Auf demselben Ast

Publiziert in 29 / 2019 - Erschienen am 3. September 2019

Im Amazonas-Gebiet in Brasilien brennen die Wälder. Hilflos sitzen die Menschen weltweit an den Bildschirmen und schauen zu. Warum interessiert es die Europäer, Nordamerikaner oder Chinesen, wenn irgendwo weit weg Teile eines Regenwaldes den Flammen zum Opfer fallen? Die Thematik ist einfach und kompliziert zugleich. Einfach, weil der brasilianische Regenwald irgendwie der ganzen Menschheit gehört. Wird er großflächig zerstört, trifft das mehr oder weniger alle. Abgesehen vom Reichtum an Tier- und Pflanzenarten, denen der Regenwald Heimat bietet, ist er auch für den Klimaschutz von großer Bedeutung. „Wenn wir die Wälder verlieren, verlieren wir den Kampf gegen den Klimawandel“, schrieb kürzlich der deutsche Geograph Dieter Anhuf, Professor der Universität Passau, in einem Gastbeitrag auf FOCUS Online. Bei den Bemühungen zur Begrenzung des Klimawandels müssten die tropischen Regenwälder und insbesondere die massive Eindämmung ihrer Zerstörung eine zentrale Rolle in zukünftigen Abkommen spielen. Kompliziert ist der Regenwald-Schutz vor allem deshalb, weil hinter den - wohl oft gezielten und gewollten - Bränden starke Wirtschaftsinteressen stecken. Vor allem die Agrarindustrie ist scharf auf waldfreies Land. Was hierbei wieder einmal untergeht, vor allem auf der Ebene der Politik, ist die Erkenntnis, dass wir weltweit auf dem gleichen Ast sitzen. Jeder, der an diesem Ast sägt, sägt gleichzeitig am Ast, auf dem wir alle sitzen.

Josef Laner
Josef Laner

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.