jetzt soll Abhilfe geschaffen und Steuergerechtigkeit durchgesetzt werden.“ Wahl von Marini ging sauber in die Hosen Zur gescheiterten Wahl von Franco Marini schreibt Plangger: „Diese Wahl geht sauber in die Hosen. Die ‚große Koalition’ (Bersani & Berlusconi) hat nicht gehalten. Es fehlen massenhaft Stimmen.“ Schon am Donnerstagnachmittag sickerte durch , „dass Marini zurückgezogen habe und dass man beim 2. und 3. Wahlgang ‚weiß’ wählen sollte. Nicht ohne Hintergedanke. Man möchte zählen , wie viele Stimmen auf den Kandidaten der Bewegung 5 Stelle – Stefano Rodotá - abwandern würden und wie viele man von der Mehrheit auf einen neuen Namen einschwören könnte. Hinter den Kulissen hat es sicherlich hektische Gespräche gegeben und direkte Verhandlungen zwischen dem Partito Democratico von Bersani und dem Popolo della Liberta´ von Berlusconi, um sich auf einen neuen Kandidaten zu einigen, der das Vertrauen beider Groß-Parteien erhalten könnte. Am Freitag erfahre ich dann , dass diese Verhandlungen kläglich gescheitert sind. Der PD will einen Kandidaten aus den eigenen Reihen vorschlagen. Der neue Kandidat ist ein Wunschkandidat von uns Südtirolern. Er wurde für seine unumstrittenen Verdienste für unser Land und die Autonomie mit der höchsten Auszeichnung geehrt, die es in unserem Lande zu vergeben gibt. Romano Prodi ist auch mein Wunschkandidat, obwohl ich zu wissen glaube, dass Berlusconi mit der Kandidatur von Prodi auf jeden Fall wieder Neuwahlen anzetteln wird, ich aber endlich arbeiten und etwas ‚heim bringen’ möchte , was ich im Wahlkampf versprochen oder in Aussicht gestellt hatte.“ Es sei insgeheim gehofft worden, dass auch einige „Grillini“ umfallen und Prodi wählen könnten. „Einige Scheinheilige in den eigenen Reihen (franchi tiratori) hat es immer gegeben, aber man hofft nicht mehr als 30. Diese könnte Monti mit seinem Lager (ca. 75) beim 5. Wahlgang locker ausgleichen. Die Enttäuschung bei der Auszählung der Stimmen ist riesengroß. Es wird sofort klar, dass 1/3 bis ¼ der Stimmen für Prodi aus dem eigenen Lager fehlen. Verrat. Eine politische Katastrophe.“ Eine politische Katastrophe Plangger fragt sich: „Wem galt der Verrat? Mehr Bersani oder Prodi? Wie kann man eine solche politische Katastrophe heraufbeschwören? Ich verstehe, dass dies das Ende der Ära Bersani sein wird. Er hat seine Leute nicht mehr in Griff. Somit bleibt ihm nur mehr der Rücktritt. Ich denke an die Abmachung mit der Südtiroler Volkspartei , an die Anpassung des Autonomiestatuts , an Durchführungsbestimmungen zur Energie, zum Nationalpark Stilfserjoch...Habe ich im Wahlkampf auf die falschen Verbündeten gesetzt? Was wird das jetzt für Südtirol bedeuten? Ich denke an die ‚Königsmörder’,...alles ‚Korrnr und Baggasch’ (auf vinschgerisch). Der heutige Abend ist gelaufen. Die Moral am Boden. Ich gehe in meine Unterkunft. Auch der Hunger ist mir vergangen. Wie konnte sich Bersani bei seinen eigenen Leuten so verrechnen? Wie wird es weitergehen? Am späten Abend erfahre ich , dass Bersani zurücktreten wird. Das ist für uns Südtiroler der ‚Supergau’. Auch für mich persönlich. Ich habe große Hoffnungen in die Person Bersani gesetzt. Nun wird alles schwieriger werden.“ Nun wird alles schwieriger werden Am 20. April erklärt sich ­Giorgio Napolitano für eine Wiederkandidatur bereit. Plangger: „Alle atmen auf. Freunde kommt aber keine auf. Ich denke an Bersani, an das, was man mit diesem Südtirolfreund hätte machen können. Ich verfolge die Auszählung der Stimmen mitten unter den ‚Grillini’. Um 18.15 Uhr erreicht Napolitano das Quorum von 504 Stimmen. Jubel kommt auf. Alle klatschen und erheben sich von den Sitzen. Nur die ‚Grillini’ schweigen und bleiben demonstrativ alle sitzen Ich stehe alleine und applaudiere verhalten. Als der Applaus nicht mehr Napolitano gilt, sondern gegen die politischen Gegner gerichtet ist, setze ich mich. Auch dieses Verhalten der Sieger zu den Wahlverlierern ist wenig demokratisch. Wir haben einen neuen, alten Staatspräsidenten. Ein absolut guter Mann. Am Abend stoßen wir noch auf den neuen Präsidenten an. Meine Gedanken gehen aber zu Bersani. Es tut mir Leid um ihn. Schade.“

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