Bürgermeister Wegmann: Traurig, aber wahr, die Gemeinde hat nicht viel zu melden.

„Wir sind total ausgeliefert“

Publiziert in 20 / 2012 - Erschienen am 23. Mai 2012
Ratlosigkeit, Angst, Ärger und ein bisschen Optimismus bringt die drohende Errichtung eines ­Handy-Mastes in Schluderns. Im Landtag gab es nun eine Anfrage der Freiheitlichen. Bürgermeister Erwin Wegmann nimmt dazu Stellung und muss einige unangenehme Feststellungen machen. Der Vinschger: Herr Bürgermeister Wegmann, wer will Ihnen mit dem Handy-Mast Schwierigkeiten machen? Erwin Wegmann: Die Geschichte reicht schon etwas weiter zurück. Vor gut einem Jahr hat die Betreiberfirma Vodafone beim Land um die Ermächtigung zur Aufstellung eines Mastes in der Höhe von 25 Meter angesucht. Sie konnte dabei auf die Grundverfügbarkeit verweisen, da sie im Vorfeld schon einen Vertrag mit einem Schludernser Bauern abgeschlossen hatte. Die Gemeinde hat zu diesem Projekt ein negatives Gutachten abgegeben. Vom Land wurde daraufhin aus formalen Gründen keine Genehmigung erteilt. Welche rechtliche Stellung hat eine Betreiberfirma in Bezug auf die Durchsetzbarkeit bei der Aufstellung von Masten? Vodafone hat für einige Millionen Euro eine Konzession vom Staat erworben. Innerhalb einer bestimmten Zeit muss die Betreiberfirma die technische Ab­deckung einrichten und garantieren, das heißt, die dafür notwendigen Sendemasten errichten. Heißt das, dass der Staat über ein Gesetz der Betreiberfirma freie Hand für die Errichtung von Sendemasten gibt? Wenn sich die Betreiberfirma an die im Gesetz genannten Krite­rien hält, kann ihr die Errichtung von Masten nicht verweigert werden. Ist das in Schluderns der Fall? Es ist so, dass die Betreiberfirma einen registrierten Vertrag in der Hand hat. Wenn es Änderungen geben soll, sind die Gemeinde und der Grundbesitzer, der nach dem Wirbel, den die Errichtung des Mastes ausgelöst hat, vom Vertrag zurücktreten will, jetzt auf die Zustimmung von Vodafone angewiesen. Das heißt, Vodafone kann den Mast auch am ursprünglich ausgewählten Platz errichten, obwohl die Gemeinde ein negatives Gutachten abgegeben hat? Richtig! Da können wir gar nichts dagegen machen. Wenn ein Privater sagt, dass er seinen Grund zur Verfügung stellt und die Firma die Richtlinien einhält, dann ist die Gemeinde total ausgeliefert, da ist dann nichts mehr zu machen. Darum hat es mich sehr erschüttert, dass ein Hobby-Landwirt und ein richtiger Landwirt gleich ihren Grund zur Verfügung stellen würden, wenn der erste vom Vertrag zurücktritt. Ich finde das brutal, dass sich jemand dafür hergibt, obwohl man gesehen hat, dass es in der Gemeinde einen solchen Aufruhr ausgelöst hat. Wer überprüft die Einhaltung der Strahlenwerte? Die Intensität der Strahlungen werden vom Landeslabor und anderen Institutionen überprüft. Es besteht jedoch die Gefahr, dass die in Südtirol geltenden Grenzwerte in nächster Zeit erhöht werden, weil dadurch weniger Masten notwendig werden. Hat die Gemeinde alternative Standorte vorgeschlagen? Ja; für die Betreiberfirma ist es wichtig, den nächsten Mast am Eingang zum Schlinigertal zu erreichen. Wo wäre dieser Alternativstandort? Nach dem letzten Lokalaugenschein wäre das zwischen ­Scheidegg und Hoangart Bödele, an der Waldgrenze. Die beiden Höfe in der Nähe würden von der Strahlung nicht erreicht. Ist die Entscheidung dafür schon gefallen? Von Seiten der Techniker geht der Standort gut, ebenso für die Prüforgane des Landes. Die Bannzone der Churburg würde auch nicht beeinträchtigt, da der Mast maximal zehn Meter hoch würde und bis zur Antenne zuwachsen könnte. Hat Vodafone diese Alternative bestätigt? Mündlich wurde dies bestätigt. Interview: Friedrich Haring
Friedrich Haring
Friedrich Haring
Vinschger Sonderausgabe

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.