Blick aufs Land

Publiziert in 23 / 2013 - Erschienen am 19. Juni 2013
Viel Stein. Sehr viel Stein. Ganz oben ein paar weiße Flecken. Schwindende ­Grüße der Eiszeit. Etwas weiter unten das Grün. Sehr viel Grün. In allen Farbtönen. Zunächst die wilden Bäume. Sie ­schützen andere Bäume, die in der Talsohle wachsen. Und sie behüten auch die Aufrechtgehenden, die links und rechts von Flüssen und - mittlerweile - teils auch von Kanälen sowie an den Hängen ihre Hütten gebaut haben. Die meisten leben zusammengewürfelt in Haufendörfern. Auf bewässerten Schuttkegeln wächst das Brot vieler Aufrechtgehender: Äpfel. Kulturpflanzen, die Wohlstand ins Tal spülten. Die Spuren, die einst der wilde Ritt der Gletscher hinterlassen hat, wurden zum wirtschaftlichen Segen. Früher war es das Korn. Aber diese Zeiten sind vorbei. Auch in der Landwirtschaft lässt sich das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen. Dennoch tut es ein bisschen weh, wenn man sieht, wie sich Betonpfähle mit ziemlich großer Geschwindigkeit in die Obervinschger Grünwiesen bohren. Wo bis vor kurzem noch Kühe grasten, werden in Zukunft Äpfel, Kirschen und Beeren geerntet. Es ist verständlich, dass es vielen nicht gefällt, wenn man der bis­herigen Kulturlandschaft eine neue Maske verpasst. Noch viel mehr Verständnis ist für die Befürchtungen jener aufzubringen, für die die neue Maske zur Fratze wird, weil Spritzmittel nicht immer dort Halt machen, wo sie Halt machen sollten. Und die Schuld liegt dabei nicht immer und nur beim Wind. redaktion@dervinschger.it
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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