„Zukunft unter Eis“

Publiziert in 44 / 2012 - Erschienen am 5. Dezember 2012
Der Projektweg „LichterEiswelt“ in Tschengls regt zum Innehalten ein, zum Nachdenken und zum Tun. Tschengls – Vorschriften, ­Gesetze, Bestimmungen, Verordnungen und jede Menge an Bürokratie und selbstauferlegten Zwängen: Sind wir überhaupt noch frei? Frei genug, um uns bewusst zu werden, wer wir sind, wo wir leben, was wir wollen und was wir tun? Für Karl Perfler vom Kulturgasthaus Tschenglsburg ist es Zeit für eine Entrümpelung. Es tut Not, innezuhalten, still zu werden, die Natur wirken zu lassen, unseren Kopf von nutzlosem Ballast zu befreien, den Sehnsüchten und Wünschen, wie sie Kinder haben, wieder Raum zu geben, nachzudenken, umzudenken, vorzudenken und dann vielleicht – oder hoffentlich – auch anders und neu zu handeln. Wenn Karl Perfler von seinem neuen Projekt „Zukunft unter Eis – Die Kinder des Kreises“ spricht, sprudelt es nur so aus ihm. Der Macchiato ist schon längst kalt, ehe er dazu kommt, über die Geburt des Projekts zu reden, über denn Sinn desselben und über das, was es bringen könnte. Er denkt im Kreis und sucht den Kreis, in dem alles Überflüssige durch den Sieb fällt und in dem das Gleichgewicht ruht. Es war die Natur im Umkreis der Tschenglsburg, die Karl Perfler den Anstoß für den Projektweg „Zukunft unter Eis“ gab: ­„Tschengls ist im Winter nicht sonnenlos, sondern sonnenfrei. Der Winter lädt zu einer Pause ein, zu einer Rast. Auch wir sollten unseren hektischen Rhythmus für eine bestimmte Zeit einfrieren, damit wir uns neu entdecken und neu leben können.“ Das mit dem Gefrieren ist durchaus wörtlich zu verstehen, „denn wir legen einen Teil des Tschengsler Bachs, einen Teil des Ufers und der Ufermauern mit Hilfe von Beregnern unter Eis.“ Vom 8. Dezember bis zum 17. ­Februar 2013 wird die „LichterEiswelt“ in Tschengls zugänglich sein. Eröffnung am 8. Dezember Der Projektweg wird am Samstag, 8. Dezember, im Anschluss an das traditionelle Adventsingen in der Pfarrkirche (17 Uhr) eröffnet. Der Weg ist in drei Räume aufgeteilt: Raum der Stille, Raum des Denkens und Raum des Tuns. Der Einstieg befindet sich an der Brücke in der Dorfmitte. Dort erhalten die Besucher eine von Karl Perfler verfasste und mit Bildern ausgestattete Begleitbroschüre zum Projektweg. Worauf es ankommt, verrät schon der Titel des Büchleins: „Innen beginnen“. Die Besucher gelangen zunächst in den Raum der Stille. Entlang der Ufermauern sind 40 großformatige, zum Teil vereiste Fotos von Gianni Bodini, Florian Peer und Karl Perfler zu sehen. Der Bach, der unter Eis steht, und Fackellichter regen ebenso zum Stillwerden ein, zum Abschalten, zur Befreiung vom Alltag. Über den so genannten Steg, den Jugendliche aus Tschengls mit Weiden in einen Tunnel verwandelt haben, gelangen die Besucher an eine weiße Mauer, die offen ist für das Anbringen von Wünschen, Botschaften und Gedanken. Den Gedanken ist der zweite Raum gewidmet. Karl Perfler dazu: „Wir sind angehalten, die eigenen Wirklichkeiten zu überdenken, uns von lärmenden Gedanken, die uns entfremden und von uns selbst entfernen, zu befreien. Wir müssen und dürfen wieder so denken, wie es Kinder tun und müssen den Weg für Sehnsüchte, die wir als Kinder hatten, wieder frei machen.“ Der dritte Raum, der auf der Wiese südlich der Burg Gestalt annimmt, ist jener des Tuns. „Wir dürfen das Denken und Tun nicht anderen überlassen, sondern es selbst tun,“ ist Karl ­Perfler überzeugt. Wir müssen von den Kindern die Fähigkeit der Begeisterung für das Mitwirken, Dabeisein und Mittun lernen. Vor dem Turm der Burg stoßen die Besucher auf einen Kreis von Steinen. Jedes der 24 Grundschulkinder von Tschengls hat im Rahmen eines Schulprojekts einen Stein bemalt. Was meint Karl Perfler mit „Wir sind Kinder des Kreises?“: „In uns allen lebt das Kind der Begeisterung, das Kind der Visionen. Nur im Kreis gibt es Visionen...Wir wollen unseren Fähigkeiten nachspüren und an der Entwicklung des Menschseins, der Gesellschaft und der Schöpfung mitbauen. Wir wollen leben und nicht gelebt werden.“ Hinter dem Projekt „Zukuft unter Eis“ verbirgt sich genau das, was sich Karl Perfler vor eineinhalb Jahren vorgenommen hat, als er die Tschenglsburg übernahm: Das Potential, das in den Menschen und in der Region Vinschgau steckt, zu erkennen und zu fördern, „aber nicht gegeneinander, sondern in respektvollem Umgang untereinander und mit der Natur.“ Wie sehr sich die Bevölkerung mit der Tschenglsburg identifiziert, beweist schon allein der Umstand, dass beim Projekt „Zukunft unter Eis“ alle 18 Vereine bzw. Gruppen, die es im Dorf gibt, in irgendeiner Form mit involviert sind. Info: Der Projektweg „Zukunft unter Eis” bleibt bis einschließlich 17. Februar 2013 für alle kostenlos zugänglich, und zwar täglich (außer Montag) von 10 bis 20 Uhr. Auch ein Zubringerdienst vom Bahnhof Eyrs wird angeboten. Bei Voranmeldung führt Karl Perfler die Besucher durch den Projektweg. Schulklassen, Vereine, Senioren, Jugendgruppen, Gästegruppen und Einzelpersonen können sich unter Tel. 320 0829165 oder E-Mail (karl.perfler@rolmail.net) anmelden. Weitere Infos im Internet (www.karlperfler.com) Sepp Laner
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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