Winterschäden und Feuerbrandrisiko

Publiziert in 11 / 2005 - Erschienen am 9. Juni 2005
Im heurigen Frühjahr konnten zahlreiche Vinschgauer Landwirte an ihren Jungbäumen verstärkt Winterschäden feststellen. Einige Junganlagen mussten sogar gerodet werden, da die betroffene Anzahl der geschädigten Bäume zu hoch war. „Der Vinschger“ hat bei Martin Thomann, Bezirksleiter des Südtiroler Beratungsringes nach den Ursachen und den Konsequenzen gefragt. „Der Vinschger“: Wie kommt es überhaupt zu Winterschäden an Obstbäumen? Martin Thomann: Ausschlaggebend für die Winterschäden, wie wir sie heuer überall feststellen mussten, sind vor allem die außerordentlichen Witterungsverhältnisse des vergangenen Winters. Im Hochwinter, wenn der Baum auf niedrigste Temperaturen eingestellt ist, sind auch -20° C kein Problem. Schädlich werden diese Minusgrade im März, wie es heuer der Fall war, wo wir -16,8 ° C gemessen haben. Erschwerend ist noch der häufige Wind, der Austrocknungsschäden verursacht. „Der Vinschger“. Wie sieht das Schadbild an den Obstbäumen aus? Martin Thomann: Wir unterscheiden drei Schadbilder. Wenn Triebe wie ausgetrocknet wirken, dann ist der Baum stark geschädigt und muss gerodet werden. Dann gibt es Bäume, die zwar normal ausgetrieben haben, deren Blattentwicklung aber zurückgeblieben ist. Der reduzierten Blattfläche steht eine zu starke Blüte gegenüber. Ein drittes Schadbild zeigt sich an Bäumen, die einen verspäteten Austrieb aufweisen, d. h. sie blühen erst im Juni/Juli. „Der Vinschger“: Welche Anbaugebiete sind vorwiegend betroffen? Martin Thomann: Das Gebiet orografisch rechts der Etsch, also die Schattenseite, ist bedeutend stärker betroffen als die Anlagen orografisch links der Etsch und am Sonnenhang. Von Rabland bis Morter konnten wir mehr stark geschädigte Bäume feststellen, im Einzugsgebiet der NOG Naturns mussten beinahe 60 000 Jungbäume gerodet werden. Das Gebiet westlich von Latsch weist unterschiedlich starke Winterschäden auf. „Der Vinschger“: Welche Obstsorten sind vorwiegend betroffen? Stimmt es, dass die „alten“ Apfelsorten weniger anfällig für Winterschäden sind als die „modernen“ roten Sorten? Martin Thomann: Neben Süßkirschen sind vor allem ein bis fünf Jahre alte Apfelbäume geschädigt, wobei die Sorten Jonagold und zum Teil auch Golden Delicious am wenigsten anfällig waren. Die moderne Sorte Braeburn weist die meisten stark geschädigten Bäume auf. „Der Vinschger“: Welche Auswirkungen haben Winterschäden auf die Qualität der Ware? Martin Thomann: Abgesehen vom Produktionsausfall im Falle einer Rodung muss der Bauer bei teil geschädigten Bäumen mit Mengenausfall und geringerer Fruchtgröße rechnen. Hinzu kommt noch die Berostung der Schale. „Der Vinschger“: Gibt es Konsequenzen für die Bäume im Folgejahr? Martin Thomann: Unsere Beobachtungen haben gezeigt, dass stark geschädigte Bäume auch in den Folgejahren erhöht anfällig für weitere Winterschäden geblieben sind. „Der Vinschger“: Welche Möglichkeit bietet sich den Landwirten? Wo sehen Sie als Beratungsring Ihre Aufgabe? Der Produzent wird verstärkt den idealen Standort der verschiedenen Apfelsorten berücksichtigen müssen. Die Aufgabe des Beratungsringes wird es auch weiterhin sein, den Landwirten in der Sorten- und Standortwahl beratend zur Seite zu stehen. „Der Vinschger“: Wie hoch ist derzeit das Feuerbrandrisiko? Martin Thomann: Während der Hauptblüte gab es einige wenige Infektionstage. Die Infektionsgefahr besteht jedoch noch bis Juni/Juli; problematisch sind die spät blühenden Jungbäume. Die Landwirte sind aufgefordert, ihre Anlagen ständig auf Symptome zu kontrollieren und Auffälligkeiten zu melden. „Der Vinschger“: Hat sich die Rodung der Ziersträucher wie Cotoneaster, Weißdorn usw. in den letzten Jahren wirklich gelohnt? Martin Thomann: Auf jeden Fall ist es von Vorteil, dass die hochanfälligen Wirtspflanzen aus der näheren Umgebung von Obstanlagen entfernt wurden.
Ingeborg Rainalter Rechenmacher
Ingeborg Rainalter Rechenmacher

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