Auf dem Pfad bleiben

Publiziert in 29-30 / 2021 - Erschienen am 14. September 2021

Ich sehe nichts Neues. Diese Steige waren schon immer da. Wo ist dieser Rundweg? Nicht nur einmal war diese Frage zu hören, als am 5. September der Marmorrundweg im Gebiet des Nationalparks eröffnet wurde. Das Neue am Rundweg ist tatsächlich, dass fast nichts neu ist. Und genau das war auch die Absicht. Die Schilder und Thementafeln sind zwar neu, haben aber nur den Zweck, die Augen und Ohren der Wanderer für das zu öffnen, was immer schon da war. Wenn wir den Wert der Natur und einzigartigen Landschaft, in der wir leben, erkennen, gehen damit auch der Respekt, die Achtung und der Schutz der Schöpfung einher. Die Berge, in denen der Marmor schlummert, die Täler, die Almen, die Wälder und die noch verbliebenen Gletscher und Ferner brauchen keine großen baulichen Eingriffe und Installationen. Oder hat jemand vielleicht etwas von Menschenhand Gemachtes der Jennwand entgegenzusetzen? Wir haben der Natur schon mehr als genug angetan. Man muss mittlerweile ziemlich weit gehen, um dem Lärm der Straßen zu entfliehen. „Fluchtwege“ gibt es speziell im Vinschgau in dieser Hinsicht noch viele. Einige führen in den Nationalpark. Der Rundweg ist keine touristische Infrastruktur, die große Massen anziehen soll, sondern eine Einladung, alte Wege neu zu entdecken, auf dem Pfad zu bleiben und vielleicht neu zur Einsicht zu gelangen, wie schön dieses Stück Heimat doch ist. So schön, dass neben den „Ureinwohnern“ auch alle Gäste satt werden.

Josef Laner
Josef Laner

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