Auch ohne Zähne

Publiziert in 5 / 2020 - Erschienen am 11. Februar 2020

Wenn man ein bißchen in der Welt herumkommt und sieht, wie die Menschen anderswo leben, werden bestimmte Vorstellungen, die man mitnimmt, relativ. Wem es aber gelingt, das eigene „Kleid“ und alle Scheuklappen vorurteilslos abzulegen, wird einem alsbald klar, dass die Menschen überall vieles gemeinsam haben. Egal, welcher Hautfarbe sie sind, ob überhaupt und welchen Glauben sie haben, wie ihre sexuelle Orientierung ist oder wie sie politisch ticken. Als erstes stellt man fest, dass es überall solche und solche gibt. Also gute Menschen und weniger gute. Was alle vereint, ist das Bemühen, die elementaren Bedürfnisse zu befriedigen. Die Menschen wollen einigermaßen in Sicherheit leben, sie wollen eine würdige Bleibe haben und genug zum Essen und Anziehen. Sie wollen eine Arbeit haben und sich beruflich verwirklichen. Sie möchten gut versorgt werden, falls sie krank oder alt werden. Wenn es einem Staat nicht gelingt, elementarste Dienste zu gewährleisten, helfen sich die Menschen selbst. In der Familie, in der Gemeinschaft. Wenn man in der Früh nicht weiß, ob es einen vollen Mittags-Teller geben wird, ist das kein Grund für übergroße Trübsal. Was vielen Menschen, die so leben müssen, nicht abgeht, ist die Lust am Leben. Unauslöschlich bleibt auch der Traum von einem besseren Leben. Alles das und die Kraft der Liebe lässt viele „arme“ Menschen das tun, was in der „Ersten Welt“ immer seltener wird. Sie lachen oft. Auch ohne Zähne.

Josef Laner
Josef Laner

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