Abstimmende Ratsmitglieder.

Wogen haben sich etwas geglättet

Publiziert in 35 / 2013 - Erschienen am 9. Oktober 2013
Verwaltungsrat von Glurns Marketing ist wieder vollständig. Einsprüche gegen Bauleitplanänderung abgelehnt. Glurns - Wenn im Stadtl rund 40 Bürgerinnen und Bürger zu einer Gemeinderatssitzung ins Rathaus strömen, bedeutet das fast sicher, dass Feuer am Dach ist. Im Vorfeld der Sitzung vom 30. September waren die Wogen tatsächlich hochgegangen und teilweise auch medial hochgepeitscht worden. Johann Oberthaler, Präsident von Glurns Marketing, sowie das Verwaltungsratsmitglied ­Ulrike Riedl waren zurückgetreten. „Dass sich Hans Oberthaler gegen die Westumfahrung von Glurns stemmt, hat er uns gegenüber nie konkret angesprochen“, sagte Vizebürgermeister Luis Frank bei der Ratssitzung. Man habe davon lediglich aus der Presse erfahren. Dieses Verhalten sei der Gemeindeverwaltung gegenüber nicht gerade als vertrauenswürdig einzustufen. Frank erinnerte auch daran, dass der Präsident von Glurns Marketing eine Entschädigung bezieht (ein Fünftel des Bürgermeister-Gehaltes) und die Verwaltungsratsmitglieder Sitzungsgeld bekommen. „Wir haben es also nicht mit einer ehrenamtlichen Tätigkeit zu tun, sondern mit einem Rechtsverhältnis“, präzisierte der Gemeindesekretär Georg Sagmeister. Und aus diesem Rechtsverhältnis heraus erwachse die Verpflichtung zur Loyalität. Werde der Unmut über die Presse ausgetragen, werde die Loyalität verletzt. Auch BM Erich Wallnöfer kritisierte das Verhalten Oberthalers. „Wir können ihn nicht zwingen“ Johann Oberthaler und Ulrike Riedl haben während ihrer Amtszeit laut Luis Frank gute Arbeit geleistet und einiges für Glurns erreicht. Es habe mehrere Versuche gegeben, Oberthaler umzustimmen, „aber sein Rücktritt ist unwiderruflich und zwingen können wir ihn nicht.“ Dem Vorschlag, Elisabeth Weissenhorn als neue Präsidentin von Glurns Marketing zu bestellen, sowie Michaela Pircher Mazagg als neues Verwaltungsratsmitglied, stimmte der Gemeinderat bei je drei Enthaltungen zu. Laut Frank verfügen beide Frauen über gute Voraussetzungen und Fähigkeiten, um der neuen Aufgabe gerecht zu werden. Der Bürgermeister sieht im Wechsel sowie auch in der Weiterführung von Glurns Marketing kein großes Problem. „Die organisatorische und technische Tätigkeit wird weiterhin von Dominik Telser erledigt.“ Einsprüche gegen Bauleitplanänderung Am 26. Juni 2013 hatte der Gemeinderat mit 7 Ja-Stimmen, 2 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen beschlossen, eine Bauleitplanänderung als ersten Schritt für den Bau der sogenannten Westumfahrung in die Wege zu leiten. Gegen diesen Ratsbeschluss waren mehrere Einsprüche seitens privater Grundeigentümer eingegangen, mit denen sich der Gemeinderat am 30. September zu befassen hatte. In den Einsprüchen wird in erster Linie beanstandet, dass die Westumfahrung keine große Verkehrsentlastung bringen würde, dass landwirtschaftliche Tätigkeiten eingeschränkt würden und dass die mittelalterliche Kulisse Schaden nehmen würde. Armin Bertagnolli (Freiheit­liche) las die Stellungnahme einer Initiativgruppe vor, die von ca. 120 Bürgern offen mitgetragen wird. Auch in dieser Stellungnahme werden Bedenken gegen die Westumfahrung geäußert. Bertagnolli warf der Gemeindeverwaltung autoritäres Verhalten vor. Es gebe kein Gesamtkonzept, keine Transparenz und keine wirkliche Mitbestimmung der Bürger. Er regte eine Volksabstimmung an. Auch Martin Prieth stellte den Nutzen der Westumfahrung in Frage. Noch gibt es weder Projekt noch Finanzierung „Wir haben jahrelang diskutiert, bis es im Juni zu diesem Beschluss kam“, konterte der Bürgermeister. Es gebe derzeit weder ein Projekt noch eine Zusicherung für eine Finanzierung. Die Bauleitplanänderung sei der erste Schritt, um das Verkehrsproblem von Glurns in den Griff zu bekommen. Und Erich Wallnöfer wurde noch klarer: „Niemand will im Vinschgau eine große Umfahrung. Und würde sie tatsächlich gebaut, hätte Glurns nichts davon.“ Sehr wohl aber würde zusätzlicher Schwerverkehr angelockt. Wirklich realistisch seien nur kleinere Ortsumfahrungen. Luis Frank erinnerte an die Vorarbeiten in der Arbeitsgruppe Verkehr: „Glurns braucht eine Verkehrsberuhigung, und zwar nicht nur in der Malsergasse.“ Wie er wunderten sich auch Referent Kurt Warger sowie die Räte Martin Unterer und Albrecht Ebensperger über die „ganz Aufregung“, zu der es jetzt nach jahrelangen Diskussionen gekommen sei. Ebensperger regte eine Bürgerversammlung an, bei der ein Experte von außen neutral darlegt, wie stark die Verkehrbelastung in Glurns tatsächlich ist. Die Einsprüche der Grundeigentümer enthalten laut dem Bürgermeister und dem Gemeindesekretär im Grunde keine neuen Vorschläge bzw. Alternativen zur Variante der Westumfahrung. Der Gemeinderat lehnte alle Einsprüche mehrheitlich ab: 8 ablehnende Stimmen, 6 Enthaltungen. sepp
Josef Laner
Josef Laner

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